Schwellenländer-Aktien „US-Strafzölle werden China nicht stoppen“

US-Präsident Donald Trump beim Unterzeichnen der Handelssanktionen gegen China im März: Die Regierung in Peking hat auf die immer neuen Provokationen aus Washington mit Gegenzöllen geantwortet. | © Getty Images

US-Präsident Donald Trump beim Unterzeichnen der Handelssanktionen gegen China im März: Die Regierung in Peking hat auf die immer neuen Provokationen aus Washington mit Gegenzöllen geantwortet. Foto: Getty Images

Der chinesische Aktienmarkt (MSCI China) ist seit Anfang Juni um rund 20 Prozent gefallen. Ausschlaggebend für diese Entwicklung war vor allem der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Aus fundamentaler Sicht ist diese starke Marktreaktion jedoch nicht gerechtfertigt: Die negativen Folgen werden massiv überschätzt.

Die Investoren neigen dazu, den Worst Case anzunehmen. Dabei übersehen sie, dass die Nettoexporte nur drei Prozent des Bruttosozialprodukts ausmachen. Außerdem sinkt der Anteil der Exporte Chinas in die USA kontinuierlich. Mittlerweile ist das Exportvolumen in den asiatischen Raum mehr als doppelt so groß.

Die chinesische Regierung hat bereits im April begonnen, die Wirtschaft zu stützen. So hat die chinesische Zentralbank vermutlich gezielt eine Abwertung des Renminbi gegenüber dem US-Dollar von rund fünf Prozent herbeigeführt, um die Zölle zu einem wesentlichen Teil zu kompensieren.

Strukturen verbessert

Harald Staudinger, Geschäftsführer bei Aspoma Asset Management in Linz

Weitere Maßnahmen sind Steuersenkungen, um die Investitionskraft kleiner und mittlerer Unternehmen zu stärken, die Versorgung des Marktes mit Liquidität durch die Senkung der Mindestreservesätze, Lockerungen bei der Genehmigung von Infrastrukturinvestitionen und Anreize für Banken, die Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen zu steigern.

Wesentlich ist, dass anders als bei früheren Stützungsmaßnahmen nicht einfach Geld ins System gepumpt wird, sondern die Gelder für strukturelle Verbesserungen eingesetzt werden. Statt zu Kapazitätserweiterungen werden die Unternehmen beispielsweise zu Investitionen in die Automatisierung ihrer Anlagen ermutigt.

Kapazitäten ausgelastet

Dass der Markt von fundamental gerechtfertigten Niveaus abgewichen ist, zeigt sich daran, dass die Gewinne der Unternehmen im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent gewachsen sind.

Strukturbereinigungen auf der Angebotsseite und das Investitionsverhalten der Unternehmen sorgen dafür, dass sich die Kapazitätsauslastungen schrittweise verbessern. Gleichzeitig bauen die Unternehmen ihre Verschuldung ab und stärken ihre Bilanzen.

Wachstum abgeschwächt 

Die leichte Wachstumsabschwächung in den letzten Quartalen ist ausschließlich auf einen Rückgang der staatlichen Investitionen zurückzuführen: Das ist grundsätzlich positiv, weil sich so notfalls Spielraum zum Gegensteuern bietet. Die Regierung hat begonnen, diesen Spielraum vorsichtig zu nutzen, ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen.

China ist auf dem jetzigen Niveau im historischen Vergleich und im Vergleich zu anderen Märkten tief bewertet. Es ist zu erwarten, dass sich die extremen Risikoprämien im Markt normalisieren und er zu fundamental gerechtfertigten Niveaus zurückfindet.