Für Anleger sieht Brodehser viele Vorteile: „Der Charme dieser Investments ist, dass Investoren eine höhere Rendite erwarten können als bei vielen anderen Anlagen ohne dafür ein höheres Risiko eingehen zu müssen.“ Diese Mehrrendite ergebe sich aus verschiedenen Prämien, die am Markt gezahlt werden, etwa weil das investierte Geld sehr lange gebunden sei. Investoren könnten mit einer jährlichen Nettoausschüttungsrendite nach allen Kosten von 4 bis 5 Prozent rechnen, heißt es vom Anbieter. Bei Infrastruktur gehe es um die Basisbedürfnisse einer Gesellschaft, auf die man schlecht verzichten könne. Das sorge für stetige Erträge bei geringen Schwankungen, meint Brodehser. Ein solcher Fonds eigne sich daher für eher risikoaverse Anleger sowie für den konservativen Teil eines sportlicheren Portfolios.
Erste Fonds am Markt: DWS setzt auf vier Bereiche, KGAL legt Fokus auf Energie
Um das Risiko gering zu halten, soll das Geld zum Großteil in Projekte fließen, die bereits in Betrieb sind oder kurz vor Inbetriebnahme stehen. „Der Vorteil ist, dass in diesen Fällen ab dem ersten Tag Erträge fließen“, erklärt der DWS-Experte. Neben der Energiebranche kann der Fonds auch in Kommunikationsinfrastruktur wie Glasfaser-Projekte und Daten-Center, Transportinfrastruktur wie Nahverkehrsprojekte und Schnellzugstrecken sowie soziale Infrastruktur, also Krankenhäuser, Universitäten und Schulen, investieren. Erste Investments sollen in in Kürze getätigt werden.
Bei dem neuen KGAL-Fonds soll der Fokus dagegen alleinig auf erneuerbaren Energien liegen. Geplant sei, europaweit in Solarparks, Windparks und andere Infrastruktur-Projekte im Bereich erneuerbarer Energien zu investieren. Etwa 25 Objekte will das Investmenthaus ins Fondsportfolio holen, das werde vier bis sechs Jahre dauern. „In der Aufbauphase konzentrieren sich die Investments auf operative Bestandsanlagen. Anschließend kommen auch Projektentwicklungen infrage, um das Renditepotenzial zu erhöhen“, erklärt Matthias Weber, KGAL-Vertriebschef für offene Investmentfonds. Erneuerbare Energien gehören zu den Spezialgebieten der Boutique, die in Europa 130 Wind- und Solarparks betreibt.
Auch KGAL richtet sich an Privatanleger, „die auf der Suche nach konservativen Portfoliobausteinen mit verlässlichen Ausschüttungen sind.“ Der Erneuere-Energien-Infrastrukturfonds habe einen ähnlich defensiven Charakter wie ein offener Immobilienfonds, wobei das Renditepotenzial etwas höher sei, so Weber. Die Zielrendite liege bei jährlich 4 bis 5,5 Prozent. Beim Vertrieb will KGAL mit Partnern auf verschiedenste Kanäle setzen, von Sparkassen und Volksbanken über Allfinanzberater bis hin zu Direktbrokern. „Wir sind überzeugt davon, dass offene Infrastrukturfonds das Potenzial zum Bestseller haben“, sagt Vertriebsexperte Weber.
Kritik: Langer Weg zur europäischen Vertriebszulassung, keine Teilfreistellung bei der Steuer
Der Bundesverbands Alternative Investments sieht indes noch Verbesserungsbedarf. So setzt sich der Verband unter anderem dafür ein, dass der Anlagekatalog erweitert wird. Auch eine flexiblere Organisationsform sei wünschenswert, so Geschäftsführer Dornseifer. Einen Nachteil sieht der Experte zudem bei der Vertriebszulassung: Während ein europäischer Eltif ab Auflage in ganz Europa vertrieben werden darf, müssen sich Anbieter beim Infrastruktur-Sondervermögen in jedem Land gesondert um eine Vertriebserlaubnis bemühen. Für große deutsche Fondshäuser müsse das aber kein Hindernis sein, meint DWS-Mann Brodehser: „Wir möchten uns mit unseren Vertriebsaktivitäten für den DWS Infrastruktur Europa ohnehin auf Deutschland fokussieren.“
Kritik gibt es zudem an der steuerlichen Behandlung. Eine Teilfreistellung, angelehnt an Aktien- oder Immobilienfonds, wäre hilfreich, meint BAI-Geschäftsführer Dornseifer. Derzeit werden Einnahmen aus Infrastruktur-Investments auf Fonds- sowie auf Anlegerebene mit dem individuellen Steuersatz voll besteuert. Steuererleichterungen hält auch Brodehser von der DWS für wünschenswert, schränkt aber ein: „Mit Sachwerten wollen wir Anlegern ein gutes Maß an Inflationsschutz und Resilienz in Krisenzeiten, stabile Renditen und dazu noch ein Investment in die eigene Zukunft bieten – ob man damit am Ende noch ein paar Euro Steuern sparen kann, sollte nicht im Fokus stehen.“
