Familienfoto auf dem Treffen des Internationalen Währungsfonds im Frühjahr 2015: (Obere Reihe von links nach rechts:) EZB-Präsident Mario Draghi, Britischer Finanzminister Georce Osborne, US-Finanzminister Jacob Lew, (untere Reihe von links nach rechts:) Vorsitzende der US-Notenbank Janet Yellen, Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble. Ob die Oberhäupter der Industrienationen in Shanghai eine Lösung für die stagnierende Weltwirtschaft finden? Foto: Getty Images

Familienfoto auf dem Treffen des Internationalen Währungsfonds im Frühjahr 2015: (Obere Reihe von links nach rechts:) EZB-Präsident Mario Draghi, Britischer Finanzminister Georce Osborne, US-Finanzminister Jacob Lew, (untere Reihe von links nach rechts:) Vorsitzende der US-Notenbank Janet Yellen, Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble. Ob die Oberhäupter der Industrienationen in Shanghai eine Lösung für die stagnierende Weltwirtschaft finden? Foto: Getty Images

Selbst „Schocker" helfen nicht

So wirkungslos sind die Zentralbanken

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Die Zentralbanken scheinen sich weltweit damit abfinden zu müssen, dass ihre lockere Geldpolitik mit der Zeit immer weniger Wirkung zeigt. Noch vor sieben Jahren waren die Währungshüter erstmals mit ihrer quantitativen Lockerung angetreten, um die Welt vor einer Wirtschaftskrise zu retten.

Die neue Realität wurde in den vergangenen Tagen an den weltweiten Finanzmärkten ersichtlich: In den USA sackte der Standard & Poor’s 500 Index am Dienstag auf ein 22-Monats-Tief ab, Japans Leitindex taumelte auf den niedrigsten Stand seit 2014 und die Rendite der zehnjährigen Bonds des Landes rutschte erstmals auf negatives Niveau. Europa verzeichnete ebenfalls eine markante Talfahrt, die Erinnerungen an die Schuldenkrise aufleben ließ. Dabei schnellten die Renditen von Bonds aus der Euro-Peripherie wie Portugal hoch, während Aktien griechischer Banken einbrachen.

Und das alles, obwohl die Europäische Zentralbank signalisiert hat, dass sie ihre Konjunkturmaßnahmen im nächsten Monat ausbauen könnte, Japans Notenbank überraschend bereits negative Zinsen eingeführt hat und in den USA spekuliert wird, dass die Federal Reserve die Leitzinsen langsamer anheben dürfte. Wie wirkungslos die Maßnahmen sind, zeigt sich daran, dass Yen und Euro trotz der lockeren Geldpolitik zugelegt haben.

„Die Märkte fragen sich, was die jüngsten Maßnahmen bringen sollen, nachdem wir jetzt sechs bis sieben Jahre lang unkonventionelle Experimente gesehen haben, die es nicht vermochten, das weltweite Wachstum tragfähig anzukurbeln", sagt Shane Oliver, Leiter Investmentstrategie bei AMP Capital Investors in Sydney. „Es ist sinnvoll, diese Frage zu stellen angesichts der Entwicklungen der vergangenen paar Wochen."

Diese Machtlosigkeit stärkt die Argumente der Gegner jener Zentralbankpolitik, die darauf setzt, „alles Erforderliche zu tun", um die Inflationserwartungen anzukurbeln, den Risikoappetit anzuregen und letztendlich das Wirtschaftswachstum zu fördern.

„Es steht absolut außer Frage, dass die Maßnahmen der Zentralbanken zu Beginn völlig angemessen waren, um die Märkte wieder zum Arbeiten zu bringen", sagt William White, ein Berater der OECD am Dienstag im Interview mit Bloomberg TV. „In jüngster Zeit hat sich das Ziel dieser Politik völlig verändert. Sie versucht, die Nachfrage anzukurbeln. Und das ist meiner Meinung nach ehrlich gesagt für sie nicht nachhaltig möglich."

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