Schweizer Finanzaufsicht

Bankgeheimnis-Verlust hilft Schweizer Banken im Ausland

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Schweizer Banken, die nicht vom löcherig gewordenen Bankgeheimniss abhängig sind, könnten leichter im Ausland expandieren als diejenigen, die früher ihr Geschäft mit Geheimkonten machten, sagt die Finanzaufsicht der Schweiz.

Die Verlagerung weg von Geschäften, die zu einem gewissen Teil vom Bankgeheimnis abhingen, ändere die Wahrnehmung Schweizer Vermögensverwalter im Ausland, sagte Mark Branson, der Direktor der Finma, am Montagabend bei einer von der Schweizerischen Bankiervereinigung organisierten Podiumsdiskussion in Bern. Viele Banken des Landes seien sehr an internationalen Aktivitäten interessiert.

Die Schweiz hat sich darum bemüht, ihren Ruf als eine der weltgrößten Steueroasen abzuschütteln, indem die Kooperation mit anderen Regierungen ausgebaut wurde, die nicht deklarierte Vermögenswerte erfassen wollen. Die Regierung plant, Kontodaten von ausländischen Bankkunden bis 2018 als Teil eines von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung neu entworfenen Systems mit anderen Ländern auszutauschen.

Für Kunden aus Ländern, mit denen kein automatischer Datenaustausch vereinbart wurde, müssen Banken eine Risiko-Prüfung durchführen, wie die Schweizer Regierung am Freitag erklärte.

Auslandsgeschäft ausgebaut


Nachdem das Inlandsgeschäft mit ausländischen Kunden durch den Verlust des Bankgeheimnisses untergraben wurde, haben viele Privatbanken versucht, stattdessen ihre Auslandspräsenz auszubauen. Sie folgten dem Weg von UBS und Credit Suisse und wuchsen in Finanzzentren wie London, Hongkong und Singapur, um private Vermögen anzulocken und Mandate institutioneller Investoren wie Pensionsfonds zu gewinnen.

Julius Bär, der drittgrößte Schweizer Vermögensverwalter, verdoppelte das in Asien verwaltete Vermögen nach der Übernahme der Nicht-US-Sparte von Merrill Lynch von Bank of America im Jahr 2012. Zudem will die Bank in London expandieren. Lombard Odier, die älteste Bank in Genf, verfügt über Geschäftsstellen in Singapur und Hongkong und kündigte im vergangenen Jahr an, das verwaltete Vermögen in Asien um jährlich 20 Prozent steigern zu wollen.

Union Bancaire Privée vereinbarte im März die Übernahme von Coutts International, einer Tochtergesellschaft von Bank of Scotland. Die Genfer UBP verwaltete Ende 2014 ein Vermögen im Volumen von fast 100 Milliarden Franken und hatte bereits 2013 das internationale Privatbankengeschäft der britischen Lloyds Banking Group gekauft. Durch die Coutts-Transaktion will UBP die Geschäfte im Nahen Osten und in Singapur ausbauen.

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