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Straßenszene im indonesischen Jakarta: Emerging Markets-Aktien bieten Aussicht auf Erträge, die über denen der Industrieländer liegen.  | © Getty Images

Schwellenländer-Anlagen „Multinationals setzen auf das Wachstum der Schwellenländer“

Herr Grace, die „New World Strategie“ von Capital Group wurde im Jahr 1999 aufgelegt. Wie haben sich die Emerging Markets seither verändert?

Nick Grace, Kapitalmarktstratege New World-Strategie bei Capital Group

Grundlegend! Sie sind in 20 Jahren nicht nur erheblich gewachsen, sondern auch deutlich komplexer geworden. Zwei Arten von Veränderungen beobachten wir: Erstens sind sowohl die Volkswirtschaften als auch die Gesellschaften der Entwicklungsländer gereift. Zweitens: Anleger haben inzwischen vielfältige Möglichkeiten, um mit börsennotierten Wertpapieren vom Wachstumspotenzial der Schwellenländer zu profitieren. Immer mehr Menschen kommen zu Bildung und Wohlstand, deshalb werden Güter und Dienstleistungen immer stärker nachgefragt. Das gilt für Konsumgüter des täglichen Bedarfs ebenso wie für Gesundheits- und Finanzdienstleistungen.

Könnten Sie ein Beispiel für eine solche erfolgreiche wirtschaftliche Transformation nennen?

In den vergangenen 20 Jahren haben sich eine Reihe von Schwellenländern von ihrer Abhängigkeit des Exports von Rohstoffen und der Produktion billiger Elektronik befreit. Ein gutes Beispiel hierfür ist Indien, das unter dem gerade erst wiedergewählten Premierminister Narendra Modi in eine neue, digitale Epoche aufbrechen will. Insbesondere der Einzelhandel des Landes ist von großen Veränderungen geprägt. Der indische Einzelhandelsmarkt – grob gefasst alles von Lebensmitteln über Schmuck bis zu Bekleidung – hat heute ein Volumen von rund 800 Milliarden US-Dollar. Der überwiegende Teil davon wird über traditionelle Verkaufskanäle abgewickelt, kleine Geschäfte und Märkte. Doch aufgrund des Gewinnpotenzials dieses enormen Marktes haben Dienstleister wie Amazon, Walmart und Reliance eigene E-Commerce-Strategien für Indien entwickelt. Das könnte die traditionellen Distributionskanäle dort erheblich verändern.

Investitionen in Emerging Markets können mit Risiken einhergehen. Die Schwellenländer sind volatil, und es kann zu Liquiditätsproblemen kommen.

Beim Thema Marktzugang ist vermutlich die umfassende Öffnung der Emerging Markets für ausländische Investitionen die größte Veränderung. Die Anlagemärkte von Asien, Afrika, Europa und Südamerika haben große Fortschritte gemacht bei Markttiefe und Liquidität. Natürlich ist noch Luft nach oben, und es gibt immer noch Probleme bei Transparenz und Corporate Governance. Hinzu kommen aufsichtsrechtliche Restriktionen. Die beeindruckenden Verbesserungen sind aber nicht zu leugnen. Von den Entwicklungsschritten der Schwellenmärkte profitiert die ganze Welt. Heute ist die Welt wesentlich enger vernetzt als vor 20 Jahren, und viele globale Multinationals wollen Wachstumschancen in nutzen. Es wäre daher falsch, die Schwellenländer als einen homogenen Markt anzusehen. Vielmehr handelt es sich um eine große Zahl unterschiedlicher Länder und Märkte, die von in- und ausländischen Unternehmen bedient werden.

Was sind die wichtigsten Herausforderungen für Investoren in den Schwellenländern?

Emerging Markets-Aktien sind eine spannende Anlageklasse mit beeindruckenden Wachstumsfaktoren und der Aussicht auf Erträge, die über denen der Industrieländer liegen. Der Preis für das größere Ertragspotenzial ist eine höhere Volatilität. Politische Unsicherheit, das Zentralbankverhalten, Wechselkursschwankungen und Stimmungswechsel können hier für hohe Verluste sorgen. Für Investoren oft ein Grund zur Sorge.

Ein weiteres Problem ist die hohe Gewichtung einzelner Großunternehmen in den Emerging Markets-Indizes. Das Anlageuniversum ist umfänglich, aber die Aktienindizes der Schwellenländer werden von einigen wenigen Großunternehmen dominiert: Fast 20 Prozent der Marktkapitalisierung des MSCI Emerging Markets Index entfällt auf die fünf größten Positionen. Auch die Länderkonzentration ist hoch: 74 Prozent des Index entfallen auf Unternehmen aus Asien. Beide Aspekte verstärken sich oft gegenseitig, sodass Volatilität und Wertverluste zunehmen. Für Anleger umso wichtiger ist deshalb Diversifikation mittels eines großen Anlageuniversums.

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