Frederick Coldham, Leiter Fixed Income und Fondsmanager, arbeitet seit 2011 für die Fondsboutique Stratton Street

Frederick Coldham, Leiter Fixed Income und Fondsmanager, arbeitet seit 2011 für die Fondsboutique Stratton Street

Schwellenländer-Anleihefonds

Kein Geld für große Schuldner

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Es ist die zentrale Überzeugung: „Warum sollte man Ländern Geld geben, die netto weltweit zu den großen Schuldnern gehören?“, fragt Frederick Coldham, Manager des Stratton Street Renminbi Bond Fund (WKN: A1J7K3). „Unsere Analyse hat ergeben, dass ein großes Risiko besteht, in Anleihen von Ländern zu investieren, die weit größere externe Schulden als Vermögenswerte haben.“

Die erste Stufe des Investmentprozesses ist daher, für Länder Vermögen und Auslandsschulden gegenüberzustellen und eine Quote aus deren Differenz bezogen aufs Bruttoinlandsprodukt zu berechnen – die sogenannte NFA-Analyse.

Dazu zieht Coldham nicht nur Staatsschulden, sondern auch Auslandskredite von Unternehmen und privaten Haushalten heran. Je höher die Quote, desto besser. Als Grundlage dienen die Zahlen des Internationalen Währungsfonds. Durch die Herangehensweise weicht der Fondsmanager stark von den gängigen Vergleichsindizes ab, bei denen gerade große Schuldner hoch gewichtet sind.

Ergebnis ist ein Länder-Ranking. Ganz oben stehen Hongkong und Katar. Beide sind gegenüber dem Ausland mit einer Quote von 276 und 263 die größten Netto-Gläubiger. Das mag der Fondsmanager, und entsprechend machen Anleihen aus Hongkong und Katar 11,8 und 23,5 Prozent im Portfolio aus. Insgesamt hat Coldham von 128 Ländern die NFA-Analyse.

Derzeit würde er nur Anleihen aus 28 Ländern kaufen. Ausgeschlossen sind solche, die nach der NFA-Analyse eine niedrigere Quote als minus 50 Prozent haben, und solche, deren Länder-Rating kein Investment Grade ist. Letzteres trifft auf Venezuela zu. „Japan beispielsweise ist sogar ein positiver Kandidat. Das Land hat gegenüber dem Ausland vergleichsweise wenige Schulden und kommt auf eine gute NFA-Quote von 62 Prozent“, erklärt Coldham.

Den größten Teil der japanischen Staatsschulden halten inländische Institute, vor allem große Pensionskassen. „Diese Schulden laufen aber nicht Gefahr, von einem ausländischen Investor abgezogen zu werden und damit die Währung unter Druck zu setzen.“

Neue Leitwährung

Zweite Performance-Quelle neben den Kurs- und Kupongewinnen der Anleihen ist das Overlay-Management des Fonds auf der Währungsseite. „Wie der Name verrät, handelt es sich um einen Renminbi-Fonds. Die Möglichkeit, auch Renminbi-Anleihen zu kaufen, nutzen wir derzeit zwar nicht“, so Coldham. Stattdessen aber die Währung. „Bereits Anfang 2016 wird der Renminbi die am drittmeisten gehandelte Währung weltweit sein. Wir sind überzeugt, dass er daher weiter aufwertet und sehen das als Renditequelle.“

Dabei versucht sich der Stratton-Street-Manager erst gar nicht am Markt-Timing. Er positioniert den Fonds zu allen Zeiten zu 100 Prozent in der chinesischen Währung. Was er aktiv managt, sind die Positionen in Festlands- und Offshore-Renminbi. „Mal ist die eine Renminbi-Variante niedriger bewertet, mal die andere, und entsprechend ist das Aufwertungspotenzial größer. Das versuche ich zu nutzen.“

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