Shannon Ward über den US High Yield Fund „Für uns sind Titel mit CCC-Rating vielversprechend“

Blick auf die Skyline von New York: Der Hochzinsfonds von Capital Group ist in US-amerikanische Unternehmen investiert. | © Getty Images

Blick auf die Skyline von New York: Der Hochzinsfonds von Capital Group ist in US-amerikanische Unternehmen investiert. Foto: Getty Images

Shannon Ward, Fondsmanagerin bei Capital Group

Frau Ward, haben Sie die Marktvolatilität Ende 2018 für Ihren Hochzinsfonds mit der ISIN LU1671579123 ausgenutzt?

Shannon Ward: Durch den Ausverkauf Ende 2018 konnten wir auf Schnäppchenjagd gehen. Leider war diese Phase nur recht kurz und die Umsätze sehr niedrig. Daher konnten wir nicht genügend Wertpapiere einsammeln, um die Portfoliopositionierung des Fonds entscheidend zu ändern.

Bei der Kreditqualität erschienen uns Titel mit B- und CCC-Rating als vielversprechend. Das gilt übrigens auch für dieses Jahr. Dabei stammen CCC-Anleihen meist von guten Unternehmen, die jedoch aufgrund einer fremdfinanzierten Übernahme zu hoch verschuldet sind oder deren Rating aus unserer Sicht viel zu niedrig ist. Hier sehen unsere Analysten Chancen auf Kursgewinne, sobald das Rating angehoben wird.

Wie sind Ihre Portfolios derzeit positioniert?

Unsere Portfolios mit Hochzinsanleihen sind gut diversifiziert, mit durchschnittlichen Positionsgrößen zwischen 25 und 50 Basispunkten. Die Titel, von denen wir am stärksten überzeugt sind, haben Portfolioanteile von etwa 2 Prozent. Üblicherweise machen unsere 20 größten Emittenten fast 30 Prozent des gesamten Portfolios aus.

Wie würden Sie Ihren Managementstil beschreiben?

Ward: Entscheidend für unseren Ansatz sind ein langfristiger Anlagehorizont und ein risikokontrollierter Investitionsstil. Dabei legen wir großen Wert auf den Schutz vor Verlusten. Das hat sich in den vergangenen Jahren ausgezahlt. Gut war dieses Konzept auch in den zurückliegenden Monaten, als wir den Fonds erfolgreich durch die Marktvolatilität gesteuert haben.

Wie arbeiten Sie mit dem Aktienteam zusammen?

Ward: Unsere Teams für Anleihen und Aktien arbeiten eng zusammen. Wir halten das übrigens für einen wesentlichen Vorteil, insbesondere bei Hochzinsanleihen, die durchaus Gemeinsamkeiten mit Aktien haben. Unsere Aktienexperten können uns so wichtige Erkenntnisse liefern. Wenn beispielsweise die Aktionäre ein Unternehmen drängen, Schulden zurückzuzahlen, kann dies Hochzins-Investoren eine gute Anlagemöglichkeit signalisieren. Zwei Beispiele hierfür sind das israelische Pharmaunternehmen Teva und der kanadische Arzneimittelhersteller Valeant Pharmaceuticals, jetzt bekannt unter dem Namen Bausch Health Companies.

Wie wichtig ist Research für Ihren Investment-Prozess?

Ward: Fundamentalanalysen sind Kern unseres Vorgehens. Immerhin haben wir unser internationales Research in über 85 Jahren sukzessive ausgebaut. Warum? Weil wir glauben, dass wir Dank des Umfangs und der Reichweite unserer Analysen bessere Ergebnisse für unsere Kunden erzielen können. Dafür investieren unsere Analysten aktiv in die Unternehmen, die sie analysieren.

Unterscheidet Sie das auch von Ihren Wettbewerbern?

Ward: Viele Analysten sind schon seit Jahrzehnten bei uns und haben demensprechend viel Erfahrung. Sie beurteilen die Qualität der Geschäftsleitungen, analysieren die Finanzkraft, die Ressourcen, Produkte und Dienstleistungen und nicht zuletzt das Wettbewerbsumfeld. Von unseren Wettbewerbern unterscheidet uns aber noch etwas anderes: Bei Fonds mit einem Research-Portfolio können unsere Analysten ihre Sichtweisen auch dadurch einbringen, dass sie einen Teil des Fonds selbst managen. Und auch wenn unsere Investment-Experten ihre Einschätzungen mit ihren Kollegen teilen, können sie doch stets ihre persönlichen Überzeugungen einbringen. So können unsere Portfoliomanager von der Gruppe profitieren und zugleich die Fallstricke verwässerter Konsensentscheidungen meiden.