Präzise Rechnung ist ein Muss
Vom Unternehmen verlangt das ein präzises Risikomanagement. „Die Sicherstellung der Garantie ist sehr komplex“, bestätigt Jochen Ruß, Geschäftsführer des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften (ifa) in Ulm. „Der Versicherer muss heute über knifflige Rechnungen bestimmen, welche Papiere er morgen kaufen wird, um die Garantie passgenau gewährleisten zu können.“ Geht das schief, ist der Versicherer dran: „Dann muss er den Fehlbetrag aus seinem Eigenkapital leisten“, so Ruß. Gerade für kleinere Gesellschaften dürfte das sehr schnell ziemlich bedrohlich werden. „Kunden sollten Variable Annuities nur von finanzstarken Versicherern kaufen“, rät Ruß deshalb. Eine weitere mögliche Quelle für Fehlkalkulationen ist gleichzeitig ein oft betonter Vorteil der Variable Annuities gegenüber anderen Garantieprodukten. Ein Versicherer hat in der Regel eine größere Erfahrung, was das Verhalten von Versicherungskunden angeht, als Kapitalanlagegesellschaften oder Banken. Deshalb kann er bestimmte Wahrscheinlichkeiten darüber in seine Kalkulation mit einbeziehen, was sich günstig auf die Garantiekosten auswirkt – bei einer Fehleinschätzung aber auch die Kalkulation über den Haufen werfen kann. Auf diesen Vorteil setzt beispielsweise auch Axa. In Deutschland bietet die irische Tochter Axa Life Europe mit der Rentenpolice Twin Star Invest ein Variable-Annuity- Produkt der Kategorie Guaranteed Minimum Income Benefits (GMIB) an. Hier greift die Garantie erst in der Verrentungsphase. Axa sichert den Kunden dabei eine garantierte Verzinsung der Beiträge von 3 Prozent zu – ein Satz, der deutlich über den branchenüblichen 2,25 Prozent liegt. Diese Garantieverzinsung gibt es aber nur, wenn die Rente nicht vor einem vorher vereinbarten Termin abgerufen wird. Garantieaufwand ist für Versicherer oft geringer
Die Gesellschaft weiß, dass von 100.000 Kunden, die diese Police kaufen, 40.000 den Vertrag vorher stornieren und weitere 10.000 vor Vertragsende sterben. Sie müsste in diesem vereinfachten Beispiel also nur Sicherungspapiere für 50.000 Kunden kaufen. „Dadurch halbiert sich der Aufwand“, sagt Ifa-Chef Ruß. Die Folge: Die Garantie wird für den Kunden günstiger.

Die Axa-Gruppe war 2006 der erste Versicherer in Deutschland, der sich auf das Feld der Variable Annuities vorwagte. Weitere Anbieter wie die Ergo-Tochter Vorsorge, Swiss Life und Allinaz sind inzwischen gefolgt. Die Produkte werden nur über ausländische Tochtergesellschaften angeboten. Denn das deutsche Versicherungsrecht schreibt vor, dass Versicherer Rückstellungen für Garantien bilden müssen. Den Wert ihrer Hedging-Portfolios müssten deutsche Versicherer also noch einmal als Eigenkapital vorhalten. Das aber wäre zu teuer, um noch wettbewerbsfähig kalkulieren zu können.