Der Markt für geschlossene Publikums-AIF hat 2025 einen deutlichen Rückschlag erlitten. Das prospektierte Angebotsvolumen sank laut einer aktuellen Auswertung der Ratingagentur Scope auf 369 Millionen Euro – nach 962 Millionen Euro im Jahr zuvor. Das entspricht einem Rückgang um 62 Prozent und dem niedrigsten Stand seit Beginn des von Scope erfassten Zeitraums ab 2017.

Auch die Zahl der neu zugelassenen Fonds halbierte sich: Die Bafin erteilte 2025 zehn Publikums-AIF eine Vertriebszulassung, nach 20 im Vorjahr.

Weniger Fonds, kleinere Volumina

Das Durchschnittsvolumen je Fonds sank laut Scope auf 37 Millionen Euro – ein Rückgang von rund 30 Prozent gegenüber 2024 und weit entfernt vom Höchstwert von 60 Millionen Euro aus dem Jahr 2022. Kein einziger Fonds des Neuangebots 2025 überschritt die Marke von 100 Millionen Euro Eigenkapital. Drei Fonds mit einem Volumen von jeweils mehr als 50 Millionen Euro vereinten 47 Prozent des gesamten Neuangebots auf sich.

Zur Einordnung: Vom Angebotsvolumen des Jahres 2024 wurden im selben Jahr lediglich 19 Prozent platziert. Der verbleibende Rest – rund 778 Millionen Euro – stand 2025 noch zur Platzierung zur Verfügung und dämpfte damit den Bedarf an neuen Emissionen zusätzlich.

Geschlossene Publikumsfonds
Entwicklung prospektiertes Eigenkapital inklusive Ausgabeaufschlag (in Mio. Euro) von 2017 bis 2025
Bildquelle: Scope Fund Analysis, Bafin, Kapitalverwaltungsgesellschaften

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Eltifs verdrängen Publikums-AIF

Ein weiterer struktureller Treiber des Rückgangs: Anbieter weichen zunehmend auf Eltifs nach Luxemburger Recht aus – insbesondere außerhalb der Assetklasse Immobilien.

Anbieter wie Hep und Patrizia legten 2025 Eltifs statt oder zusätzlich zu Publikums-AIF auf. Auch MPE und HMW Emissionshaus, die 2024 noch Private-Equity-Publikums-AIF emittiert hatten, ergänzten ihr Angebot 2025 um einen Eltif. Das wachsende Eltif-Angebot entzieht dem Publikums-AIF-Markt zunehmend Kapital.

Ausschließlich Immobilien im Neuangebot

Besonders auffällig: Alle zehn neu zugelassenen Fonds des Jahres 2025 sind Immobilienfonds. Das ist ein klarer Strukturbruch gegenüber dem Vorjahr. 2024 hatte Private Equity mit einem Volumen von 510 Millionen Euro noch 53 Prozent des Neuangebots gestellt und damit erstmals die Immobilienfonds überholt. 2025 fehlt die Assetklasse komplett.

Von den zehn Immobilienfonds investieren sechs auf dem deutschen Markt, einer auf dem europäischen und zwei auf dem US-amerikanischen Immobilienmarkt. Zwei Fonds – knapp 17 Prozent des prospektierten Eigenkapitals – sind in US-Dollar denominiert, die übrigen acht in Euro.

Platzierungsvolumen sinkt weiter

Auf der Nachfrageseite setzt sich der Abwärtstrend fort. Das tatsächlich platzierte Eigenkapital lag 2025 laut Scope-Auswertung bei 438 Millionen Euro – ein Rückgang um 23 Prozent gegenüber 572 Millionen Euro im Jahr 2024. Als Hauptgrund nennt Scope die anhaltende Zurückhaltung privater Anleger.

