Schwellenländer Die Wachstumsraten sinken - und zwar nachhaltig

Foto: Getty Images

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„Die nächste globale Rezession ist made in China“ – was Ruchir Sharmaan kündigt, will so gar nicht ins Bild von China als Retter der Weltwirtschaft passen. Doch der Chef für globale Schwellenländer bei Morgan Stanley Investment Managementmeint es ernst. „Wie viel Kontrolle hat die Regierung wirklich über ihre Wirtschaft und ihren Aktienmarkt“, fragt er in einem Interview mit dem Nachrichtensender „Bloomberg TV“. Damit spielt er darauf an, dass in China derzeit einiges drunter und drüber geht. China ist nur ein Teil einer neuen Entwicklung in der Weltwirtschaft: Die globalen Schwellenländer wachsen langsamer. Ob es gleich die von Sharma befürchtete Rezession sein wird, lassen wir mal dahingestellt. Auf jeden Fall werden die relativen Zahlen kleiner. Natürlich ist das einerseits dem Basiseffekt geschuldet: Je größer man wird, desto schwieriger ist es, prozentual in gleichem Tempo zuwachsen. 7 Prozent China-Wachstum entsprechen heute in Dollar gerechnet einem 34-Prozent-Wachstum vor zehn Jahren. Die Bundesbank ging kürzlich in ihrem Monatsbericht auf das Thema ein und meinte: „Ein bemerkenswertes Kennzeichen der Wachstumsverlangsamung in den Schwellenländern ist, dass sie von dem Gros der volkswirtschaftlichen Beobachter nicht vorausgesehen wurde.“ So habe der Stab des Internationalen Währungsfonds in fast allen Ausgaben seines Wirtschaftsausblicks seit 2011 die Aussichten für die Schwellenländer senken müssen. Das spricht für die volkstümliche These, dass Volkswirte am besten dazu geeignet sind, wirtschaftliche Entwicklungen im Nachhinein zu erklären. Die Bundesbank hält das sinkende Wachstum für ein nachhaltiges Phänomen und vermutet, dass sich das Produktionspotenzial vermindert hat. Diese theoretische Größe gibt an, was eine Wirtschaft bei normaler Auslastung leisten kann. Sie ermittelt sich daraus, wie gut die Arbeitskräfte sind, die Produktionsmittel und die Produktivität. Und bei diesen Komponenten hapert es zunehmend. Die Gründe sind so vielfältig wie die Länder. In China selbst seien die Effekte früherer Reformen inzwischen ausgelaufen, heißt es von der Bundesbank. Am Arbeitsmarkt sei es eng geworden, sodass die Lohnkosten massiv gestiegen seien. Und die hohen Investitionen des Staatsseien auch nicht immer sehr treffsicher gewesen. In der Volkswirtschaft heißt das Fehlallokation – Geld fließt in zum Teil unsinnige Projekte, die die Wirtschaft nicht weiterbringen.