Sechs Jahre Haft für Ex-VIP-Chef Schmid

Vor gut einem Jahr hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben, jetzt ist das Urteil gegen die ehemaligen VIP-Medienfonds-Geschäftsführer gefallen. Das Münchner Landgericht hat Andreas Schmid wegen Steuerhinterziehung zu sechs Jahren Haft verurteilt, Andreas Grosch zu zwei Jahren auf Bewährung. 

Im heutigen Urteil ging es nur noch um den Medienfonds VIP 3. „Der VIP 4 und der Vorwurf der Untreue wurden erstmal ausgeschlossen, um das Verfahren voranzutreiben“, so Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen von der Kanzlei KWAG. Schmid sitzt immerhin bereits seit September 2005 in Untersuchungshaft, davon mehr als ein Jahr ohne Anklageerhebung. 

Ihm wurde vorgeworfen, Anlegergelder zu Unrecht als steuerlichen Verlust veranschlagt zu haben. 80 Prozent des Geldes seien nicht in Filmproduktionen geflossen, sondern zur Garantieabsicherung verwendet worden.

Das heutige Urteil ist noch nicht rechtskräftig. „Die Verteidigung hat angekündigt, in Revision zu gehen“, sagt Gieschen. Um bis zum endgültigen Richterspruch auf freien Fuß zu gelangen, müsste Schmid 4 Millionen Euro Kaution und seinen Reisepass hinterlegen. Die nächste Instanz ist der Bundesgerichtshof. Ob dieser die Revision überhaupt annimmt, bleibt abzuwarten. 

Für die Anleger des VIP 3 Fonds sieht Gieschen das Urteil positiv. „Die Beweislast ist jetzt umgekehrt. In anderen Verfahren müsste Herr Schmid nun nachweisen, dass er unschuldig ist.“ Außerdem sieht er gestiegene Chancen, die Commerzbank als Hauptvertriebspartner des VIP 3  und VIP 4 in die Haftung zu nehmen. „Die Bank muss schließlich vor dem Vertrieb eine Plausibilitätsprüfung des Fondskonzepts vornehmen“, so Gieschen.

Sein Kollege Wolf von Buttlar von der Kanzlei Dr. Steinhübel & von Buttlar sieht hier ähnliche Chancen, aber zugleich auch einen Nachteil. Von Buttlar: „Wir gehen jetzt nicht mehr davon aus, dass die Steuervorteile der Anleger der VIP Medienfonds doch noch anerkannt werden.“ Das Finanzgericht München hat schon im Oktober den Anlegern des VIP 3 die steuerlichen Verlustzuweisungen vorläufig gestrichen.