DAS INVESTMENT: Herr Bechtloff, vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen und wachsender Volatilität: Welche Rolle spielen ETFs derzeit in der strategischen und taktischen Asset-Allokation?
Martin Bechtloff: ETFs haben für europäische Investoren 2025 noch einmal an Bedeutung zugelegt. Im Verlauf des Jahres haben wir starke Zuflüsse gesehen. In der strategischen Vermögensaufteilung werden ETFs häufig genutzt, um Risiken breit zu streuen – etwa über verschiedene Branchen, Regionen und Anlagestile hinweg.
Welche Produktsegmente standen 2025 besonders im Fokus?
Bechtloff: Zur taktischen Asset-Allokation: 2025 waren bei deutschen und europäischen ETF-Investoren besonders stark Global Large Cap Equity gefragt; wie der MSCI World und seine Pendants, in die deutschland- und europaweit 70 Milliarden Euro geflossen sind. Die hohe Nachfrage nach globalen Aktien, worunter natürlich vor allem auch US-Aktien fallen, hat nicht zuletzt auch mit der Beliebtheit von Sparplänen zu tun.
Auffallend war, dass die Europäer in 2025 ihren Homebias wiederentdeckt haben. Mit über 20 Milliarden Euro zählten Strategien im Segment Europe Large Cap Equity zu den größten Gewinnern. Dazu gehören breit gestreute Indizes wie der MSCI Europe oder der STOXX Europe 600. Damit belegte diese Kategorie insgesamt den zweiten Platz unter den beliebtesten Anlageklassen.
Auf Rang drei folgten Strategien im Bereich US Large Cap Equity, angeführt von Produkten auf den S&P 500, der die größten börsennotierten Unternehmen der USA abbildet.
Auf Platz 4 folgte Global Emerging Market Equity mit 20 Milliarden US-Dollar Zuflüssen. Platz 5 belegten Strategien im Segment Eurozone Large Cap Equity. Abgebildet wird dieses Marktsegment unter anderem durch Indizes wie den Euro Stoxx 50, der die größten börsennotierten Unternehmen der Eurozone umfasst.
Was lief besonders seit dem Jahresstart?
Bechtloff: Global Large Cap Equity ist auch hier an erster Stelle zu nennen. Vor allem professionelle Investoren steuern mit Rückgriff auf dieses Segment ihre Aktienquoten in Richtung Über- oder Untergewichtung. Bemerkenswert: Schon auf Position 2 reihte sich Global Emerging Market Equity ein. Wir beobachten bei den Investoren ein bullisches Sentiment für Schwellenländer-Aktien (siehe Grafik). Stark nachgefragt waren auch einige Sektor-ETFs, vorrangig Industriemetalle, Rohstoffe insgesamt sowie europäische Aktien mit Schwerpunkt Eurozone. Gleichzeitig – auch das ist interessant – ist die Nachfrage nach Small-Caps-ETFs deutlich gestiegen. Insgesamt spiegelte sich eine klare Verschiebung hin zum Value-Faktor in der gestiegenen Nachfrage nach Substanzaktien wider.
Grafik: Europäisch domizilierte EM Equity Fonds- und ETFs-Zuflüsse über die vergangenen fünf Jahre.
Der Wettbewerb im ETF-Segment hat sich deutlich verschärft. Wie differenziert sich Franklin Templeton im Markt? Welche strategischen Schwerpunkte setzt der Vertrieb?
Bechtloff: In der Tat nimmt der Wettbewerb zu. Eine Reihe neuer Anbieter drängen auf den deutschen und europäischen Markt. Bei unseren Kunden sind wir für Investitionen in Schwellenländer-Aktien bekannt – und werden hier auch als einer der kosteneffizienten Preisführer wahrgenommen. Wir differenzieren uns allerdings nicht nur über den günstigen Preis, sondern setzen gezielt auf den FTSE Russell als Indexanbieter und erweitern damit das Angebot über MSCI hinaus.
Hinzu kommen innovative Regionenansätze, darunter Asien Ex-China und Ex-Japan, weil die beiden Länder von den Anlegern zunehmend einzeln allokiert werden. Wesentlich für Investoren ist: In den Emerging Markets decken wir alle Sub-Asset-Klassen ab. Es versteht sich von selbst, dass Franklin Templeton als US-Asset Manager seine Expertise auch in US-ETFs einbringt. Vergangenes Jahr launchten wir beispielsweise einen ETF, der die 100 größten amerikanischen Aktiengesellschaften nach Marktkapitalisierung abbildet. Hinzu kommen aktiv gemanagte konzentrierte ETFs, die mit dem Ziel antreten, ihre Benchmarks zu schlagen.
