Aktualisiert am 13.01.2009 - 11:44 UhrLesedauer: 2 Minuten

Schwache Solisten

Schwache Solisten
Für 8,94 Euro einen Hedge-Fonds kaufen: Per Zertifikat ist selbst das möglich. Denn für Zertifikate gilt nicht, was einigen Hedge-Fonds-Managern das Leben oder wenigstens den Vertrieb schwer macht. Zertifikate dürfen im Gegensatz zu Hedge-Fonds öffentlich vertrieben werden, selbst wenn sie intransparente Produkte oder Single-Fonds abbilden.

Das Gros der Hedge-Fonds-Zertifikate bezieht sich zwar auf Dachfonds und Indizes, doch einige Emittenten haben auch Papiere auf einzelne Fonds im Programm. So wie die französische BNP Paribas, die am 2. November 2006 ihr erstes Zertifikat auf einen Single-Hedge-Fonds emittierte.

10 Euro kostete das Papier auf den Hedge-Fonds Boussard & Gavaudan Holdings (B&G). Kleiner Schönheitsfehler des Angebots: B&G-Aktien werden in Amsterdam gehandelt, wo jedermann sie einfach kaufen kann (siehe DAS INVESTMENT August 2007).

Genau die gleiche Konstruktion ermöglicht über die Deutsche Bank ein Investment in den MW Tops der britischen Marshall Wace. Das Zertifikat bildet die ebenfalls in Amsterdam notierte Aktie ab, die anders als klassische Hedge-Fonds keinerlei Verkaufsbeschränkungen unter - liegt. Die Zertifikate gleichen damit etwa einem Papier, das beispielsweise die Entwicklung der Deutsche-Bank- oder BNP-Aktie eins zu eins abbildet – ohne Puffer, Bonus oder sonstige Extras.

Über dieses Zertifikat hinaus hat die Deutsche Bank nur einige Papiere auf Hedge-Fonds als Privatplatzierung emittiert. Sie sind nicht börsennotiert, und ein Handel der Zertifikate, darunter eins auf den Winton Futures Fund, ist auch bei der Bank nicht möglich. Ein weiteres Zertifikat der Bank auf den QAM Global Equities Fund wird ausschließlich an der Euronext Amsterdam gehandelt und ist nur für Niederländer emittiert worden.

DWS Go, die Zertifikateplattform der Deutsche-Bank-Tochter DWS, bietet dagegen zwei Papiere auf den hauseigenen Währungs-Hedge-Fonds, die täglich an der Börse gehandelt werden können, bislang aber enttäuschen.
Auch die Wertentwicklung der übrigen Zertifikate auf Einzel-Hedge-Fonds ist großenteils enttäuschend.

Allenfalls kurzfristig haben die Managed-Futures- Zertifikate von Superfund und Estlander & Rönnlund überzeugt. Mittel- bis langfristig landet einzig das erwähnte Deutsche- Bank-Papier auf den QAM-Fonds im zweistelligen Bereich.

Attraktive Single-Fonds im Zertifikatemantel sind somit trotz der Freiheiten der Branche Mangelware. Michael Busack, Chef der Hamburger Absolut Research, hat eine plausible Erklärung: „Nicht viele Banken sind bereit, Hedge-Fonds zu verbriefen. Denn sie können die Volatilität teilweise nicht einschätzen und sich nur schwer gegen die langen Kündigungsfristen der Fonds absichern. Damit bleiben zu viele Risiken in den Büchern der Banken.“
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