Der europäische Markt für European Long-Term Investment Funds (Eltifs) wächst weiter. Nach Angaben der Analyseagentur Scope Fund Analysis kamen von Januar bis Ende Juli 2026 insgesamt 49 neue Eltifs auf den Markt. Mit ihnen wächst die Gesamtzahl aktiver Produkte in Europa auf 315. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es rund 70 Neuauflagen, im gesamten Jahr 2025 dann 114 – ein Rekordwert, der 2026 voraussichtlich nicht mehr erreicht wird.

Die Zahlen zeigen: Seit dem Start des reformierten Eltif-2.0-Regimes im Januar 2024 entwickelt sich der Markt deutlich schneller. 224 Fonds sind seither entstanden – mehr als doppelt so viele wie unter der Eltif-Verordnung in ihrer ursprünglichen Fassung von 2015 (94 Produkte).

Chart Anzahl neue Eltifs je Kalenderjahr
Chart Anzahl neue Eltifs je Kalenderjahr | Bildquelle: Scope Fund Analysis/Esma

Die Reform 2024 hat ganz offensichtlich als Katalysator gewirkt, und selbst ein schwächeres Jahr 2026 bewegt sich immer noch auf einem hohen Niveau bei den Neuauflegungen.

Bei der Wahl des Fondsdomizils hat sich wenig geändert: Luxemburg bleibt mit Abstand erste Adresse. 22 der 49 neuen Eltifs wurden bei der dortigen Aufsicht CSSF registriert, davon mindestens elf mit paneuropäischer Vertriebszulassung. Frankreich folgt mit 14 Neuregistrierungen bei der AMF, Irland kommt auf zehn Fonds über die Central Bank of Ireland. Deutschland spielt mit drei bei der Bafin registrierten Produkten weiterhin eine Nebenrolle – ein Bild, das sich auch im Bestand bei Eltifs seit Einführung der entsprechenden Fondshülle zeigt: Während in Luxemburg 172 und in Frankreich 86 Eltifs registriert sind, kommt Deutschland auf gerade einmal auf sechs Registrierungen.

Private Debt baut Führungsposition aus

Bei den Anlageklassen zeichnet sich als Muster ab: Private Debt bleibt der Liebling der Fondsanbieter. 21 der 49 diesjährigen Neuauflegungen setzen auf private Kreditstrategien, mit weitem Abstand vor Private Equity (11) und Infrastruktur (8). Dieser Trend zeichnete sich bereits im vergangenen Jahr ab, als 42 der 114 neu aufgelegten Eltifs auf Private Debt setzten.

Chart Auflegungen nach Assetklassen
Chart Auflegungen nach Assetklassen | Bildquelle: Scope Fund Analysis/Esma

Besonders gefragt ist Private Debt bei französischen, spanischen und italienischen Investoren – in Deutschland fristet die Anlageklasse dagegen vergleichsweise ein Schattendasein. Immobilienstrategien bleiben insgesamt Nischenprodukte, während Multi-Asset-Ansätze vor allem im Privatkundengeschäft an Boden gewinnen.

Evergreen setzt sich als Standardstruktur durch

Auch strukturell verschiebt sich der Markt: Mindestens 26 der 49 Neuauflegungen des laufenden Jahres sind als sogenannte Evergreen-Fonds konzipiert, nur 14 als klassisch geschlossene Produkte. Evergreen-Eltifs erlauben Anlegern einen fortlaufenden Ein- und unter bestimmten Voraussetzungen auch Ausstieg, statt sie über Jahre an einen vorab festgelegten Zeichnungs- und Rückgabetermin zu binden, wie es in klassischen geschlossenen Fonds mit fester Laufzeit der Fall ist.

Mit den offeneren Strukturen richten Anbieter ihre Produkte zunehmend auf ein breiteres Anlegerpublikum aus, statt auf klassische institutionelle Zeichner zu setzen, interpretiert es Scope.

Auch auf der Anbieterseite zeigt sich, wie sehr die Eltif-Novelle den Markt belebt hat: 90 Asset Manager stiegen allein 2024 und 2025 neu ins Eltif-Geschäft ein – gut sechs von zehn aller heute aktiven Anbieter. Insgesamt zählt Scope damit inzwischen 147 Asset Manager, die seit 2015 mindestens einen Eltif aufgelegt haben, 17 davon sind 2026 hinzugekommen.

Das Wachstum wird damit längst nicht mehr nur von etablierten Häusern getragen, die ihre Produktpaletten erweitern, sondern zunehmend von Newcomern, die den Eltif neu für sich entdecken.

Ausblick: Wettbewerb verlagert sich auf den Vertrieb

Scope rechnet damit, dass der Eltif-Markt seinen Wachstumskurs fortsetzt, auch wenn das Rekordjahr 2025 im laufenden Jahr wohl nicht mehr zu toppen ist. Entscheidender als die bloße Zahl neuer Produkte dürfte sein, wer sich zukünftig im Vertrieb durchsetzt: Zugang zu Plattformen, verständliche Anlagekonzepte, wettbewerbsfähige Kosten und ein solides Liquiditätsmanagement werden zum eigentlichen Differenzierungsmerkmal, skizziert Scope.

Zudem: Nicht jeder neue Fonds werde automatisch auch nennenswert Anlegergelder einsammeln. Speziell Anbieter ohne etabliertes Vertriebsnetz oder klar erkennbares Profil dürften es nach Ansicht der Analysten künftig schwerer haben.

Neue Impulse könnte der Eltif-Markt insgesamt aus der privaten Altersvorsorge erhalten, sehen die Scope-Autoren voraus. Insgesamt komme es bei der weiteren Marktentwicklung weniger auf die Zahl der gelaunchten Eltifs an als vielmehr auf die eingesammelten Volumina, die Qualität der Produkte und darauf, dass Anleger den Eltif als Investmentvehikel auch langfristig akzeptierten.

Nicht jeder Eltif erfolgreich

Was Scope nicht explizit erwähnt, sind die weniger erfolgreichen Geschichten. So hat der Solarinvestment-Anbieter Hep seinen Hep Solar Invest Eltif nur ein Jahr nach Marktstart kürzlich wieder aus dem Vertrieb genommen. „Ich glaube, wir waren mit diesem Produkt zu früh dran“, begründete Hep-Spezialist Oliver Lang den Schritt.

Probleme gab es offenbar auch beim Greenman Open, der gerade frisch in einen Eltif umgewandelt worden war: Der Fonds musste im Dezember 2025 seinen Gating-Mechanismus aktivieren, da Anleger mehr Geld abziehen wollten, als der Greenman Open auf einmal auszuzahlen bereit war.