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Strategien für nachhaltige Erträge

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Hafen von Quingdao im Nordosten Chinas Foto: imago images / VCG

Ausblick auf die Emerging Markets

Schwellenländer wollen durch die Tür

Die Kombination aus starken Fundamentaldaten und beispiellosen geld- und fiskalpolitischen Impulsen ermöglichte es den aufstrebenden Volkswirtschaften, sich schnell von der Covid-19-Krise zu erholen. Schwellenländer-Anleihen mit Investment-Grade-Rating machten ihre seit März beobachtete Spread-Ausweitung fast vollständig wett. Hochzinsanleihen entwickelten sich uneinheitlich, die meisten wurden jedoch durch die außergewöhnlichen Maßnahmen des IWF gestützt, der letztlich über neunzig Ländern Mittel aus seiner Kreditfazilität in Höhe von 1 Billion US-Dollar zur Verfügung stellte. Zwar gab es einige kleinere Kreditausfälle in schwächeren Schwellenländern, dennoch ist es Ländern wie Argentinien und Ecuador im dritten Quartal 2020 gelungen, Umschuldungen auf den Weg zu bringen.

2021 bestehen Aussichten auf eine weitere Normalisierung des Wachstums
Die Aussichten für eine fortgesetzte Erholung des Wirtschaftswachstums in den Schwellenländern bleiben 2021 gut, unterstützt durch die starke Erholung der chinesischen Konjunktur sowie die Aussichten auf breite Verfügbarkeit von Impfstoffen, die eine sich ausweitende globale wirtschaftliche Erholung bedingen. Chinas Wirtschaft hat in den vergangenen Monaten eine beeindruckende Widerstandsfähigkeit gezeigt und im dritten Quartal laut Bloomberg mit einer Wachstumsrate von 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein höheres Wachstum als 2019 verzeichnet. Eine akkommodierende geld- und fiskalpolitische Unterstützung in den G3-Ländern und China sowie eine Änderung der internationalen Handelspolitik unter der Präsidentschaft von Joe Biden in den USA dürften die konjunkturelle Entwicklung der Schwellenländer ebenfalls stützen.

Die in den globalen Handel besonders eng eingebundenen Schwellenländer sollten sich in den kommenden Monaten am schnellsten erholen, wobei die asiatisch-pazifischen Länder wohl am meisten profitieren. Europa und Lateinamerika dürften ebenfalls von einer Rückkehr zu einem normaleren Wachstum profitieren, allerdings gilt es einige Sorgenkinder zu beobachten: Die Türkei beispielsweise hat aufgrund einer längeren Phase unorthodoxer Politik von Regierung und Zentralbank einen schwierigeren Weg zu bewältigen, obgleich die jüngsten Entwicklungen auf einen Wandel hin zu einem marktfreundlicheren Verhalten hinweisen könnten. Insgesamt ist die Verschuldung der Türkei im Jahr 2020 zwar gestiegen, liegt aber mit rund 55 Prozent des Bruttoinlandsprodukts immer noch deutlich unter dem Niveau vieler entwickelter Marktwirtschaften und bietet Spielraum für weitere fiskalische Unterstützung.

Grafik: Die Verschuldung des Staates und des privaten Sektors in den Schwellenländern ist 2019 auf neue Höchststände gestiegen

Öl- und tourismusabhängige Volkswirtschaften

Die öl- und tourismusabhängigen Volkswirtschaften sind am stärksten von der Pandemie betroffen. Prognosen gehen davon aus, dass sich der Ölpreis bei 50 US-Dollar pro Barrel stabilisiert. Das liegt jedoch immer noch unter dem Niveau, das viele ölexportierende Staaten in den Schwellenländern benötigen, um ihre Haushalte auszugleichen.

In Volkswirtschaften mit starkem Tourismussektor wird eine vollständige Erholung wahrscheinlich noch ein Jahr entfernt sein. Aufgrund der bisherigen Zurückhaltung der Anleger bei entsprechenden Investitionen bietet die Branche unserer Einschätzung nach gute Anlagechancen.

Ausblick für Unternehmensanleihen

Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern bieten weiterhin überzeugenden Wert, da viele von ihnen im Vergleich zu Staatsanleihen eine höhere Rendite aufweisen. Schwellenländer- Unternehmen profitieren von der massiven geldpolitischen und fiskalischen Unterstützung im Gefolge der Pandemie. Sie mussten nicht so viele Schulden aufnehmen, um ihre Bilanzen zu stützen, da sich das Wachstum schneller erholt hat als zunächst befürchtet. Die Stimulierung wird weiterhin insbesondere Unternehmen im Konsum- und Telekommunikationssektor zugutekommen. Ebenfalls profitieren werden Unternehmen, die an lokale Investitionen gebunden sind: Die Regierungen vieler Schwellenländer unterstützen ihre Volkswirtschaften weiterhin mit gezielten Stimulierungsmaßnahmen in Form von Infrastrukturprojekten.

Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährungen besser positioniert
Weil die Pandemie Schwellenländer-Währungen unter Druck gebracht hat, entwickelten sich Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährungen in den vergangenen Monaten vergleichsweise schwach. Ein Lichtblick bei Lokalwährungs-Anleihen war, dass die Notenbanken zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt eine antizyklische Geldpolitik betreiben konnten: Sie senkten die Zinssätze in einigen Fällen auf historische Tiefststände, um die Pandemiefolgen zu kompensieren. Weil dadurch die Renditen für Anleger, die sich an den lokalen Märkten engagieren wollen, gesunken sind, besteht durch Aufwertungschancen der Lokalwährungen Potenzial für neue Wertschöpfung zugunsten der Anleger.

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