Vermögensverwalter meint Konjunktur – schönreden hilft nicht, schwarzmalen aber auch nicht
Lange haben viele Zentralbanken gezögert, sich der immer stärker steigenden Inflation entgegenzustellen. Nun haben sie sich schließlich doch auf der alljährlichen stattfindenden Konferenz der führenden Währungshüter im US-amerikanischen Jackson Hole im August darauf verständigt, die Preisanstiege mit drastischen Zinserhöhungen zu bekämpfen – selbst auf Kosten einer sehr wahrscheinlichen Rezession.
Die Fed hatte zwar bereits Ende 2021 den geldpolitischen Wechsel eingeleitet, doch jetzt sind auch nahezu alle anderen diesem Weg gefolgt. Einzig die japanische Notenbank und die politisch gesteuerte Bank of China sehen keinen Handlungsbedarf. Das Ausmaß der Trendwende hatte viele Anleger überrascht. Der Schock saß tief, die Anleihenrenditen schossen in die Höhe und Aktien beendeten abrupt den Versuch einer Bodenbildung.
Die meisten wirtschaftlichen Frühindikatoren sinken immer tiefer und sind nicht mehr weit von den Tiefs der Corona-Pandemie-Zeit entfernt. Kein Wunder, bei den aktuellen Energiepreisen drosseln immer mehr Unternehmen die Produktion, weil sie nicht mehr kostendeckend ist. Preiserhöhungen sind im notwendigen Rahmen nicht durchsetzbar, da uns mittlerweile wieder zuverlässiger die günstigeren Importe aus Asien erreichen. Noch halten sich die Gewinnschätzungen für die Unternehmen in Europa und den USA sehr stabil. Aufwärts- und Abwärtsrevisionen bewegen sich auf gleichem Niveau. Doch es ist bereits klar: Die Zukunft sieht weniger prickelnd aus.
Einseitig pessimistische Wahrnehmung
Da Horrornachrichten in den Medien mehr Beachtung finden als gute, werden sie eben auch häufiger veröffentlicht. Hinzukommt, dass Anleger derzeit einen Tunnelblick haben und gezielt nach schlechten Nachrichten Ausschau halten, quasi als Bestätigung ihrer negativen Meinung – das nennt man selektive Wahrnehmung. Alles Positive wird ausgeblendet. Doch es bringt nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Die Welt wird auch dieses Mal nicht untergehen.
Die hohe Inflation ist in der Tat das marktbestimmende Problem. Erst wenn sich hier eine nachhaltige Besserung abzeichnet, können die Notenbanken von ihrer restriktiven Geldpolitik abrücken. Der konjunkturelle Ausblick würde sich damit schlagartig verbessern und die Stimmung an den Finanzmärkten aufhellen.
In den USA verdichten sich die Zeichen, dass der Inflationshöhepunkt bereits überschritten ist. So ist der Benzinpreis an den Tankstellen pro Gallone von 5,50 auf 4,50 US-Dollar gefallen. Dieser Trend müsste sich eigentlich fortsetzen, denn der Preis der Ölsorte WTI ist seit dem Hoch im März schon um rund ein Drittel zurückgekommen. Auch der überhitzte Arbeitsmarkt kühlt sich allmählich ab. Ein Indiz dafür sind die sinkenden Löhne, die bei neuen Stellen im Gastgewerbe angeboten werden.
