Sie sind einer der Trends der Finanzbranche: aktive ETFs. Diese Hybridprodukte, die die Vorteile aktiven Managements mit der Struktur börsengehandelter Fonds verbinden sollen, erregen sowohl bei institutionellen als auch bei privaten Anlegern wachsendes Interesse. In diesem Kontext hat Scope eine umfassende Untersuchung des aktiven ETF-Marktes in Europa durchgeführt, die wichtige Einblicke in die aktuelle Marktdynamik liefert.
Hier sind die fünf wichtigsten Erkenntnisse der Studie:
- Starkes Wachstum: Das verwaltete Vermögen in aktiven ETFs stieg von 26 Milliarden Euro im Juni 2023 auf 42 Milliarden Euro im August 2024 - ein Zuwachs von mehr als 60 Prozent in 14 Monaten.
- Marktkonzentration: J.P. Morgan Asset Management dominiert mit einem Marktanteil von 53 Prozent, gefolgt von Amundi, Fidelity und Pimco.
- Produktvielfalt: Es gibt nun 97 aktive ETFs in Deutschland, davon 52 Aktien-ETFs, 34 Renten-ETFs, 9 Mischfonds und 2 aus sonstigen Kategorien.
- Kosteneffizienz: Die durchschnittlichen laufenden Kosten betragen 0,47 Prozent für Aktien-ETFs, 0,27 Prozent für Renten-ETFs und 0,38 Prozent für Mischfonds.
- Performance: Von 22 aktiven ETFs mit 5-Jahres-Historie tragen 12 ein Top-Rating (A oder B) von Scope.
Die Studie zeigt eine klare Präferenz für bestimmte Regionen und Themen. Aktien-ETFs mit Fokus auf Nordamerika und globale nachhaltige Strategien dominieren das Segment. Die Peergroups „Aktien Nordamerika“ und „Aktien Nachhaltigkeit/Ethik Welt“ sind sowohl nach Anzahl der Fonds als auch nach verwaltetem Vermögen führend. Dies spiegelt aktuelle Anlagetrends wider, insbesondere das wachsende Interesse an nachhaltigen Investments und die anhaltende Attraktivität des US-Marktes.
Der Markt der aktiven ETFs befindet sich in Europa insgesamt in einer Phase dynamischen Wachstums. Trotz des beeindruckenden Wachstums bleibt der Marktanteil aktiver ETFs am Gesamtmarkt mit etwa 2 Prozent des ETF-Volumens noch relativ gering, was auf erhebliches weiteres Wachstumspotenzial hindeutet.
Die Produktpalette hat sich ebenfalls deutlich erweitert und diversifiziert. Mit 97 aktiven ETFs, die verschiedene Anlageklassen und -strategien abdecken, bietet der Markt nun eine breitere Auswahl für Investoren.
Anbieter von aktiven ETFs und Marktkonzentration
Auffällig ist die hohe Dominanz von J.P. Morgan Asset Management. Mit einem Marktanteil von 53 Prozent beherrscht der internationale Vermögensverwalter den europäischen Markt. Ebenfalls interessant ist die Zurückhaltung bank- und versicherungseigener Asset Manager bei der Auflegung aktiver ETFs.
Die Studie hebt auch den Eintritt neuer Marktteilnehmer hervor. Anbieter wie BNP Paribas und EQ IQ (Ark) sind in den Markt eingetreten. Zudem gibt es Innovationen im Produktbereich: Beispielsweise wurden aktive ETFs im Bereich Mischfonds (von Vanguard und DWS) sowie im Geldmarktsegment (von Amundi) neu aufgelegt.
Ein Hauptvorteil aktiver ETFs liegt in ihrer Kosteneffizienz. Mit durchschnittlichen laufenden Kosten von 0,47 Prozent für Aktien-ETFs, 0,27 Prozent für Renten-ETFs und 0,38 Prozent für Mischfonds positionieren sie sich preislich zwischen klassischen aktiven Fonds und passiven ETFs. Diese Kostenstruktur könnte ein wesentlicher Treiber für das weitere Wachstum sein, insbesondere in einem Umfeld, in dem Anleger zunehmend kostenbewusst agieren.
Die Performance-Ergebnisse der Studie sind insgesamt als ermutigend zu bezeichnen. Dass mehr als die Hälfte der aktiven ETFs mit 5-Jahres-Historie ein Top-Rating von Scope erhalten haben, unterstreicht das Potenzial dieser Produkte, Mehrwert für Anleger zu generieren.
Herausforderungen und Zukunftsaussichten
Trotz des positiven Wachstumstrends stehen aktive ETFs vor Herausforderungen. Der Vertrieb bleibt ein Haupthindernis, da die für klassische Fonds üblichen Ausgabeaufschläge und Bestandsprovisionen fehlen. Dies erschwert die Integration in provisionsbasierte Vertriebsmodelle und könnte ein Grund für die Zurückhaltung einiger traditioneller Anbieter sein.
Die Studie weist darauf hin, dass die regulatorische Entwicklung in Europa eine entscheidende Rolle für die Zukunft aktiver ETFs spielen wird. Zum Vergleich: In den USA, wo aktive ETFs bereits ein großer Erfolg sind, haben regulatorische Anpassungen das Wachstum begünstigt. Der europäische Markt könnte von ähnlichen Entwicklungen profitieren.
Die Studie prognostiziert ein weiteres Wachstum des Segments, sieht aber eine anhaltende Koexistenz mit klassischen aktiven Fonds. Die zukünftige Entwicklung wird stark von der weiteren Wertentwicklung, der regulatorischen Entwicklung und der Anpassungsfähigkeit der Vertriebskanäle abhängen.
Fazit
Die Scope-Studie zeichnet das Bild eines dynamischen Marktsegments. Aktive ETFs bieten Chancen für Investoren, die die Vorteile aktiven Managements mit der Kosteneffizienz und Transparenz von ETFs kombinieren möchten. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob sich die Produktkategorie im institutionellen Bereich und bei Privatanlegern bewährt.

