Barbara Bocks

ETF der Woche Schwellenländer-ETFs: Mehr Diversifikation fürs Depot

Großer chinesischer Drache und Symbole von anderen Schwellenländern
Großer chinesischer Drache und Symbole von anderen Schwellenländern: China hat in den meisten Emerging-Markets-ETFs den größten Anteil, ähnlich wie die USA im MSCI World.
© Barbara Bocks, Collage mit Canva
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Anfänger:innen am Kapitalmarkt beginnen bei ihren Investments meist damit, sich einen ETF auszusuchen, der weltweit in Firmen investiert.

  • Das Gute daran: Der MSCI-World-Index beinhaltet 1.512 Unternehmen aus Industrieländern.
  • Nicht so gut: Mehr als die Hälfte des ETFs, also über 60 Prozent, entfallen auf Firmen aus den USA.

Doch auch zahlreiche Unternehmen aus Schwellenländern wie China, Indien oder Brasilien tragen zum weltweiten Wirtschaftswachstum bei. Und die Gewinne von Firmen aus diesen Ländern sind größtenteils nicht mit den Gewinnen von Firmen aus den Industrieländern korreliert.

Durch eine Kombination aus Investments in diesen beiden Regionen erreichen Anleger:innen daher eine bessere Diversifikation ihres Depots.

Aus diesem Grund hat sich speziell für Anfänger:innen das klassische Weltportfolio etabliert. Hier beträgt der Anteil von ETFs in Industrieländern 70 Prozent und der Anteil an Schwellenländern 30 Prozent.

Aber was ist eigentlich ein Schwellenland?

Eine allgemeingültige Definition gibt es am Kapitalmarkt nicht.

Ein Schwellenland, auf Englisch „Emerging Market“, beschreibt ein Land, dessen Wirtschaft zwar stark wächst, das aber gleichzeitig noch Merkmale von Entwicklungsländern aufweist.

Expert:innen vergleichen dafür unter anderem das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Kopf, das Bildungsniveau und die Infrastruktur in den Ländern.

Das Besondere an Schwellenländern: Ihr Wirtschaftswachstum ist meist höher als das von Industrieländern.

Ein paar BIP-Zahlen zum Vergleich:

  • Das BIP-Wachstum soll laut Daten des Internationale Währungsfonds (IWF) in den Industrieländern im Jahr 2023 bei etwa 1,5 Prozent liegen,
  • in den Schwellen- und Entwicklungsländern bei etwa 4 Prozent.
  • Die höchsten Wachstumsraten sollen laut den IWF-Prognosen in den kommenden Jahren vor allem in Indien und China vorkommen.
 

Dieses Wachstum wird oft angetrieben durch:

  • eine steigende Produktivität,
  • Infrastrukturinvestitionen,
  • eine wachsende Bevölkerung und
  • einen zunehmenden Konsum.

Auch der Ausbau von Verkehrsnetzen, Kommunikationsinfrastruktur und Energieversorgung sind typisch für Schwellenländer.

Das wohl größte Risiko bei Investments in Schwellenländern ist die politische Instabilität. Auch Herausforderungen mit sozialer Ungleichheit, wirtschaftlicher Volatilität und Umweltproblemen tauchen vor allem in Schwellenländern auf und können die Rendite mindern.

In den vergangenen zehn Jahren waren Investments in Schwellenländer für die meisten Anleger:innen - von wenigen Ausnahmen abgesehen - ein ziemlicher Flop.

  • Über einen Zeitraum von zehn Jahren konnten Anleger:innen ihren Einsatz mit dem MSCI World verdreifachen.
  • Der MSCI Emerging Markets gewann im gleichen Zeitraum nur 40 Prozent hinzu.

Seit seinem Hoch im Februar 2021 hat der MSCI-Emerging-Markets-Index rund 20 Prozent eingebüßt.

Allerdings notieren aktuell viele Schwellenländeraktien nach den jüngsten Markteinbrüchen am unteren Ende ihrer historischen Bewertungsspanne oder in deren Nähe.

