Drei Dinge, die für uns aktuell von besonderem Interesse sind:  

Preiserhöhungen bei Halbleitern: Das weltweit führende Halbleiterunternehmen hat eine mögliche Preiserhöhung angedeutet. Einer seiner größten Kunden, ein Unternehmen für die Entwicklung von Halbleiterchips, das an der Spitze des Booms der künstlichen Intelligenz steht, befürwortet die Preiserhöhung. Dies könnte auch anderen Halbleiterunternehmen zugutekommen. Während preissensible Kunden sich möglicherweise nach alternativen Anbietern umsehen, dürfte sich die starke weltweite Nachfrage nach Halbleitern nicht unbedingt negativ auf die Umsätze der führenden Unternehmen auswirken. 

Südkoreas „Value Up“-Programm: Südkoreanische Unternehmen werden zu Bewertungen gehandelt, die im Durchschnitt die niedrigsten unter den Schwellenländern sind. Und das, obwohl einige der weltweit dynamischsten und innovativsten Unternehmen in der Halbleiter- und Werkstoffindustrie angesiedelt sind (basierend auf MSCI-Indizes zwischen 2014 und 2024). Wir glauben, dass das koreanische Value-Up-Programm ein Schritt in die richtige Richtung ist. Allerdings wird es aufgrund der Freiwilligkeit und der politischen Uneinigkeit über die Steuerreform einige Zeit dauern, bis sich Ergebnisse einstellen. 

Anhaltende geopolitische Spannungen: Kanada könnte sich den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union anschließen und ebenfalls Zölle auf in China hergestellte Elektrofahrzeuge erheben. Da sich die Wachstumserwartungen im Segment der Elektrofahrzeuge bereits deutlich verlangsamt haben, hat dieser Schritt negative Auswirkungen auf die chinesischen Hersteller von Elektrofahrzeugen.

Aktien aus Schwellenländern zeigen sich trotz hoher Marktvolatilität weiterhin widerstandsfähig. In jüngster Zeit haben die Wahlen in wichtigen Schwellenländern die Aktienkurse in beide Richtungen stark bewegt. Unserer Auffassung nach könnten jedoch einige Märkte überreagiert haben. Unsere Aussichten für das mittel- bis langfristige Wachstum von Schwellenländeraktien sind weiterhin optimistisch.

Unser indischer Aktienportfoliomanager betont, dass der Schwerpunkt der neuen indischen Regierung weiterhin auf dem Wirtschaftswachstum liegt. Seiner Ansicht nach wird dies für das Wachstum der Unternehmensgewinne hilfreich sein. Langfristig ist er der Ansicht, dass sich die Reformen der Vergangenheit verfestigt haben. Indien ist nach wie vor eine langfristige strukturelle Wachstumsstory. Unternehmen, die von einem Anstieg der Investitionsausgaben profitieren, haben sich gut entwickelt, und seiner Ansicht nach wird die Dynamik anhalten. Unser Small-Cap-Aktienteam ist zwar der gleichen Ansicht, sieht aber auch Chancen im Bereich der zyklischen Konsumgüter. Das Team hält eine relativ geringe Positionierung in indischen Industriewerten und hält stattdessen eine Übergewichtung in Konsumgütern.

Mexikanische Aktien fielen aufgrund des Wahlergebnisses. Unser Lateinamerika-Aktienteam hat die Auswirkungen unterschiedlicher Steuersätze auf die von uns gehaltenen Titel simuliert. Viele Marktbeobachter haben argumentiert, dass eine mögliche Lösung für das Haushaltsdefizit des Landes eine Steuererhöhung sein könnte. Die Ergebnisse waren überraschend. Selbst bei den höchsten modellierten Steuersätzen vertrat das Team die Ansicht, dass es Beteiligungen im Portfolio gibt, die weiterhin unterbewertet sind. Dies bietet Chancen angesichts einer Vielzahl von überkorrigierten Aktien. Das Team vertritt weiterhin die Ansicht, dass die Aktien zwar niedrigere Bewertungen aufweisen, ihre Erträge sich aber nicht signifikant schmälern werden.

