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Helge Rehbein (Content-Team)Lesedauer: 5 Minuten
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ESG-Engagement im Wassersektor „Sehen wir keine Veränderung zum Besseren, sind wir gezwungen zu verkaufen“

Wasseraufbereitungsanlage in Hamburg
Wasseraufbereitungsanlage in Hamburg: „Unser Fonds Pictet-Water hat ein Volumen von 10 Milliarden US-Dollar und verfügt über eine 20-jährige Erfolgsbilanz. Aus der Verwaltung der Strategie ergibt sich eine hervorragende Möglichkeit, mit Unternehmen in Kontakt zu treten und Veränderungen voranzutreiben“, sagt Cédric Lecamp. | Foto: imago images / Joerg Boethling

Herr Lecamp, hat sich die Art und Weise, wie Unternehmen mit Ihnen und Ihrem Team interagieren, in den vergangenen Jahren verändert?

Cédric Lecamp: In der Tat reagieren die Unternehmen stärker auf unser Feedback. In unserer Branche war es in der Vergangenheit eher so, dass sie einmal im Jahr einen ESG-Fragebogen zugeschickt bekamen und Kästchen ankreuzten. Mittlerweile ist den Unternehmen bewusst, dass ESG-Belange einen Einfluss auf ihren Ruf, ihre Mitarbeiter und ihren Aktienkurs haben können. Wir versuchen, sie zu ermutigen, ESG als Teil des Fundaments ihres Unternehmens zu betrachten. Die Unternehmen erkennen, dass das Thema an Bedeutung gewinnt, wenn immer mehr Vorstände konkrete Positionen schaffen: Ein Nachhaltigkeitsausschuss, ein Chief Sustainability Officer oder eine direkte Berichtslinie von ESG an den Vorstand. All das sind positive Entwicklungen.

Manager wollen oft kurzfristige Erfolge; die ESG-Ertüchtigung von Unternehmen ist hingegen ein langer Prozess. Wie entstehen für alle Seiten gute Erfolge?

Lecamp: Oftmals ist unsere Water-Strategie länger Anteilseigner dieser Unternehmen als das Management an der Spitze steht. Viele der Unternehmen, die wir halten, sind seit der Einführung der Strategie im Jahr 2000 dabei. Unternehmen wissen, dass es bei unserem Feedback nicht um kurzfristige Erfolge geht, sondern um eine langfristige Entwicklung, sowohl für das Unternehmen als auch für die Strategie und ihre Kunden. Darauf haben wir unsere Perspektive ausgerichtet.

Für welche Themen engagieren Sie sich im Portfolio des Fonds Pictet-Water?

Cédric Lecamp, Pictet Asset Management

Lecamp: Aufgrund unserer thematischen Ausrichtung steht bei vielen unserer Engagements die Qualität der Wasserversorgung im Mittelpunkt. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um unternehmensspezifische Engagements, die sich auf das besondere Betriebs- und Regulierungsumfeld von Versorgungsunternehmen konzentrieren.

Wir können aber auch breiter angelegte Ideen verfolgen, die segmentübergreifend sind und bei denen wir mit anderen Teams zusammenarbeiten. Die Abfallwirtschaft und die Wasserversorgung haben mit Umweltproblemen zu kämpfen, wie beispielsweise Wasserabfluss und Kohlenstoffemissionen. Daher können wir in Zusammenarbeit mit dem Team, das die Global Environmental Opportunities Strategie verwaltet, ein sektorübergreifendes Engagement im Bereich der Abwasserbehandlung eingehen und fragen: „Warum gibt es bei Ihnen so viele Verstöße gegen die Abwasserverordnung, wo doch Ihre Mitbewerber viel besser abschneiden?“ Es ist gewissermaßen eine Möglichkeit, jemanden zur Verantwortung zu ziehen.

Umweltaspekte sind sehr wichtig, wie sieht es mit dem sozialen Engagement aus?

Lecamp: Tatsächlich schätzen Arbeitgeber das Humankapital jetzt mehr – und wir sehen angesichts des Arbeitskräftemangels, dass die Menschen zunehmend mehr um den eigenen Wert wissen. Wir haben sehr aggressiv gegen Managementvergütungen gestimmt, die von vorübergehendem Personalabbau profitierten. Wir wollen sicherstellen, dass unsere Unternehmen als verantwortungsbewusste Arbeitgeber mit langfristiger Perspektive denken und handeln.

