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Wachtendorf-Kolumne Schröder, Lambrecht und das liebe Geld

Wenn Personal-Entscheidungen wie ein schlechter Scherz anmuten, ist etwas faul, findet DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf.
Wenn Personal-Entscheidungen wie ein schlechter Scherz anmuten, ist etwas faul, findet DAS-INVESTMENT-Kolumnist Egon Wachtendorf.

Nein, Mitleid mit Gerhard Schröder ist nicht angebracht. Obwohl dem Altkanzler seit dem Angriffsbefehl seines Männerfreundes Wladimir Putin auf die Ukraine kaum etwas erspart bleibt. Das Berliner Büro verwaist, reihenweise sagen sich alte Weggefährten los, und sogar Borussia Dortmund hat ihm die Ehrenmitgliedschaft entzogen.

Trotzdem hält der einstige Strahlemann eisern Kurs. Sei’s drum, für ein gesichtswahrendes Zurückrudern durch die Aufgabe seiner lukrativen Mandate in der russischen Energiewirtschaft wäre es eh zu spät. Alles, was Schröder in dieser selbstverschuldeten Situation noch bleibt: die Aussicht auf spätere, auf einer schmuddeligen Wolke ausgetragene Diskussionen mit Vorgänger Helmut Kohl, wer von beiden das eigene Denkmal in der Nach-Kanzler-Zeit nachhaltiger beschädigt hat. Ein Disput, bei dem man gern Mäuschen spielen würde. Oder vielleicht auch lieber nicht.

Da ist es in diesen dramatischen Wochen nur eine kleine Fußnote, dass inzwischen auch der Verband Betriebliche Versorgungswerke für Unternehmen und Kommunen die Anfang 2020 verkündete Zusammenarbeit mit dem Hannoveraner beendet hat. Gerhard Schröder ist nicht mehr Vorstandsmitglied des Vereins, der hierzulande die betriebliche Altersvorsorge voranbringen will. Ein überfälliger Schritt, völlig losgelöst vom Ukraine-Krieg. Als die Meldung von Schröders Ernennung damals die Runde machte, habe ich zunächst an einen schlechten Scherz geglaubt. Ausgerechnet der Totengräber der Firmen-Direktversicherung, dessen Regierung Millionen Vorsorgesparern eine nachträgliche Beitragspflicht zur gesetzlichen Krankenversicherung unterjubelte, sollte die Deutschen für den Abschluss einer Betriebsrente begeistern? Grotesk.

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Man könnte das für einen bizarren Ausrutscher halten – würden derart neben der Spur liegende Personalentscheidungen nicht am laufenden Band getroffen. Unsere neue Verteidigungsministerin Christine Lambrecht ist auch so ein Fall. Nichts gegen die Ministerin persönlich, war doch die studierte Juristin im Justiz-Ressort trotz manch kritikwürdiger Entscheidung einer der wenigen Aktivposten der 2021 abgelösten CDU-SPD-Regierung. Aber als Dienstherrin auf der Hardthöhe und im Bendlerblock? Da hätte ich mir eher eine Person gewünscht, die schon vor Amtsantritt einmal einen Panzer oder eine Bundeswehrkaserne von innen gesehen hat.

Warum Lambrecht für diesen Job erste Wahl war, ist klar: Bundeskanzler Olaf Scholz lag die Geschlechter-Parität im Kabinett sehr am Herzen, die Sanierung der Bundeswehr nicht ganz so sehr. Zumindest nicht bis zum 27. Februar 2022, als er unter dem Eindruck des Ukraine-Kriegs für die marode Truppe ein Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro ankündigte. Hoffentlich findet Lambrecht gute und nicht zu teure Berater, die für eine sinnvolle Verteilung des Geldes sorgen.

Apropos Geld: Mit Michael Schrodi hat die SPD seit einigen Monaten einen neuen finanzpolitischen Sprecher. Vorgänger Lothar Binding, der sich nach der Jahrtausendwende große Verdienste um den Nichtraucher-Schutz in Deutschland erworben hat, machte auf dem Posten nicht immer eine gute Figur – unter anderem aufgrund seines fehlenden Gespürs für etliche aus politischer Regulierungswut heraus entstehende praktische Probleme in der privaten Finanzberatung. Noch ist es zu früh, über den langjährigen Geschichts- und Sozialkundelehrer Schrodi ein ähnliches Urteil zu fällen. Gleichwohl wäre es für die Branche sicher hilfreich, in der Regierung einmal einen Ansprechpartner zu haben, der diese Praxis aus eigener Anschauung kennt. Vielleicht gäbe es dann endlich auch ein paar neue Impulse, wie es mit der seit Jahren brachliegenden Altersvorsorge in Deutschland als Ganzem weitergehen soll.

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