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Aktualisiert am in Inflation & DeflationLesedauer: 6 Minuten
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Schroders-Chefökonom Keith Wade „Diese Anlage könnte statt Gold zum Safe-Haven-Investment werden“

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Könnte es auch eine Stagflation, also Inflation bei gleichzeitiger Wirtschaftsflaute, geben?

Wade: Das könnte passieren, vor allen Dingen wiederum in den USA. Die Fed hat schon begonnen, die Zinssätze anzuheben. Das verlangsamt die Wirtschaft. Dann wird die US-Ökonomie abflauen. Aber die Inflation wird erst verzögert einsetzen. Sie wird etwa ein Jahr lang nicht hinterherkommen. Ich würde sagen: Stagflation ist das, was dabei herauskommt, wenn man eine Ökonomie anzukurbeln versucht, die schon am Ende ihres Zyklus angekommen ist. Sie hat dann keine Kapazität mehr, weiter zu wachsen. Die Unternehmen werden die Preise anheben, die Fed wird die Zinsen heraufsetzen. Das wird die Wirtschaft verlangsamen.

Letzten Endes wird man die Inflation unter Kontrolle bekommen. Aber es wird eine Übergangsperiode von hoher Inflation und schwachem Wachstum geben, eine Stagflation.

Diese Gefahr sehen Sie für die USA voraus?

Wade: Ja, vor allen Dingen in den USA. In der Eurozone gibt es noch Wachstumspotenzial. Die Arbeitslosenrate in Europa ist viel höher als in den USA. Zwar ist innerhalb der Eurozone Deutschland im ökonomischen Zyklus schon weiter vorangeschritten. Ich meine aber die Eurozone als Ganzes. Da kann man noch mehr Wachstum von Italien und Spanien und vielleicht auch Frankreich erwarten – Länder, die sich in einer früheren Phase ihres Wirtschaftszyklus befinden.

Was bedeutet das für europäische Anleger?

Wade: Stagflation ist keine gute Grundlage für Märkte. Wenn die Trump-Politik zu Stagflation führt, wird das die Märkte beunruhigen – die Fed wird die Zinssätze weiter anheben und das Wachstum hemmen wollen. Wenn Zinsen steigen, steigen auch Anleiherenditen. Gleichzeitig schwächt sich das Wachstum ab. Davon sind wiederum die Aktienmärkte betroffen: Aktien werten ab. Das führt zu schwächeren Märkten.

Was Anleger betrifft: Eine Periode der Stagflation in den USA wäre schlecht für alle Investoren, weil die Märkte untereinander verbunden sind. Allerdings denke ich, dass die europäischen Zinssätze von den US-Zinsen abgekoppelt sind. Speziell europäische Investoren sollten berücksichtigen, dass die Zinsen in Europa nicht so anziehen werden wie in den USA, sondern vermutlich tief bleiben. Europäische Anleger werden weiterhin Alternativen jenseits des Anleihemarkts suchen müssen. Die Umstände hier werden dieselben bleiben.

Wenn wir allerdings unterschiedliche Niveaus bei den Zinssätzen haben und der US-Dollar gegenüber anderen Währungen erstarkt, kann das auch ein gutes Signal für den europäischen Aktienmarkt sein. Er könnte profitieren, denn ein schwächerer Euro macht die Unternehmen in der Eurozone profitabler.

Der US-Markt ist bei Investoren momentan sehr gefragt ...

Wade: Ja, ich denke, dass sich der Aktienmarkt auch kurzfristig noch positiv entwickelt. Wenn wir aber den Zeitraum von ein oder zwei Jahren betrachten und auch eine Stagflation in unser Szenario miteinbeziehen, dann sollten Anleger vorsichtig sein bei Investments in den USA.

Sehen Sie einige Safe-Haven-Assets für Investoren?

Wade: Als man vor der Wahl allgemein noch nicht von einem Wahlsieg Donald Trumps ausging, haben sich viele Anleger in Safe-Haven-Investments geflüchtet. Aber das hat nicht richtig funktioniert: Wir haben Anleiherenditen steigen und Gold fallen sehen, hatten dazu einen schwachen japanischen Yen – das sind typische Safe-Haven-Anlagen. Das war eine Überraschung. Wenn wir aber weiter in die Zukunft sehen und uns über Stagflation Sorgen machen, muss man bestimmt über Safe-Haven-Anlagen nachdenken. Ich denke, das Problem für Gold ist, dass es sich in der Regel nicht so gut entwickelt, wenn Zinssätze steigen. Es wird als Safe-Haven-Asset nicht so gut funktionieren, meine ich.

Aber man könnte über den US-Dollar selbst nachdenken: Er ist stark. In dem Umfeld könnte er ein Safe-Haven-Investment werden.

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