Drei Dinge, die wir im Blick haben:

  • Ausländische institutionelle Anleger investieren viel Geld in Indien. Seit März haben die Mittelflüsse immer weiter zugenommen und erreichten bis Ende Juli ein Volumen von 15 Milliarden US-Dollar, wie die indische Regulierungsbehörde SEBI berechnet hat. Die Fähigkeit Indiens, einen zunehmenden Anteil ausländischen institutionellen Kapitals, das in die Schwellenländer geht, anzuziehen, signalisiert eine Verbesserung des Risiko-Ertrags-Profils des Marktes. Ausländische Investoren lockt die Kontinuität der wachstumsorientierten Politik, die zurückgehende Inflation und eine ausgeglichenere Haushalts- und Leistungsbilanz sowie wachsende Ausgaben für Infrastrukturprojekte, die Kapazitäten und Produktivität steigern.
  • Die Konsenserwartungen für den MSCI Emerging Markets Index gehen laut Bloomberg von einem Rückgang des Gewinns je Aktie um 9 Prozent in der ersten Jahreshälfte 2023 aus. Die wichtigsten Länder, die für den Gewinnrückgang verantwortlich sind, sind Taiwan, dessen Wirtschaft stark von der Halbleiterindustrie abhängig ist, und das rohstoffreiche Brasilien, das eng mit dem Energiesektor verbunden ist. Die Anleger erwarten, dass eine Verbesserung der Aussichten für die Halbleiternachfrage zu einer Erholung in der zweiten Hälfte des Jahres 2023 führt. Diese Erwartungen stützen den MSCI Emerging Market Index, der im Juli 2023 um 6,3 Prozent zulegte.
  • Lebensmittelpreise. Nach der Entscheidung Russlands, die Schwarzmeer-Getreide-Initiative mit der Türkei und den Vereinten Nationen nicht zu verlängern, stiegen die Weizenpreise im Juli 2023 nach Berechnungen des Chicago Board of Trade um 10 Prozent. Auch die Preise anderer Agrarrohstoffe sind gestiegen; thailändischer Reis verzeichnete Bloomberg zufolge einen Anstieg um 10 Prozent und die Palmölpreise erreichten ein Plus von 20 Prozent. Vor dem Hintergrund des Klimaphänomens El Niño, das sich für die zweite Jahreshälfte 2023 bereits mit schweren Tropenstürmen angekündigt hat, ergeben sich Aufwärtsrisiken für die Inflation in den Schwellenländern. Die Margen von Unternehmen im Basiskonsumgütersektor könnten folglich unter Druck kommen.

Ausblick auf die kommenden Monate

Unserer Ansicht nach bieten die Schwellenländer zahlreiche Wachstumschancen. Die Regierungen einzelner Volkswirtschaften konzentrieren sich auf Strategien und politische Maßnahmen, um die konjunkturelle Entwicklung voranzutreiben. Wir sehen Aufwärtspotenzial, da sich sowohl das politische Bild als auch die Wachstumsaussichten verbessern.

Die chinesischen Behörden haben ihre Pläne zur Stärkung des Inlandsverbrauchs u. a. in der Automobil-, Immobilien- und Freizeitindustrie umgesetzt. Unserer Einschätzung nach könnten weitere konkrete politische Maßnahmen zur Stützung der Wirtschaft folgen, was in Verbindung mit den erhöhten Ersparnissen der privaten Haushalte die Möglichkeit der Premiumisierung im wichtigsten Schwellenländer-Markt bewirken könnte. Uns ist bewusst, dass eine substanziellere politische Arbeit und eine Belebung der Konsumtätigkeit eine Voraussetzung für anhaltende Kursgewinne bei chinesischen Aktien sind. Wir beobachten diese Faktoren daher sehr aufmerksam. 

Abgesehen vom chinesischen Markt beginnt sich die Halbleiterindustrie zu erholen und ein Wendepunkt bei den Speicherpreisen könnte bereits im dritten Quartal des laufenden Jahres eintreten. Dies bietet Chancen für Anleger in Taiwan und Südkorea. Batterie- und Solarenergieunternehmen in Südkorea könnten zusätzlich vom US Inflation Reduction Act profitieren. In Indien finden sich unserer Einschätzung nach immer noch Bereiche mit angemessenen Bewertungen; indische Aktien haben noch Raum für weitere Gewinne, da sich die Unternehmenserträge verbessern. Wir beobachten außerdem Brasilien genau – die zurückgehende Inflation schafft Raum für geldpolitische Lockerungen, was den Unternehmensgewinnen zugutekommt.