Themen-Experte
Verantwortungsvoll anlegen

ANZEIGE

Themen-Experte
Verantwortungsvoll anlegen

ANZEIGE
Die Fluggesellschaft Lufthansa will die staatlichen Stabilisierungshilfen „so rasch wie möglich“ zurückzahlen Foto: imago images / Christian Offenberg
ANZEIGE

Unternehmensschulden in der Coronakrise

Schulden sind per se nichts Schlechtes

Carsten Roemheld, Fidelity

In Zeiten, in denen Fremdkapital quasi zum Nulltarif zu haben ist, vergrößert sich der Hebel immer mehr – und so waren Unternehmen in den vergangenen Jahren auch kaum bestrebt, ihre Fremdkapitalquoten zu reduzieren. Im Gegenteil: Die Verbindlichkeiten stiegen über die Jahre. Da auch die Gewinne regelmäßig nachzogen, fanden die Unternehmen, ihre Investoren und Gläubiger gleichermaßen Gefallen daran: eine Win-Win-Win-Situation. 

Doch jetzt mehren sich die Zeichen für eine Trendwende. Ein Indiz dafür lieferte im Frühjahr unsere diesjährige Analystenumfrage. Danach planen offenbar viele Unternehmen, ihre Verschuldung in den kommenden Monaten abzubauen. 

Grafik: Die Gesamtverschuldung der Unternehmen wird sinken oder sich stabilisieren

Woran kann das liegen? Nun: Hohe Schulden machen Unternehmen krisenanfällig – denn Fremdkapital ist nicht sonderlich geduldig. Eine hohe Eigenkapitalquote, gestützt von langfristig orientierten Investoren, erhöht dagegen die Resilienz. Wenn die Gewinne nicht mehr steigen, kann der Leverage-Effekt seine ganze Kraft in die Gegenrichtung entfalten. Unternehmen müssen ihre Verbindlichkeiten auch in der Krise weiter bedienen. Die Bonität verschlechtert sich. Anleihekäufer werden nervös, wollen womöglich verkaufen.

Sehen dann auch Aktionäre, dass die Gewinnerwartungen nicht mehr zu halten sind, stoßen sie ebenfalls ihre Papiere ab. Dann fehlt nach dem Fremd- auch frisches Eigenkapital. Die Lage spitzt sich zu. Da ist die Einsicht der Unternehmen, dass man seine Schulden auch wieder abbauen sollte, eine gute Nachricht.

Die Schere öffnet sich

Nur: Ist dieses Entschuldungsszenario auch wahrscheinlich – und für die Unternehmen momentan überhaupt machbar? Bisher sind den Worten hierzulande, wenig überraschend, noch keine Taten gefolgt: In der Coronakrise war die Schuldenlast deutscher Unternehmen im Gegenteil deutlich gestiegen, zeigen Daten der Bank for International Settlements, die Statista ausgewertet hat. So machten im dritten Quartal 2020 die Verbindlichkeiten der hiesigen Unternehmen 64 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Gemessen am Vorjahreszeitraum stieg der Wert um 4,5 Prozent an. Die Zahlen dürften seit dem Herbst 2020 im Zuge der erneuten Lockdowns weiter geklettert sein. Und währenddessen meldeten viele Unternehmen sinkende Gewinne und Eigenkapitalquoten.

Mit anderen Worten: Die Schere zwischen steigenden Verbindlichkeiten und sinkenden Ergebnissen öffnet sich. Das könnte in den kommenden Monaten gefährlich werden, zu Insolvenzen und Sanierungsfällen führen – und Aktionären wie Gläubigern die Risiken gehebelter Investments vor Augen führen.

Am Ende könnte die Coronakrise aber auch zu einer fundamentalen Neubewertung führen bei der Frage danach, wie hoch Unternehmen ihre Schuldenquote treiben können, ohne ihre Resilienz zu verlieren. In manchen Führungsetagen scheint diese Debatte nun angekommen zu sein.

Das könnte Sie auch interessieren:

  • Wie verändern mobile Apps die Konsumgewohnheiten in Asien? Was sagt die Zinskurve über die Perspektiven an den Märkten aus? Und wie entwickeln sich die globalen Lieferketten gerade? Hier beleuchtet Kapitalmarktstratege Carsten Roemheld die Finanzmärkte von allen Seiten – auf Basis des Wissens unserer weltweiten Analysten und Investmentexperten. Mehr erfahren

Wichtige Informationen:

Diese Unterlage ist eine Marketinginformation. Eine Anlageentscheidung sollte in jedem Fall auf Grundlage des Kundeninformationsdokuments „Wesentliche Anlegerinformationen“ und des veröffentlichten Verkaufsprospekts, des letzten Geschäftsberichts und – sofern nachfolgend veröffentlicht – des jüngsten Halbjahresberichts getroffen werden. Diese Unterlagen sind die allein verbindliche Grundlage des Kaufs. Anleger in Deutschland können diese Unterlagen kostenlos bei der FIL Investment Services GmbH, Postfach 200237, 60606 Frankfurt am Main, anfordern. FIL Investment Services GmbH veröffentlicht ausschließlich produktbezogene Informationen und erteilt keine Anlageempfehlung. Die im Text genannten Unternehmen dienen nur der Illustration und sind nicht als Kaufs- oder Verkaufsempfehlung zu verstehen. Der Wert der Anteile kann schwanken und wird nicht garantiert. Informationen aus externen Quellen werden hinsichtlich ihrer Richtigkeit oder Vollständigkeit von Fidelity International nicht garantiert. Ebenso haftet Fidelity International nicht für entstandene Verluste aus der Verwendung der Informationen. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind keine Indikatoren für zukünftige Erträge. Fidelity International, das Fidelity International Logo und das „F-Symbol“ sind eingetragene Warenzeichen von FIL Limited. FIL steht für FIL Limited (FIL) und ihre jeweiligen Tochtergesellschaften. Herausgeber für Deutschland: FIL Investment Services GmbH, Postfach 200237, 60606 Frankfurt am Main. Stand, soweit nicht anders angegeben: Juni 2021. MK12541

Mehr zum Thema