Aber auch Governance hat im Zuge der Pandemie an Bedeutung gewonnen …

Lecamp: Über die Governance können gute ökologische und soziale Praktiken umgesetzt werden. Wenn die Philosophie und der Ansatz des Managements auf die Mitarbeiter und Aktionäre abgestimmt sind, überträgt sich dies häufig auch auf die übrigen Bereiche des Unternehmens. Das Management dazu zu bewegen, seine Vergütung an wissenschaftlich belastbaren Umwelt- und sozialen Zielen auszurichten, ist beispielsweise eine Möglichkeit sicherzustellen, dass die Führungsebene dem Thema Aufmerksamkeit schenkt.

Könnten Sie Beispiele für Ihr Engagement nennen?

Lecamp: Viele unserer Engagements dauern Jahre und sind noch nicht abgeschlossen. Ein Beispiel aber ist ein sehr großes multinationales Unternehmen, das Konzessionsmodelle betreibt und industrielle Wasserprodukte weltweit verkauft. In dieser Größenordnung ist eine effektive Kontrolle schwierig. Es gab ökologische und soziale Kontroversen und wir hatten den Eindruck, dass es der Unternehmensführung am Willen mangelte, sich auf Nachhaltigkeit zu konzentrieren. Wir haben uns dafür eingesetzt, die Aufsicht auf Vorstandsebene zu ändern und die Verwendung von Nachhaltigkeitskennzahlen bei der Managementvergütung zu fördern, um eine Angleichung zu erreichen. Etwa anderthalb Jahre später führte das Unternehmen ein an Nachhaltigkeitskriterien gekoppeltes Vergütungspaket ein, bei dem sich die Vergütung auf Messgrößen stützt, die sich auf zahlreiche SDG-Ziele (Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen beziehen. Das war natürlich nicht allein unser Verdienst, es fand eine breitere Diskussion statt, an der viele Aktionäre beteiligt waren.

Jedes einzelne Unternehmen steht dabei wahrscheinlich vor neuen, spezifischen Herausforderungen?

Lecamp: Ganz genau, es gibt keine Standardlösung. Deshalb finde ich es so bedeutsam, sowohl der Manager zu sein, der in diese Unternehmen investiert, als auch derjenige, der sich um die ESG-Aspekte kümmert. Das Verständnis der Fundamentaldaten des Unternehmens ist für die Ausgestaltung des ESG-Engagements sehr wichtig und umgekehrt. Das ESG-Engagement entscheidet über die Anlageperspektive.

Was veranlasst Sie dazu, eine Position des Fonds Pictet-Water zu verkaufen?

Lecamp: Wir nehmen uns nie vor, ein Engagement mit dem kompletten Ausstieg aus einer Position zu beenden. Ich sehe es als Teil unseres Auftrags als Impact-Investor an, Aktien zu halten und auf diese Weise positive Veränderungen zu bewirken. Aus der Verwaltung einer 10-Milliarden-US-Dollar-Strategie mit einer 20-jährigen Erfolgsbilanz ergibt sich eine hervorragende Möglichkeit, mit Unternehmen in Kontakt zu treten und Veränderungen voranzutreiben.

Darüber hinaus betreiben wir vor einer Investition hinreichende Due-Diligence, damit wir uns sicher sein können, dass unsere Investments unter den meisten Rahmenbedingungen eine langfristige Kapitalanlage darstellen. Aber wir beobachten natürlich, wie sich die Dinge entwickeln: Wir messen die Bereitschaft des Managements, auf externe Faktoren und unseren Input zu reagieren. Wir setzen uns mit den Unternehmen auseinander, stimmen auf den Hauptversammlungen gegebenenfalls gegen den Verwaltungsrat, schreiben Briefe und führen Gespräche mit dem Verwaltungsrat. Wenn wir jedoch keine Veränderung zum Besseren, sondern stattdessen ein großes Risiko sehen, sind wir gezwungen zu verkaufen.

Welche Rolle spielt ESG für die Kunden?

Lecamp: Es kommen zusehends mehr Fragen. Wir haben stets sehr transparent dargestellt, wie ESG in unseren Anlageprozess und unsere Philosophie einfließt, so dass die Kunden die Water-Strategie gut verstehen. Aber wir erhalten vermehrt Anfragen zu den Arten von Engagements, die wir durchgeführt haben, sei es das E, S oder G, sei es im Zusammenhang mit Kontroversen, Unternehmensstrategien oder den SDG-Zielen. Wir freuen uns über die Aufmerksamkeit, die uns als aktivem, engagierten Investor zukommt: Insgesamt besteht bei den Kunden ein größeres Interesse an den fundamentalen Einflüssen, die wir als Investoren haben können.

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