 

Trotz der letzten wirtschaftlich schwachen zehn Jahre erwarten die Analyst:innen von Scope weiterhin, dass das Wachstum der Schwellenländer das der entwickelten Märkte künftig übertreffen wird. Sie sehen vor allem Asien in der Pole Position.

Als Pluspunkt komme aus Anleger:innensicht noch hinzu, dass die Bewertungen nach der langen Schwächephase sehr moderat aussehen. Schwellenländer könnten daher aus Sicht der Scope-Expert:innen für langfristig orientierte Anleger:innen wieder attraktiv sein – auch wenn sich „in der niedrigen Bewertung die erhöhte Unsicherheit des Wachstumsszenarios für die kommenden Jahre widerspiegelt“. 

MSCI Emerging Markets Index: 1.423 Firmen aus 24 Ländern

Die Auswahl der Länder in den Schwellenländer-Indexen unterscheidet sich je nach Anbieter.

Der größte Indexanbieter ist - wie beim Weltindex - der Anbieter Morgan Stanley:

  • Sein Emerging Markets Index beinhaltet 1.423 große und mittelgroße Unternehmen aus insgesamt 24 Schwellenländern.
  • Die ausgewählten Firmen decken etwa 85 Prozent der um den Streubesitz bereinigten Marktkapitalisierung in jedem Land ab.
  • Die Top-10-Firmen im MSCI Emerging Markets Index haben insgesamt einen Anteil von 23,33 Prozent am gesamten Index.

Die zehn größten Firmen im MSCI Emerging Markets Index im Überblick:

Unternehmen

Anteil

Taiwan Semiconductor MFG

6,81 Prozent

Tencent Holdings

3,94 Prozent

Samsung Electronics

3,91 Prozent

Alibaba GRP Holding

2,56 Prozent

Reliance Industries

1,41 Prozent

Meituan

1,18 Prozent

China Construction Bank

0,93 Prozent

Housing Development Finance Corp

0,89 Prozent

Icici Bank

0,88 Prozent

Infosys

0,81 Prozent

Quelle: MSCI, Stand: 30.6.2023

Im MSCI Emerging Markets-Index hat China den größten Länderanteil mit 29,55 Prozent,

  • gefolgt von Taiwan mit 15,6 Prozent,
  • Indien mit 14,63 Prozent,
  • Südkorea mit 12,3 Prozent und
  • Brasilien mit 5,54 Prozent.

Die übrigen Länder Chile, Kolumbien, Tschechische Republik, Ägypten, Griechenland, Ungarn, Indonesien, Kuwait, Malaysia, Mexiko, Peru, Philippinen, Polen, Katar, Saudi-Arabien, Südafrika, Thailand, Türkei und Vereinigte Arabische Emirate machen 22,4 Prozent des Index aus.

Emerging-Markets-Index von FTSE: 2.024 Firmen aus 25 Ländern

Auch der Indexanbieter FTSE hat einen Emerging Markets Index mit insgesamt 2.024 Firmen. Die Auswahl ist sehr ähnlich wie der MSCI World.

  • Der Anbieter FTSE hat allerdings Firmen aus Island, Pakistan und Rumänien in seinen Index aufgenommen und dafür auf Unternehmen aus Polen und Peru verzichtet.
  • Auch die Top-10-Holdings des FTSE Emerging Markets Index sind sehr ähnlich zu dem MSCI World.
  • In dem FTSE-Index ist Samsung allerdings nicht enthalten, dafür aber Hon Hai Precision Building aus Taiwan, das im Schwellenland-Index von MSCI fehlt.
 

China hat bei beiden Anbietern und auch den meisten anderen Emerging-Markets-ETFs den größten Anteil.

Das war nicht immer so. Seit dem Jahr 2012 hat sich der Anteil Chinas von 18,3 Prozent auf aktuell 29,5 Prozent beim MSCI Emerging Markets fast verdoppelt.

