Schwellenländer-Anleihen „Genau der richtige Zeitpunkt für Langfrist-Anleger“

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Italien

Die politische Krise in Italien hat Anleihen aus der Peripherie und aus Schwellenländern erfasst. Theoretisch sollte der Abstand gegenüber den risikolosen Zinssätzen davon unberührt bleiben. Aber in der Praxis sieht das mitunter anders aus. Häufig werden Anleihen aus Schwellenländern unabhängig von risikolosen Zinsen gehandelt.

Die Ereignisse in Italien haben Spuren bei EM-Anleihen hinterlassen. Euro-basierte Anleger sind in Deckung gegangen und dürften sich nun höher verzinsten Alternativen in Heimatnähe zuwenden. Tatsächlich muten die aktuellen Ereignisse sehr nach einer Wiederholung von 2011 an, als Anleger den Euro auf eine harte Probe stellten.

Diese Art von Ereignissen bietet eine Fülle von Anlagemöglichkeiten. Aber dies ist kein Markt für kurzfristige Handelswetten, denn der richtige Zeitpunkt ist wie immer schwer zu fassen. Für langfristig orientierte, antizyklische Anleger sind das jedoch ideale Rahmenbedingungen, die für ein Bond-Picking wie geschaffen sind.

Mexiko

Für die Märkte für Schwellenländeranleihen standen Anfang Juli die Wahlen in Mexiko im Fokus, bei denen Kommunal-, Regional- und Präsidentschaftswahlen zusammenfielen. Zwar wurde ein Sieg des linken Präsidentschaftskandidaten López Obrador erwartet. Doch dass seine Partei die Mehrheit in beiden Kammern des Landes errang, war eine Überraschung.

Da die Investoren davon überzeugt waren, dass Obrador wahrscheinlich in beiden Kammern, zumindest aber im Senat, eine Koalition eingehen müsse, muss die Bekanntgabe des Wahlergebnisses wie eine alarmierende Nachricht geklungen haben. Trotzdem hat es für eine kleine Rally mexikanischer Vermögenswerte gereicht.

Zwar sind die Märkte Obrador und seiner populistischen Rolle, ein „Mann des Volkes“ zu sein, überdrüssig. Doch könnten sich diese Befürchtungen als übertrieben herausstellen. Schließlich hat Obrador seinen Wahlkampf auf einer Anti-Korruptions-Kampagne aufgebaut. Es bleibt nun abzuwarten, wie erfolgreich er sein wird und wie er die Finanzierung seines politischen Programms bewerkstelligen möchte. Aber im Vergleich zu seinen Vorgängern, die mit ihrer Politik mehrheitlich gescheitert sind, ist die Messlatte für ihn sehr niedrig angesetzt.

Fazit

Ängste vor steigenden US-Zinsen und Währungsschwankungen beeinflussen zwar die Stimmung an den Märkten für Schwellenländeranleihen, verändern aber die Fundamentaldaten nicht. Denn die Rahmenbedingungen aus Fundamentaldaten, technischen Faktoren und Bewertungen sind unserer Auffassung nach weiterhin intakt.

Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt für langfristig orientierte Anleger, sich am Markt zu engagieren oder zumindest investiert zu bleiben und nicht zu kapitulieren. Das politische Umfeld dürfte in den kommenden Monaten weitere Überraschungen bereithalten die ihre psychologische Wirkung nicht verfehlen werden. Aber es wäre falsch, aus diesen Gründen auf ein Engagement in Schwellenländeranleihen zu verzichten.

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