Mark Mobius, Executive Chairman, Templeton Emerging Markets Group

Mark Mobius, Executive Chairman, Templeton Emerging Markets Group

Schwellenländer

"Wir sehen Chancen für Anlagen in diversen Dienstleistungsbereichen"

Innerhalb dieses Themas halten wir das Wachstum der Nachfrage nach Verbraucherdienstleistungen, nicht nur nach Produkten, für besonders interessant. Unsere Recherchemetriken deuten auf ein wachsendes Segment von in Schwellenmärkten ansässigen Dienstleistern hin. Wir glauben, das Wachstumspotenzial für Dienstleistungen in Schwellenmärkten könnte erheblich sein. Laut Weltbank ließ sich mehr als 70 Prozent der Wirtschaftsaktivität in Ländern mit „hohen Einkommen“ im Jahr 2012 auf Dienstleistungen zurückführen.

In Ländern mit „niedrigen und mittleren Einkommen“, was den Schwellen- und Grenzmärkten entspricht, lag dieser Wert bei 53 Prozent . Dienstleister in Schwellenmärkten könnten daher nicht nur vom zugrunde liegenden Wirtschaftswachstum, sondern auch von der Annäherung des Anteils von Dienstleistungen an den Wert in Industrieländern profitieren. Es ist bekannt, dass der Anteil des Dienstleistungssektors am Bruttoinlandsprodukt (BIP) in China ungewöhnlich niedrig ist. 2012 entsprach der Anteil mit 45 Prozent dem des Industriesektors des Landes. Das ist aber kein Einzelfall - in Indonesien machte der Dienstleistungssektor 2012 nur 29 Prozent des BIP aus, in Nigeria lag der Wert bei gerade einmal 26 Prozent (Die Klassifizierung der weltweiten Aktivität 2012 stammt von der Weltbank 2014 The World Bank Group).

Einzelhandel, Minimärkte und Supermarktketten

Wir glauben, es bestehen Chancen für Anlagen in vielen Dienstleistungsbereichen. Der Einzelhandel ist am naheliegendsten. Minimärkte und Supermarktketten wachsen in vielen Ländern. Sie gewinnen Marktanteile von Einzelläden und informellen Handelsaktivitäten und profitieren von Größenvorteilen und einem effizienten Management.

Die diskretionären Ausgaben steigen bei zunehmendem Verbraucherwohlstand unverhältnismäßig stark. Wir konnten Nischenbetriebe in Bereichen wie Schmuck und Kosmetik identifizieren, deren Umsatz- und Gewinnwachstum viel höher liegt als man aufgrund der relativ bescheidenen Bewertungen annehmen würde. Der steigende pro-Kopf Wohlstand in den Schwellenmärkten liefert verstärkt auch die Mittel für höhere Freizeitausgaben. Wir konnten Gelegenheiten bei verschiedenen Unterhaltungsunternehmen finden. 2013 wurde zum Beispiel in der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao bei Spiel- und Urlaubsbetrieben ein enormes Umsatzwachstum verzeichnet.

Verbesserte Verkehrsverbindungen mit dem Rest des Landes und die Entwicklung neuer Hotels und Freizeiteinrichtungen auf dem dem Meer abgerungenen Land, dem sogenannten „Cotai Strip“, führten zu einem starken Anstieg der Tourismuszahlen in dem Urlaubsziel. Der Tourismus innerhalb Festlands-Chinas nimmt ebenfalls zu. Dabei werden organisierte und regulierte Pauschalreisen zunehmend von Individualreisen verdrängt. Das schafft eine neue Branchendynamik. Der Bereich Finanzdienstleistungen ist unserer Meinung nach ein weiterer wichtiger Wachstumsbereich innerhalb des Dienstleistungssektors in Schwellenmärkten, wenn sich das Verbraucherinteresse erst einmal Investmentprodukten zuwendet und die Zahl der Kredite wächst. Wir können sowohl in Schwellen-, als auch in Grenzmärkten beobachten, wie gut geführte Banken ihre Kreditaktivitäten neu ausrichten - weg von staatlichen Unternehmen und Regierungsbehören und hin zu Verbrauchern und Kleinfirmen.

Wir glauben, auch Versicherer können von dem steigenden Wohlstand profitieren. Alternde Bevölkerungen sorgen für Nachfrage nach Produkten, wie Altersvorsorge und Krankenversicherungen. Bestrebungen zur Stärkung der sozialen Sicherheitsnetze, die auch Inhalt der jüngsten Reformvorschläge in China waren, könnten unserer Meinung nach durchaus zu einer stark wachsenden Nachfrage nach Versicherungsprodukten führen.

Mobile Technologie und Internet

Telekommunikationsunternehmen haben in den Schwellenmärkten ein ausgezeichnetes Wachstum erlebt, insbesondere bei mobilen Diensten. Schwellenmarktkunden, insbesondere in Afrika, haben sich die mobile Technologie enthusiastisch zu eigen gemacht, wodurch herkömmliche Festnetzsysteme effektiv übersprungen wurden. Das unserer Meinung nach vielleicht spannendste Segment im Dienstleistungssektor steht im Zusammenhang mit der Entwicklung des Internets. Während herkömmliche Systeme in vielen Schwellenmärkten relativ selten sind, hat sich in vielen Branchen rasant ein auf Internet-Technologie basierender Handel entwickelt.

Lateinamerikanische Internet-Handelsplattformen, chinesische Reisebüros und Ticketverkaufsstellen und afrikanische Anbieter für mobile Geldüberweisungen sind Beispiele dafür, wie herkömmliche Dienstleistungsanbieter sich dem Online-Zeitalter anpassen.

Internetportale in chinesischer Sprache konnten ein rapides Wachstum verzeichnen. Suchmaschinen und Mehrwertdienste profitierten vom Widerwillen der chinesischen Regierung, US-Unternehmen zuzulassen. Chinesische Verbraucher haben mobile Internetdienste und Spiele begeistert aufgenommen. Das hat diesen Unternehmen unserer Meinung nach potenziell sehr hohe Umsätze verschafft.

Mehr zum Thema
Mark Mobius über Asiens Schwellenmärkte: Bitte haben Sie etwas Geduld Mark Mobius über Rumänien: Ausländische Investoren haben oft keine Ahnung Mark Mobius über Afrika: Rohstoffe, junge Bevölkerung und Interesse der reichen Schwellenländer