Chinesische Unternehmen wurden damals aus Sicht der Scope-Analysten mit hohen Bewertungen in den globalen Schwellenländer-Index aufgenommen und verloren im Zeitverlauf deutlich an Wert.

Für alle, die in ihrem Depot gerne Schwellenländer halten, aber nicht in China investieren möchten, gibt es mittlerweile Alternativen zu den gängigen Emerging-Markets-ETFs.

Eine dieser Alternativen ist der thesaurierende Lyxor MSCI Emerging Markets Ex China UCITS ETF acc (ISIN: LU2009202107).

Quelle Fondsdaten: FWW 2024

 

  • Wertentwicklung 3 Jahre (Euro): 30,45 Prozent (10,15 Prozent p.a.)
  • Wertentwicklung laufendes Jahr (Euro): 9,62 Prozent
  • ISIN: LU2009202107
  • ETF-Volumen: 359,83 Millionen US-Dollar (Stand: Ende Juni 2023)
  • ETF-Auflage: Juni 2019
  • Maximaler Verlust: 39 Prozent
  • Sharpe Ratio 3 Jahre: 0,41
  • Maximum Drawdown: 40,20 Prozent
  • Total Expense Ratio (TER): 0,15 Prozent
  • Empfohlene Haltedauer: 60 Monate

Der Lyxor MSCI Emerging Markets Ex China UCITS ETF - Acc ist ein börsengehandelter Fonds von Amundi Asset Management. Er verfolgt das Ziel, den MSCI-Emerging-Markets-ex-China-Net-Return-USD-Index nachzubilden.

Innerhalb von drei Jahren hat er bis Ende Juni 2023 Erträge in Höhe von insgesamt 30,45 Prozent, also 10,15 Prozent pro Jahr, erzielt. Damit liegt er um 1,59 Prozent unter dem Referenzindex.

Der Schwellenländer-Index beinhaltet laut Amundi 665 Firmen. Die Top-10-Firmen dieses ETFs machen insgesamt 24,67 Prozent des Gesamtvolumens aus.

Schwellenland-ETF: Die Top-3-Firmen im Überblick:

  • Das größte Einzelunternehmen in dem ETF ist der Halbleiterhersteller Taiwan Semiconductor Manufacturing Company mit einem Anteil von 9,67 Prozent. 
  • Die zweitgrößte Position sichert sich das südkoreanische Technologie-Unternehmen Samsung Electronics mit einem Anteil von 5,59 Prozent.
  • Den dritten Platz belegt das indische Mischunternehmen Reliance Industries mit einem Anteil von 2 Prozent. Der Konzern ist unter anderem in den Branchen Petrochemie und Raffinerie, Öl- und Gasexploration, Telekommunikation, Einzelhandel sowie Medien unterwegs.

Die meisten Firmen in dem ETF kommen aus den Ländern Taiwan, Indien und Korea. Insgesamt haben die zehn größten Länder in dem Index einen Anteil von knapp 90 Prozent.

Vorteile von Schwellenmarkt-ETFs

  • Schwellenländer-ETFs können eine gute Diversifikation sein für ein Depot, in dem vor allem Firmen aus Industrieländern enthalten sind.
  • Mit den meisten Schwellenländer-ETFs investieren Anleger:innen direkt in mehrere hundert bis über 1.000 Firmen.
  • In den vergangenen zehn Jahren waren die Renditen der meisten Schwellenländer sehr niedrig. Das könnte aus Sicht von Expert:innen dafür sprechen, dass sie wieder steigen, da das Wirtschaftswachstum auch weiter steigt.

Nachteile von Schwellenmarkt-ETF

  • Viele Expert:innen wie die von Scope empfehlen speziell für Schwellenländer eher aktive Fonds aufgrund der intransparenten Märkte.
  • In Schwellenländern sind die politischen Risiken weit höher als in Industrieländern.
  • Die meisten Emerging-Market-ETFs haben einen sehr großen China-Anteil (um die 30 Prozent).

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