Susanne Woda

Susanne Woda

Short-Strategien für Privatanleger: Auf den Absturz wetten

//
Um ein Aktiendepot vor unliebsamen Überraschungen zu schützen, sollten Anleger Short- Strategien nutzen, mit denen sie von fallenden Aktienkursen profitieren. Eine taktische Finesse: Anleger gleichen bei fallenden Aktienkursen nicht nur Aktienverluste durch Kursgewinne aus, sondern erhalten zusätzlich auch mehr Investitionskapital, um auf niedrigem Niveau wieder mehr Aktien zurückzukaufen. Allerdings sollten Privatanleger mit den vorhandenen Möglichkeiten vertraut sein, um auf fallende Kurse setzen zu können. Dabei geht es nicht um Zockerei, sondern um Depotabsicherung: Die ist für jeden Aktienanleger essentiell – heutzutage mehr denn je.

Auf der Suche nach Anlagen mit einem Krisenschutzmechanismus haben viele Anleger die Aktie wiederentdeckt. Üppige Dividendenrenditen, deutlich über den aktuellen Anleiherenditen und die Investition in sachwertorientiertes Produktivkapital der Wirtschaft machen die Anlageklasse in der aktuellen Kapitalmarktsituation attraktiv. Weniger beliebt sind allerdings die Kursschwankungen der börsennotierten Papiere, welche stark verhaltensorientiert geprägt sind und nicht immer den realen Marktwert widerspiegeln.

Die einfachste Möglichkeit von fallenden Kursen zu profitieren sind so genannte Short-ETFs auf Indizes, die an der Börse wie eine Aktie erworben werden können. Durch die regelmäßige Kursstellung durch den Market-Maker sind kurzfristige Positionierungen möglich und es können auch Limits gesetzt werden. So können fallende Notierungen, beispielsweise im DAX, in Kursgewinne umgemünzt werden. Bei Langfristpositionierungen ist die tägliche Berechnungslogik der meisten Short-ETFs zu beachten, die zu signifikanten Abweichungen von der Indexentwicklung führen kann.

Mit Reverse-Bonus-Zertifikaten können Anleger sich ebenfalls gegen fallende Kurse absichern. Der Vorteil liegt im Wesentlichen darin, dass auch bei leicht steigenden Kursen ein Gewinn erzielbar ist.

Wird die Kursschwelle oberhalb des aktuellen Indexstands nicht berührt, zahlt der Emittent zum Laufzeitende den Bonusbetrag oder sogar mehr.

Wird die Schwelle bei stark steigenden Kursen gerissen, kann der Verlust für den unerfahrenen Anleger oftmals überraschend hoch ausfallen. Der Verlust ist vom so genannten Reverse-Level abhängig, der vom Indexstand abgezogen wird.

In den gängigen Internetportalen wird dieses wichtige Ausstattungsmerkmal leider nur unzureichend ausgewiesen. Anleger sollten sich bei der Investitionsentscheidung insbesondere mit dem Auf- und Abgeld und der Wertentwicklung während der Laufzeit beschäftigen, sonst können böse Überraschungen drohen.

Wer sich trotzdem für dieses Anlageinstrument entscheidet, sollte Neuemissionen meiden. Begünstigt durch die mangelnde Transparenz, erhöhen versteckte Kosten den Gewinn der Bank und schmälern folglich die Rendite des Anlegers.

Darüber hinaus können versierte Privatanleger auch Optionsscheine oder Hebelzertifikate einsetzen. Hierfür sollten sie sich entsprechende Erfahrungen und Kenntnisse angeeignet haben, da ein Totalverlustrisiko besteht und vielschichtige Parameter zu beachten sind.

Als Anhaltspunkt für den Zeitpunkt der Absicherung kann beispielsweise die 200-Tage-Linie herangezogen werden. Schneidet der Index diese Linie von oben nach unten, stellt das ein Verkaufssignal für die bestehende Position dar und umgekehrt. In den letzten Jahrzehnten war dieser Indikator ein zuverlässiges Instrument zur Identifizierung von Ein- und Ausstiegszeitpunkten.

Wer allerdings mit dem Kollaps des Bankensystems rechnet, für den sind die vorgestellten Papiere nicht geeignet, denn es besteht bei allen ein Ausfallrisiko. Die Rückzahlung von Zertifikaten und Optionsscheinen ist von der Zahlungsfähigkeit der emittierenden Bank abhängig, bei Short-ETFs besteht ein Kontrahentenrisiko.

Mehr zum Thema
Behavorial Finance: Kennen Sie Ihr wahres Risikoempfinden? Vermögensverwalter: Fremdwährungen gehören in jedes Depot Long-Short-Strategien: Wo Fehlerquellen lauern