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Schwankend bergauf

Schwankend bergauf

(Quelle: DAS INVESTMENT) Produkte aus China bringen Kinderaugen zum Strahlen. Trotz des Skandals um bleihaltige Farbe an Puppen: 80 Prozent der weltweit hergestellten Spielwaren werden in der Volksrepublik produziert. Und auch für Erwachsene gibt es hierzulande immer mehr „Made in China“ zu kaufen: Elektronische Erzeugnisse, Textilien oder Bekleidung sind nur einige Beispiele. Spätestens 2009 ist das Reich der Mitte Exportweltmeister, heißt es in einer Untersuchung der Schweizer Denkfabrik Prognos. Doch nicht nur Chinas Anteil am weltweiten Handel nimmt massiv zu, auch das von Indien und den anderen asiatischen Schwellenländern. Mehr als jedes dritte Exportprodukt werde bis zum Jahr 2015 aus dieser Region stammen, so Prognos.

Die dank des Exports von Rohstoffen und Konsumgütern positiven Handelsbilanzen sind neben den geringen Schulden, der wachsenden Konsumfreude der Mittelschicht und der niedrigen Inflation, nur einige der Gründe, weshalb der fünfjährige Boom an den Schwellenländer-Börsen weiter anhält. Zumindest wenn es nach den Optimisten unter den Analysten geht.

Hinzu kommt: Die Gewinne der Unternehmen mit Sitz in den Schwellenländern steigen im Schnitt deutlich schneller als die der Firmen in Industrienationen. In Lateinamerika wuchs der Gewinn pro Aktie 2007 um 24,6 Prozent, in Asien ohne Japan um 14,7 Prozent. Zum Vergleich: In Europa legte der Gewinn pro Aktie im Schnitt nur um 8,6 Prozent zu, in den USA um 8,1 Prozent.  Die historisch gesehen hohen Kurs-Gewinn-Verhältnisse zwischen 15 und 20 an den Schwellenländerbörsen sind damit durchaus gerechtfertigt.

Die Pessimisten führen als einen der größten Unsicherheitsfaktoren die künftige Entwicklung der US-Wirtschaft an. Eine Rezession droht. Die vom amerikanischen Hypothekenmarkt ausgelöste Finanzkrise ist noch nicht ausgestanden. Das wahre Ausmaß wird sich erst mit der Veröffentlichung der Banken-Bilanzen für 2007 offenbaren. Vor allem Lateinamerika wäre von einigen Nullrunden des US-Wirtschaftswachstums betroffen, mit Ausnahme von Brasilien. Denn ebenso wie die asiatischen Volkswirtschaften ist die brasilianische Konjunktur deutlich geringer mit der US-Wirtschaft verflochten.

Im Juli und August vergangenen Jahres, als die US-Hypothekenkrise bekannt wurde, hatten zunächst die Pessimisten die Oberhand. Das gestiegene Risikobewusstsein trieb die Investoren aus den Schwellenländerbörsen heraus. Keine Spur jedoch von einem nachhaltigen Crash: Inzwischen sind die Verluste mehr als aufgeholt.

Neue Hiobsbotschaften könnten die Anleger allerdings erneut in die Angst treiben. Ben Bernanke, Chef der US-Notenbank, hat jedoch bereits reagiert. Um ein Abgleiten der US-Wirtschaft in die Rezession zu verhindern, sorgte er für billigeres Geld, indem er die Leitzinsen im Dezember um 0,25 Prozentpunkte auf 4,25 Prozent senkte. Weitere Zinssenkungen werden in diesem Jahr erwartet.

Wer letztendlich Recht behält, Optimisten oder Pessimisten, wird die Zukunft zeigen. Auf eines sollten sich Anleger aber auf jeden Fall einstellen: Die Kursschwankungen werden 2008 noch stärker ausfallen als im 2007.