Schwellenländer: Hier sind die guten Schuldner

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Das gab es noch nie. „Mit Ausnahme einer einzigen Woche haben die Schwellenländer in diesem Jahr jede Woche Netto-Zuflüsse verbucht“, sagt Stefan Kolek, Kreditstratege von Unicredit.

Die Emerging Markets sind so beliebt wie selten zuvor. Sie haben inzwischen deutlich bessere Fundamentaldaten als so mancher Industriestaat, vor allem wenn es um die Staatsverschuldung geht. Wegen der steigenden Rohstoffpreise der vergangenen Jahre weisen sie Überschüsse in der Handelsbilanz auf. Sie sitzen auf hohen Devisenreserven, und die Privathaushalte sparen im Schnitt 34 Prozent des Einkommens.

Das macht nicht nur die Aktien-, sondern auch die Rentenmärkte attraktiv.

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Die Schwellenländer sind inzwischen die besseren Schuldner. Die gute Bonität spiegelt sich allerdings noch nicht in den Ratings wider: Während die Rating-Agentur Standard & Poor’s Deutschland nach wie vor mit der Bestnote AAA als erstklassigen Schuldner einstuft, bekommt China nur ein A; Indien und Brasilien sind mit der Note BBB gerade eben noch investmentwürdig.

Lokalwährungen lohnen sich

Kolek: „Die Fundamentaldaten werden sich weiter verbessern. Wir rechnen darum mit Heraufstufungen in den kommenden Monaten.“

Die Türkei beispielsweise dürfte seiner Meinung nach schon bald ein „Investment Grade“ bekommen. Das wiederum zieht noch mehr Geld an und lässt die Anleihekurse steigen. In den Hartwährungsanleihen allerdings ist dies zum Großteil eingepreist. Papiere in Lokalwährung hält Kolek darum für deutlich interessanter. Neben satten Zinsen können Investoren dann auch noch Währungsgewinne einstreichen.

Einen Dämpfer könnte den Kursen nur Inflation versetzen. Brummt die Wirtschaft, steigt in der Regel das Preisniveau, und die Zentralbanken erhöhen die Zinsen. Noch haben die Schwellenländer ihr Preisgefüge aber gut im Griff. Und: „Die Zentralbanken warten derzeit noch ab, weil das globale Umfeld so unsicher ist“, sagt Kolek. Unternehmen sie glaubwürdige Schritte zur Bekämpfung der Inflation, müssen die Anleihekurse zudem nicht zwangsläufig darunter leiden. Kolek: „Dann würde der positive Währungseffekt überwiegen.“

In den Industriestaaten ist Inflation derzeit kein Thema. Im Gegenteil: Es droht Deflation, „was einen real steigenden Schuldenstand bedeuten würde“, so Kolek. Das lässt die Bonität der G7-Staaten weiter sinken. Zumal die hohe Staatsverschuldung, allen voran in Europa und den USA, das Wachstum noch auf Jahre hinaus bremsen wird.

Raus aus dem zinslosen Risiko

Die Zinsen sind nach wie vor auf historischem Tiefstand. Luft nach unten gibt es kaum, dafür aber umso mehr nach oben: Die Industrienationen brauchen mehr Geld als je zuvor. Dass sich neue Gläubiger bei diesem enormen Bedarf künftig mit den Mini-Renditen zufriedengeben werden, ist äußerst unwahrscheinlich.

Steigende Zinsen und fallende Bonität sind Gift für die Rentenmärkte. Der Kursrutsch ist programmiert.

Renten-Experte Michael Hasenstab von Franklin Templeton Investments hat bereits umgeschichtet: „Wir halten keine US-Staatsanleihen mehr.“ Laut konventioneller Investitionstheorie sei das riskant. Hasenstab jedoch hält das für „die sicherste Strategie“ überhaupt.

Obwohl Schwellenländer-Anleihen im vergangenen Jahr schon gut gelaufen sind, bleiben sie attraktiv: Dank des Mai-Ausverkaufs und der Eurokrise bieten sich immer noch viele Kaufgelegenheiten. Investoren sollten darum raus aus dem zinslosen Risiko in den Industriestaaten. Hasenstab: „Alle konzentrieren sich so sehr auf die Probleme in Europa, dass sie den Zug in Asien verpassen.“

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