Wie wichtig ist politische Stabilität in den Schwellenmärkten?

Röhrig: Anleger müssen in dieser Asset-Klasse politische Turbulenzen stets mit einkalkulieren. Man darf hier nicht den Fehler machen, Unternehmen nur isoliert zu sehen. Das Umfeld darf keinesfalls vergessen werden. Die umsichtige Titelselektion ist wichtig. Hinzu kommt die Berücksichtigung politischer Aspekte. Ein gutes Risiko-Management sieht daher eine Diversifizierung über Länder und Regionen hinweg vor. Aufgrund dieser unterschiedlichen Risiken kommt es nicht von ungefähr, dass den Anlegern eine höhere Prämie winkt.

Welche Rolle spielen ESG-Kriterien bei Investments in den Schwellenländern?

Röhrig: Auch in den Schwellenländern wird der Nachhaltigkeitsgedanke immer wichtiger. Wir schauen uns die Governance-Strukturen der Unternehmen, in die wir investieren wollen, ganz genau an. Wie sind die Besitzverhältnisse? Wie transparent sind die Unternehmen? Wie gut ist das Reporting?

Man hat immer wieder einmal den Fall: Das Unternehmen legt zwar wirtschaftlich gute Zahlen vor, aber die Corporate Governance ist so schlecht, dass der tiefe Aktienkurs, der uns anlockt, seine Berechtigung hat. Wir achten auf eine gute Unternehmensführung – nicht zuletzt, weil der unternehmerische Erfolg auf Dauer deutlich nachhaltiger ausfällt und es dem Anleger damit gelingen dürfte, langfristig eine gute Rendite zu erzielen.

Als Emerging-Markets-Analyst haben Sie auch die Frontier-Märkte auf dem Radar?

Röhrig: In der Tat! Hier können sich interessante Investitionsmöglichkeiten ergeben. Dazu muss allerdings Liquidität in den jeweiligen Werten vorhanden sein. Zugleich müssen die Firmenstrategien stimmig sein. Afrika tickt anders als Asien. Investments in die Frontier-Märkte können höchst lukrativ sein. Man braucht für das Research jedoch in noch höherem Maße als bei den Schwellenländern Spezialisten vor Ort, die den Markt und sein Potenzial ganz genau im Blick haben. Ohne diese lokale Expertise geht es nicht.

Letztlich zahlt sich deshalb aktives Fondsmanagement bei Schwellenländer-Anlagen für die Anleger aus?

Röhrig: Die langfristigen Investmentchancen in den Schwellenländern sind intakt – das Wachstumspotenzial und die Qualität der Unternehmen variieren jedoch stark. Dieses ineffiziente Marktumfeld bietet hervorragende Chancen für aktives Management

Den ersten Teil des Interview können Sie noch einmal hier nachlesen.