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Xavier Hovasse: Der Aktienchef Schwellenländer von Carmignac findet Südamerika trotz Krisen aus Investorensicht weiterhin spannend. | © Carmignac

Schwellenländer-Aktienchef von Carmignac im Interview

„Südamerika bietet gute Gelegenheiten für Stockpicker“

DAS INVESTMENT: Aus Südamerika hört man momentan vor allem von Wirtschaftskrisen, hoher Inflation und Volksaufständen. Sollte man als Investor nicht besser die Finger von der Region lassen?

Xavier Hovasse: Investoren sollten auf keinen Fall die Finger von der Region lassen, denn es gibt hier immer noch viele Investitionsmöglichkeiten. Es sind nach wie vor viele gute Unternehmen mit starken Wachstumsaussichten und erstklassigen Management-Teams vorhanden. Das Wachstum Lateinamerikas ist zugegebenermaßen seit vielen Jahren enttäuschend, und es ist keine deutliche Verbesserung in Sicht. Insofern ist es logisch, dass der Kontinent zu einem "Stock-Picking-Markt" geworden ist.

Allerdings dürften Investments riskikoreich sein.

Hovasse: Selbst wenn Investoren die politischen Unwägbarkeiten wegstecken können, bleibt die Sache in der Tat riskant. Zum Beispiel: Die Wette, dass Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro 2019 eine gute Rentenreform durchführen würde, hat sich ausgezahlt. Dagegen haben sich die hohen Erwartungen an die Präsidentschaft Mauricio Macris in Argentinien trotz der Tatsache, dass seine Politik sehr marktfreundlich war, nicht bestätigt. Wenngleich sich die argentinischen Vermögenswerte in den ersten beiden Jahren seiner Präsidentschaft sogar sehr gut entwickelten. Am Ende wissen wir nicht, ob die Präsidentschaft von Bolsonaro irgendwann so enden wird wie die von Macri. Aufgrund dieser Unsicherheit bleibt es dabei, dass Lateinamerika ein Stock-Picking-Markt bleibt.

Argentinien ist erst in diesem Jahr in den MSCI Emerging Markets aufgenommen worden. Jetzt steuert das Land auf eine Staatspleite zu. Wie geht es hier Ihrer Voraussicht nach weiter?

Hovasse: MSCI hat Argentinien vor nicht allzu langer Zeit in sein Schwellenländer-Universum aufgenommen und den ehemaligen Frontier-Markt damit aufgewertet. Aber dieser Schritt erwies sich als Fehler. Im Moment geht es vor allem darum, dass die Kapitalverkehrskontrollen wieder eingeführt wurden. Obwohl das auf die Unterstützung der Währung abzielt, ist das eine Art von Beschränkungen, die in der Tat völlig unvereinbar mit dem Emerging-Market-Status ist, den das Land gerade wiedererlangt hat.

Wie reagieren Sie als Investor darauf?

Hovasse: Aufgrund von zwei strukturellen Problemen im Land haben wir unser Engagement in argentinischen Anleihen und auch unser argentinisches Aktien-Exposure Anfang 2019 auf null reduziert. Die erste Frage betrifft das Währungsungleichgewicht in der Verschuldung des Landes. Tatsächlich sind nur 20 Prozent der argentinischen Schulden in Landeswährung, sodass jede Abwertung des argentinischen Pesos auch die Schulden/Bruttoinlandsprodukt (BIP)-Ratio verschlechtert. Das zweite Problem ist die Tatsache, dass argentinische Einzelpersonen und Unternehmen die Tendenz haben, ihre Ersparnisse von Peso im Handumdrehen in US-Dollar umzuwandeln, wenn sie Angst haben oder den Glauben an ihre Zukunft verlieren. Diese Art von Schwankungen, die zu einem Dollar-Run führen, macht die Währung sehr volatil. Wir hofften, dass sich unter Macris Regierung diese Tendenz des "Run for Safety" geändert hätte, aber 2018 war eine schmerzhafte Erinnerung daran, dass das nicht der Fall war.

Ein Beispiel für ein Investment in Argentinien, von dem Sie sich viel versprechen?

Aufgrund dieser Analyse ist unsere Hauptinvestition in Argentinien Mercado Libre, ein Unternehmen, das tatsächlich in den USA notiert ist und 80 Prozent seines Umsatzes außerhalb Argentiniens erzielt, hauptsächlich in Brasilien.

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