Festverzinsliche Alternativen blieben konkurrenzfähig: Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte 2025 im Jahresdurchschnitt mit 2,6 Prozent, Tages- und Festgeld brachten je nach Produkt zwischen 2 und 3,4 Prozent. Dazu kamen negative Schlagzeilen zu Insolvenzen im Markt geschlossener Fonds, die zusätzlich zur Verunsicherung der Anleger beitrugen.

Rund 67 Prozent des platzierten Volumens 2025 stammten aus Fonds mit Vertriebszulassung aus dem Jahr 2024. Nur 18 Prozent flossen in das Neuangebot 2025. Der Markt lebt damit stark von Altangeboten.

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Immobilien dominieren, Private Equity hält sich

Mit rund 305 Millionen Euro entfiel auch beim platzierten Eigenkapital der Löwenanteil auf Immobilien – das entspricht laut Scope 70 Prozent des Gesamtvolumens. Private Equity folgte mit 102,5 Millionen Euro (23 Prozent), Erneuerbare Energien mit 21,4 Millionen Euro (5 Prozent). Infrastruktur und Multi-Asset spielten mit zusammen rund 2,5 Prozent eine untergeordnete Rolle.

Anleger bevorzugten dabei risikogemischte Fonds: 78 Prozent des platzierten Kapitals flossen in diese Kategorie. Mehr als drei Viertel des Eigenkapitals – 76 Prozent – wurden in Fonds nach Artikel 6 der EU-Offenlegungsverordnung investiert. Kein Artikel-9-Fonds war 2025 im Neuangebot vertreten.

Markt konzentriert sich auf wenige Anbieter

Der Markt ist strukturell eng. Die fünf platzierungsstärksten Anbieter – Munich Private Equity Funds, Hahn Gruppe, US Treuhand, ILG Gruppe und Primus Valor – vereinten laut Auswertung zusammen 244 Millionen Euro und damit 56 Prozent des gesamten Platzierungsvolumens auf sich. Beim Neuangebot entfielen 76 Prozent des Volumens auf die fünf größten Kapitalverwaltungsgesellschaften.

Erstmals unter den Top 5 vertreten sind die Hahn Gruppe und die ILG Gruppe, beide mit Fokus auf Lebensmitteleinzelhandel und Nahversorgung. Scope führt das auf die grundsätzliche Widerstandsfähigkeit dieses Sektors zurück.

Renditeerwartungen im Vergleich

Für die Beurteilung der Produktattraktivität liefert Scope Renditeangaben aus den Basisinformationsblättern der emittierten Fonds – jeweils für das mittlere Szenario. Die sieben Deutschland-Immobilienfonds kommen demnach auf jährliche Durchschnittsrenditen von 3,6 bis 5,2 Prozent bei einer geplanten Laufzeit von im Mittel zwölf Jahren.

Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte zum 31. Dezember 2025 mit 2,9 Prozent. Der einzige europäische Immobilienfonds liegt mit 4,0 Prozent nur knapp darüber. Mehr Abstand bieten die beiden US-Immobilienfonds mit erwarteten Renditen von 6,2 bis 6,6 Prozent – bei einer kürzeren geplanten Laufzeit von rund fünf Jahren.

Ausblick: Erholung erwartet – aber begrenzt

Scope rechnet für 2026 mit einer leichten Erholung auf der Angebotsseite: Die Emissionsaktivität dürfte das Niveau von 2025 übertreffen, aber unter dem von 2024 bleiben.

Das geplante Eigenkapitalvolumen der bereits angekündigten Neuemissionen beziffert Scope auf 400 bis 600 Millionen Euro. Beim Platzierungsvolumen erwartet die Ratingagentur einen Korridor zwischen 400 und 800 Millionen Euro – die Milliarden-Marke dürfte 2026 nicht wieder erreicht werden.

Die strukturellen Belastungen bleiben: Anleger zögern, festverzinsliche Alternativen konkurrieren weiter, und das wachsende Eltif-Angebot entzieht dem Publikums-AIF-Markt zunehmend Kapital.