Was macht die Schwellenländer aus?

Als Schwellenländer beziehungsweise Emerging Markets werden aufstrebende Märkte klassifiziert, bei denen die Industrialisierung stetig voranschreitet. Sie stehen wortwörtlich an der Transformationsschwelle von einem Entwicklungsland zu einem Industriestaat. Dabei sind Schwellenländer vor allem durch eine hohe Arbeitsproduktivität bei geringem Lohnniveau und einem niedrigen Pro-Kopf-Einkommen gekennzeichnet. Die Wachstumsraten in den Schwellenländern sind meist überdurchschnittlich und der Aufbau von Infrastruktur bietet viel Potenzial in der Zukunft.

Wirtschaftsexperten zufolge befinden sich Schwellenländer seit Jahren auf der Überholspur. Eine zunehmende Urbanisierung, bessere Lebensstandards und die Öffnung der Finanzmärkte bieten Chancen sowohl für lokale Player als auch für internationale Investoren. Dabei weisen die Schwellenländer regelmäßig nicht nur ein höheres Wirtschaftswachstum im Vergleich zu den Industrieländern aus, auch steigt ihr Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung von Jahr zu Jahr an.

Dennoch konnten Schwellenländer-ETFs in den vergangenen zehn Jahren mit der Wertentwicklung von MSCI World ETFs nicht annähernd mithalten und das trotz einer niedrigeren Bewertung der Unternehmen, deren durchschnittliches KGV aktuell lediglich bei 12,9 liegt. Das durchschnittliche KGV der im MSCI World enthaltenen Aktien hingegen liegt um 50 Prozent höher bei 19,6.

 

Schwellenländer-ETFs: Drei verschiedene Indexkonzepte

Wer breit gestreut und nach Marktkapitalisierung gewichtet in die Schwellenländer investieren möchte, kann vor allem aus den drei Indexkonzepten MSCI Emerging Markets, MSCI Emerging Markets IMI und FTSE Emerging Markets wählen.

Dabei basieren die meisten Schwellenländer Aktien-ETFs auf dem MSCI Emerging Markets Index, der sich aus mehr als 1.300 großen und mittelgroßen Unternehmen aus 24 Schwellenländern zusammensetzt und so rund 85 Prozent der um den Streubesitz bereinigten Marktkapitalisierung der jeweiligen Länder abdeckt.

Mit einem Anteil von 87 Prozent dominieren die asiatischen Aktienmärkte die Gewichtung. Die wichtigsten Märkte sind dabei China mit einem Anteil von 24 Prozent, Indien mit 20 Prozent, Taiwan mit 19 Prozent und Südkorea mit einem Anteil von 12 Prozent. Lateinamerika macht gut 7 Prozent des Index aus, weitere 6 Prozent verteilen sich über den Rest der Welt.

Unter den Top-10-Titeln finden sich vor allem Technologietitel wie Taiwan Semiconductor, Tencent und Samsung Electronics. Technologietitel machen als größter Sektor knapp 25 Prozent des Index aus, gefolgt von Finanztiteln, die 22 Prozent des Index repräsentieren.

 

HSBC MSCI Emerging Markets ETF: Günstige Schwellenländerinvestition

Bereits am 5. September 2011 wurde der ausschüttende HSBC MSCI Emerging Markets Ucits ETF in Irland aufgelegt, dessen Fondsvolumen inzwischen auf 2,3 Milliarden Euro angewachsen ist. Der ETF bildet den in US-Dollar notierenden MSCI Emerging Markets Index physisch optimiert nach und schüttet die vereinnahmten Dividendenerträge vierteljährlich aus. Die Gesamtkostenquote (TER) des Aktien-ETF liegt bei günstigen 0,15 Prozent pro Jahr. Der Wertzuwachs beträgt über ein Jahr 13 Prozent, während über drei Jahre gerade einmal 1,5 Prozent erwirtschaftet werden konnte. Über zehn Jahre konnte der HSBC MSCI Emerging Markets ETF seinen Wert um 47,4 Prozent steigern, was einem jährlichen Zuwachs von 4,9 Prozent entspricht.

Schwellenländerinvestment: Chancen und Risiken

Laut einer Schätzung der Europäischen Kommission könnte rund eine Milliarde Menschen bis zum Jahr 2030 in die globale Mittelschicht aufsteigen, der Großteil davon in Asien. Daraus lässt sich ein enormes Markt- und Wachstumspotenzial für die Schwellenländer ableiten, das sich mittelfristig auch in Kursanstiegen an den Aktienmärkten widerspiegeln sollte.

Doch Investitionen in den Schwellenländern bringen auch Risiken mit sich, denn viele Schwellenländer werden bis heute nicht demokratisch regiert und politische Richtungs- oder Machtwechsel können sich sehr schnell negativ auf Investitionen auswirken. Man denke nur an Russland. Die Aktienmärkte der Schwellenländer sind grundsätzlich volatiler, die Währungen instabiler und Wirtschaftskrisen wirken sich meist weitaus stärker aus.

Dennoch bieten Investitionen in Schwellenländer-ETFs langfristig große Chancen und ihre breite Streuung hilft, die Risiken zu reduzieren. Nach der schwachen Performance in den vergangenen Jahren im Vergleich zu den Industrieländern, wäre es längst mal an der Zeit für einen Favoritenwechsel.