Fondsklassiker unter Druck Schock-Therapie

Frank Fischer (links) managt den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, Christoph Bruns den Loys Global | © Shareholder Value Management, Loys

Frank Fischer (links) managt den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, Christoph Bruns den Loys Global Foto: Shareholder Value Management, Loys

Kein Zweifel, 2018 war für Christoph Bruns kein gutes Jahr. Der vom Geschäftsführer der Oldenburger Investmentboutique Loys gemanagte Aktienfonds-Klassiker Loys Global landete zweistellig im Minus und lief dem Durchschnitt seiner Vergleichsgruppe um Längen hinterher. Bei den Rating-Agenturen kommt vor allem letzteres nicht gut an, wie der jüngste Absturz des Fonds im Ranking der Münchner Analysegesellschaft FWW zeigt: Glänzte der Loys Global Anfang 2018 noch mit der Höchstnote von fünf Sternen, so hat er mittlerweile nur noch einen Stern.

Nicht ganz so hart urteilt Morningstar, dort sind es derzeit noch drei von fünf Sternen. Auch einige Anleger wurden gegen Jahresende nervös: Zeitweise drohte das anhand der Kursverluste ohnehin geschrumpfte Volumen durch Anteilsrückgaben unter die Marke von 300 Millionen Euro zu fallen. Ende 2015 waren es noch mehr als 600 Millionen Euro.

Christoph Bruns ist jedoch niemand, der sich durch Gegenwind an den Kapitalmärkten oder den Liebesentzug von Rating-Agenturen und Anlegern sonderlich beeindrucken lässt. Er hält einfach an einmal als unterbewertet erkannten Aktien fest und fügt dem Portfolio, sofern sich irgendwo Möglichkeiten auftun, neue hinzu. Eine Strategie, die sich im laufenden Jahr auszahlt: Mitte April lag der Loys Global mehr als 15 Prozent im Plus und damit wieder voll auf Kurs.

„Der größte Fehler, den man an der Börse machen kann, ist es, in der Korrektur zu verkaufen“, kommentiert Bruns – und fühlt sich auch in einem weiteren seiner Grundsätze bestätigt: „Timing ist nachhaltig nicht möglich.“ Man müsse in jeder Marktphase den Prinzipien des „echten Investierens“ treu bleiben und sich auf Geschäftsmodelle konzentrieren, die „über ein Quartal hinaus einen deutlichen Mehrwert erzielen können“.

Im Prinzip sieht das auch Frank Fischer so. Doch obwohl der Vorstand der Frankfurter Shareholder Value Management bei der Titelauswahl für seinen ebenfalls zu den 100 Klassikern von DAS INVESTMENT gehörenden Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen ganz ähnlich vorgeht wie Bruns, versucht er auf der anderen Seite das scheinbar Unmögliche – nämlich den Markt zu timen.

Je nach Einschätzung von Geldströmen und Marktstimmung ist sein Fonds mal voll investiert, mal durch entsprechende Absicherungen oder Cash-Reserven netto nur zu 50 oder 20 Prozent. Eine Herangehensweise, die seit Auflegung im Januar 2008 erstaunlich gut funktioniert und den Anlegern manch größeren Rückschlag erspart hat. Bis zum Beginn des 4. Quartals 2018. Von Oktober bis Dezember war Fischer für seine Ansprüche viel zu offensiv unterwegs, wie er rückblickend bekennt. Dann wurde er übervorsichtig und verpasste prompt die einsetzende Erholungsrally.

An seiner bisherigen Politik etwas ändern will keiner der langjährigen Erfolgsmanager. „Wir müssen im aktuellen politischen Umfeld von weiteren Schocks ausgehen und agil bleiben“, bekräftigt Fischer. Er hat deshalb zwar seine Netto-Aktienquote wieder auf mehr als 50 Prozent erhöht. Trotzdem hält er nach wie vor fast 30 Prozent Kasse, um bei erneuten Rückschlägen bei aktuellen Favoriten wie Metro, Alibaba oder Sixt Leasing nachkaufen zu können.

Bruns wiederum sucht seine Favoriten weiter außerhalb der USA, deren Börsen er mittlerweile als überteuert ansieht. Neben Deutschland rückt dabei mehr und mehr Japan in den Vordergrund. Inzwischen beträgt der Anteil von in Tokio notierten Aktien mehr als 20 Prozent. Größter Einzelwert mit fast 7 Prozent bleibt allerdings die Deutsche Post, gefolgt von der belgischen Beteiligungsgesellschaft Groupe Bruxelles Lambert.