Unsere Portfoliomanager sind in den vergangenen Monaten ihrer Anlagephilosophie weitgehend treu geblieben, sie behalten aber die Hauptrisiken im Anlageuniversum – die geopolitischen Spannungen und die jeweilige Regierungspolitik – weiterhin genau im Blick. Die Portfoliomanager setzen auf einen Bottom-up-Fokus, um Chancen im Bereich der übersehenen und unzureichend analysierten Unternehmen zu identifizieren.

 

Marktüberblick: Zweites Quartal 2024

Die Aktien der Schwellenländer stiegen im Laufe des von Wahlen und damit einhergehender Volatilität geprägten Quartals an und schnitten besser ab als ihre Pendants in den Industrieländern. Im Quartal erzielte der MSCI EM Index eine Rendite von 5,12 Prozent, während der MSCI World Index um 2,78 Prozent zulegte.

Die Aktien in den asiatischen Schwellenländern stiegen. Technologiewerte in Taiwan und Südkorea profitierten von einer Technologie-Rally auf dem US-Markt. Große Chiphersteller in beiden asiatischen Ländern vereinbarten eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Entwicklung innovativer Chips für künstliche Intelligenz. Die indischen Aktien schlossen positiv, da der amtierende Premierminister die Wahlen gewann. Trotz einer Koalitionsregierung herrscht Einigkeit über die Kontinuität der Politik. Das Research-Team und unsere Portfoliomanager sind der Ansicht, dass die wirtschaftliche Dynamik und die Reformorientierung in Indien beibehalten werden. Dennoch werden sie genau beobachten, wie die Regierung ihre Prioritäten in einer Koalition – der ersten seit zehn Jahren – umsetzen wird.

Chinesische Aktien beendeten das Quartal mit einem großen Plus. Regulierungsmaßnahmen unterstützten die Marktrenditen zu Beginn des Quartals. Die Sorgen über die wirtschaftliche Erholung Chinas hielten jedoch weiter an. Die Abwertung des chinesischen Yuan und geopolitische Spannungen schmälerten die Renditen ebenfalls. Die EU kündigte zusätzliche Zölle auf die Einfuhr chinesischer Elektrofahrzeuge an. Kanada will Berichten zufolge nachziehen. Höhere Zölle wollen auch die Vereinigten Staaten einführen.

Aktien aus den Schwellenländern Europas, des Nahen Ostens und Afrikas stiegen insgesamt leicht an. Der zweite Börsengang des staatlichen saudi-arabischen Ölkonzerns stieß bei internationalen Anlegern auf große Nachfrage. Die Erlöse aus diesem Verkauf können zur Finanzierung des „Vision 2030“-Programms des Landes verwendet werden. Dieses Programm zielt darauf ab, die Abhängigkeit vom ölbasierten Wirtschaftswachstum zu verringern. Südafrikanische Aktien erholten sich nach den Wahlen im Land. Der amtierende Präsident gewann eine zweite Amtszeit und hat eine Koalitionsregierung gebildet. Trotz der Markterholung ist unser in Südafrika ansässiger Aktienanalyst der Ansicht, dass die südafrikanischen Portfoliobestände des Teams immer noch weit unter ihrem fairen Wert liegen. Daher hält das Anlageteam weiterhin an ihnen fest.

Die Aktien der aufstrebenden Länder Lateinamerikas gaben nach. Die mexikanischen Aktien fielen nach den Wahlen in Mexiko, bei denen die dortige Regierungspartei – zur Überraschung der Anleger – eine deutliche Mehrheit erhielt. Bald folgten Bedenken über marktfeindliche Reformen. In Brasilien war die Inflation im Mai im Jahresvergleich höher als erwartet. Der Trend verstärkte die bereits vorhandene negative Stimmung, die durch eines der größten Unternehmen des Landes verursacht wurde: Der Aktienkurs des staatlichen Ölkonzerns war aufgrund von Änderungen in der Unternehmensführung und einer Erhöhung des Kapitalallokationsrisikos gefallen.