Schwellenländer-Experte von Alliance Bernstein (AB) „Rally in Brasilien wahrscheinlich“

Morgan Harting, Multi-Asset-Portfoliomanager für Schwellenländer bei Alliance Bernstein (AB) ist überzeugt: Brasilien bietet gutes Wachstum zum angemessenen Preis. | © Alliance Bernstein

Morgan Harting, Multi-Asset-Portfoliomanager für Schwellenländer bei Alliance Bernstein (AB) ist überzeugt: Brasilien bietet gutes Wachstum zum angemessenen Preis. Foto: Alliance Bernstein

Die Wahlen in Brasilien werden von Unsicherheit bestimmt. Bei Umfragen erzielt bislang kein Kandidat Ergebnisse, die auf einen Sieg schon in der ersten Runde am 7. Oktober hindeuten. Das Rennen wird sich daher wohl bis zur Stichwahl am 28. Oktober hinziehen. Der führende Kandidat wurde jüngst Opfer einer Messerattacke. Ein weiterer potenzieller Kandidat, Ex-Präsident Lula, verbüßt gerade eine Haftstrafe wegen Korruption – und darf laut einer kürzlich gefallenen Gerichtsentscheidung überhaupt nicht fürs Präsidentenamt kandidieren.

Das Land hat gerade erst eine Rezession hinter sich gebracht und wurde von zwei großen Ratingagenturen Anfang des Jahres herabgestuft. Der brasilianische Real ist eine der schwächsten Währungen des Jahres und fiel gegenüber dem US-Dollar um 20 Prozent. Wo sind für Anleger also die guten Nachrichten?

So schwierig das politische Umfeld auch sein mag: Unter der turbulenten Oberfläche gibt es für Investoren dennoch Lichtblicke bei Aktien, Anleihen und auch bei der Währung. Aktienanleger dürfte ermutigen, dass das Gewinnwachstum der Unternehmen mit 21 Prozent in diesem und erwarteten 18 Prozent im kommenden Jahr zu den global höchsten zählt. Diese Verbesserung ist größtenteils auf den hohen operativen Hebel zurückzuführen, den brasilianische Unternehmen im Gefolge der Rezession aufweisen. Dadurch wirken sich selbst geringe Umsatzsteigerungen erheblich auf die Gewinne aus. Dieses hohe Ertragswachstum gibt es zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 auf Basis der prognostizierten Gewinne für 2018 – ein Wert, der ungefähr dem Durchschnitt der ohnehin günstig bewerteten Schwellenländer entspricht. So ergibt sich eine seltene Mischung von Wachstum zu einem vernünftigen Preis.

Bei Anleihen erhalten Investoren 10-jährige Renditen über 6 Prozent auf US-Dollarbasis und über 12 Prozent in lokaler Währung. Beide Zinssätze sind damit aktuell am oberen Ende aller Schwellenländer-Emittenten – und die höchsten der jüngsten brasilianischen Geschichte. Wenn sich die Stimmung nicht verschlechtert und die Preise stabil bleiben, sind dies sehr attraktive Kupons. Und schließlich können auch Währungsinvestoren auf Wertsteigerungen hoffen angesichts der scharfen Korrektur seit Jahresbeginn und der nunmehr ausgeglichenen Leistungsbilanz Brasiliens.

Natürlich gibt es keine Garantie, dass es bis zu den Wahlen und darüber hinaus keine Volatilität und kein bedeutendes Abwärtsrisiko gibt. Eine große Sorge besteht um die Nachhaltigkeit der Finanzpolitik, insbesondere im Bereich der sozialen Sicherheit. Es ist vor einer Wahl natürlich kaum zu erwarten, dass ein Kandidat die Kürzung von Sozialleistungen und anderen Ausgaben in den Fokus seines Wahlprogramms stellt. Reformen in diesem Bereich sollte man daher nicht als zwangsläufig ansehen. Dennoch haben die Kandidaten ihre Absicht angedeutet, das Haushaltsdefizit sofort nach ihrem Amtsantritt in Angriff zu nehmen. Das schafft Chancen für einige positive Überraschungen angesichts des extremen Pessimismus, der aktuell in den brasilianischen Vermögenswerten eingepreist ist. In Anbetracht der erheblichen Korrektur ist eine Erholungsrally alles andere als unwahrscheinlich.