Schwellenmärkte im zweiten Quartal Gestrauchelt, aber kein Beinbruch

Anhänger von Ivan Duque, neuer Staatschef Kolumbiens, feiern den Wahlsieg: Kolumbien mit seinen knapp 50 Millionen Einwohnern erwies sich in den vergangenen Monaten als Lichtblick und konnte ein solides Wachstum verbuchen. | © Getty Images

Anhänger von Ivan Duque, neuer Staatschef Kolumbiens, feiern den Wahlsieg: Kolumbien mit seinen knapp 50 Millionen Einwohnern erwies sich in den vergangenen Monaten als Lichtblick und konnte ein solides Wachstum verbuchen. Foto: Getty Images

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Die Schwellenländer erlitten in der ersten Jahreshälfte 2018 einen Rückschlag. Ausgelöst wurde die Bewertungsdelle durch die Sorge der Anleger vor steigenden US-Zinsen, dem erstarkenden US-Dollar und zunehmenden Handelsspannungen zwischen den USA und China. Wir rechnen jedoch nicht mit einer Eintrübung der Fundamentaldaten der Schwellenmärkte, die weiterhin rasant wachsen dürften.

Die Erfahrung lehrt: Kündigte in der Vergangenheit die US-Notenbank eine Straffung an, unterlagen sowohl Aktien als auch Währungen der Schwellenmärkte oft nach unten gerichteten, starken Marktschwankungen. Bei der tatsächlichen Umsetzung von US-Zinsanhebungen konnten sich die Währungen und Aktien der Schwellenmärkte dann häufig erholen – was unsere These unterstützt, dass die Märkte dazu neigen, vor dem eigentlichen Ereignis ein Worst-Case-Szenario einzupreisen.

Obwohl viele Unternehmen der Schwellenländer in US-Dollar verschuldet sind und ein stärkerer US-Dollar ihre Gewinne beeinträchtigen könnte, glauben wir nicht, dass ein stärkerer Greenback die Erfolgsgeschichte der Schwellenmärkte ernsthaft gefährdet. Zudem muss berücksichtigt werden, dass die Schwellenmärkte in der Regel einen höheren Anteil der Schuldenaufnahme in Landeswährung tätigen. Ein Großteil der auf US-Dollar lautenden Unternehmensverbindlichkeiten ist nicht zuletzt durch Einnahmen in US-Dollar auf Unternehmens- oder Staatsebene abgesichert.

Regionale Handelsabkommen nehmen Protektionismus die Schärfe

Es sollte beachtet werden, dass die Auswirkungen eines steigenden US-Dollars heute wahrscheinlich anders ausfallen als in vergangenen Zeiträumen mit starker US-Währung. Denn heutzutage unterliegen die meisten Währungen der Schwellenmärkte flexiblen Wechselkursen. Zugleich weisen die Schwellenmärkte insgesamt einen Leistungsbilanzüberschuss auf. Die Auswirkungen eines starken US-Dollars auf die einzelnen Länder hängen deshalb individuell von der Wirtschaftsstruktur und -politik der jeweiligen Nationen ab.

Zwar haben die Handelsspannungen den Ausblick für die Schwellenmärkte kurzfristig getrübt, wir glauben jedoch, dass der Handel zwischen den Schwellenländern untereinander in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Ein zunehmender Protektionismus dürfte dazu führen, dass in verstärktem Maß regionale Abkommen getroffen werden.

Trotz der auch in den kommenden Monaten erwarteten Marktvolatilität halten wir an unserer positiven Einschätzung für die Schwellenmärkte fest. Die Anlageklasse weist vielversprechende Bewertungen, ein hohes Gewinnsteigerungspotenzial und solide Fundamentaldaten auf. Zum Vergleich: Bei den Schwellenmärkten, dargestellt anhand des MSCI EM Index, lag das Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zum 30. Juni 2018 bei 11,3 und das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) bei 1,7. Die Schwellenmärkte werden gegenüber den Industrieländern (dargestellt anhand des MSCI World Index) mit einem Abschlag von rund 25 Prozent gehandelt und bleiben weiterhin chancenreich.