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Beratungsgespräch Foto: IMAGO / Shotshop
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Offenlegungsverordnung tritt in Kraft

SFDR hat gewaltige Auswirkungen auf die deutsche Vertriebslandschaft

Die Vorgaben in der Verordnung über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor (Offenlegungsverordnung, SFDR) der Europäischen Union sind breit angelegt und wirken sich nicht nur auf Vermögensverwalter, sondern auch auf andere Finanzmarktteilnehmer aus, einschließlich etwa Versicherungen, Rententräger sowie qualifizierte Verwalter von Wagniskapital und sozialem Unternehmertum.

„Wir wollen bei den ESG-Prinzipien eine Führungsrolle übernehmen und wir wollen dabei Integrität unter Beweis stellen.“ – Stefan Bauer, Geschäftsführer von Franklin Templeton in Deutschland

Die Verordnung steht für mehr Transparenz und Authentizität für unsere Kunden, da sie Beispiele des so genannten „Greenwashing“ oder auch Produkte, bei denen Nachhaltigkeit nicht wirklich in die Prozesse eingebettet ist, aussortiert.

Unserer Überzeugung nach stellt die Umsetzung der Offenlegungsverordnung einen Umbruch dar und wird maßgebliche Auswirkungen auf die gesamte Finanzdienstleistungsbranche haben. Durch den Aktionsplan der EU werden wir Vermögensverwalter eine engere Verbindung mit unseren Kunden eingehen, da wir uns gemeinsam zu einer nachhaltigen Kapitalanlage und -allokation verpflichten, um bessere Ergebnisse für alle zu erzielen.

Was bedeutet das genau?

In den vergangenen Jahren hat die Anlegernachfrage nach Produkten, die die Bereiche Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG) berücksichtigen, ziemlich rasch angezogen und es gibt keine Anzeichen für eine Verlangsamung. Die Anleger wünschen zunehmend Produkte, die ihre Werte und Überzeugungen besser widerspiegeln und damit positive Auswirkungen auf unsere Welt haben, gleichzeitig aber nachhaltige Renditen erzielen.

Quelle: Franklin Templeton. 1 Aktionsplan der Europäischen Kommission: Finanzierung nachhaltigen Wachstums

Die beträchtliche Zunahme der Anlegernachfrage und die darauffolgende Reaktion der Vermögensverwalter führten zu einer unübersichtlichen Menge entsprechender Angebote, wodurch es für Anleger schwieriger wird, die ESG-Referenzen von Fonds und die Vermögensverwalter, die diese Produkte erstellen, zu bewerten.

Was bedeutet das für die europäische Vertriebslandschaft?

Flexible Ansätze zur Einbeziehung von ESG-Prinzipien sind vom Tisch. Die Analyse von Nachhaltigkeitsrisiken als Teil der Risikomanagementrichtlinien insgesamt ist wesentlich für den Aufbau von Portfolios, die langfristige nachhaltige Renditen erzielen. Eine Berichterstattung ist für alle drei Artikelkategorien erforderlich. Laut einer Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC) werden 77 Prozent der institutionellen Anleger in den kommenden 24 Monaten den Kauf von nicht mit den ESG-Prinzipien vereinbaren Produkten einstellen, und bis 2025 werden 7,6 Milliarden Euro in ESG-Produkten angelegt sein. Das ist ein Anstieg von heute 15 Prozent auf 57 Prozent des Marktanteils europäischer Vermögenswerte, wie PwC beschreibt.

Unserer Einschätzung nach hängt die Geschwindigkeit dieses Wandels von mehreren Faktoren ab, einschließlich öffentlichen und politischen Drucks und weiterer Regulierung, aber die Marschrichtung ist klar. Das bedeutet, dass die Branche nicht einfach nur in ihren Materialien hervorheben kann, dass ein Produkt nachhaltig ist, sondern dass sie aufzeigen muss, dass dieser Aspekt von vornherein berücksichtigt wurde.

Die Anbieter müssen Informationen auf Ebene des Unternehmens, also ihre eigene Nachhaltigkeitspolitik, offenlegen; zusätzlich müssen sie aber auch Informationen auf Ebene des Produkts, also zu ihren Finanzprodukten, offenlegen. In beiden Fällen muss die Erwägung wesentlicher nachteiliger Auswirkungen von Anlageentscheidungen auf die Nachhaltigkeitsfaktoren offengelegt werden.

Neben dem regulatorischen Vorstoß trägt auch die Pandemie dazu bei, die Welt in Richtung eines nachhaltigen Anlegens zu katapultieren und diesen Prozess zu beschleunigen. Sowohl das Interesse institutioneller Anleger als auch das von Privatanlegern für die ESG-Prinzipien steigt schnell und hat sich erheblich beschleunigt. Es wird erwartet, dass der Wettbewerb um Anlegerkapital deutlich Fahrt aufnehmen wird. Daher können es sich Vermögensverwalter nicht leisten, Kundenwünsche nach mehr Transparenz im Hinblick darauf, wie ESG-Faktoren berücksichtigt werden, zu ignorieren.

Wir von Franklin Templeton erfüllen die meisten dieser Vorgaben bereits seit vielen Jahren und setzen dabei den Schwerpunkt auf Transparenz und Authentizität. Wir sind überzeugt davon, dass sich die europäische Vertriebslandschaft mit der Zeit eindeutig hin zu nachhaltigkeitsorientieren Produkten verschieben wird, die dann den Standard bilden werden. Wir wollen bei den ESG-Prinzipien eine Führungsrolle einnehmen und wir wollen dabei Integrität unter Beweis stellen. Wir möchten die neue Verordnung nicht einfach nur befolgen — wir verpflichten unsere Investment-Teams dazu, noch mehr zu tun, da wir von der Sache überzeugt sind und wir uns dem voll und ganz verschrieben haben.

Dies wird auch durch die Ergänzungen der Finanzmarktrichtlinie MiFID II verstärkt, die aktuell noch in der Entwurfsphase ist, in der aber steht, dass Kunden, die angeben, Nachhaltigkeit zu bevorzugen, Produkte im Zusammenhang mit „nachhaltiger Anlage“ angeboten werden sollten, also Produkte nach Artikel 8 oder Artikel 9.

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