Das KaDeWe in Berlin, das Chrysler Building in New York City, der (bislang unvollendete) Elbtower in Hamburg: René Benko zog es mit seiner mittlerweile zahlungsunfähigen Signa Holding stets an die schillerndsten Adressen der Welt. Die Prachtbauten brachten nicht nur Glamour, sondern auch die Aussicht auf auskömmliche Renditen. Und denen erlagen nicht nur mehrere Banken, etwa Julius Bär und Unicredit, sondern auch eine Handvoll namhafte Versicherer. Das berichtet die „Financial Times“, die laut eigener Aussage Einblicke in nicht-öffentliche Dokumente hat.

Schuldenberg derzeit nicht zu überblicken

Deutsche Versicherer, darunter die Münchener Rück und die Allianz, häuften dem Medienbericht zufolge ein Engagement von mehr als 3 Milliarden Euro in dem angeschlagenen Imperium des Immobilienmilliardärs René Benko an.

Personen, die mit den Vorgängen des ins Straucheln geratenen Immobilienimperiums vertraut sind, berichten der „Financial Times“, dass rund ein Drittel dieses Engagements nicht durch Sicherheiten gedeckt war. „Für einige Versicherer wird das äußerst schmerzhaft sein“, so eine der Personen, die anonym bleiben möchte.

Wie hoch der Schuldenberg des weit verzweigten Signa-Konglomerats ist, ist derzeit nicht bekannt. Es wird jedoch erwartet, dass in den kommenden Tagen weitere Unternehmen der Gruppe Insolvenz anmelden.

 

Dass indes neben Banken auch Versicherer in die Signa-Pleite involviert sind, überrascht nicht. „Stark regulierte Banken waren aufgrund ihrer Kapitalanforderungen nicht in der Lage oder nicht gewillt, bestimmte Arten von Geschäften zu tätigen, während Versicherungsgruppen in der Ära der extrem niedrigen Zinssätze in Bargeld ertranken“, erklärte eine Person. 

Diese deutschen Versicherer sind angeblich bei Signa involviert

So soll etwa die Dortmunder Signal Iduna der Signa Holding üppige Kredite gewährt haben. Die „Financial Times“ spricht von fast einer Milliarde Euro. Die Signal Iduna nimmt dazu keine Stellung, erklärt jedoch, „keine wesentlichen Kreditverluste“ zu erwarten, da die Kredite „größtenteils“ durch Sicherheiten in Form von Immobilien in erstklassigen deutschen Stadtlagen unterlegt seien.

Ergo, die Hauptversicherungssparte der Münchener Rück, gewährte dem Bericht zufolge Darlehen von rund 700 Millionen Euro. R+V verlieh 500 Millionen Euro, die Allianz soll 300 Millionen Euro für den Kauf eines Hochhauses in der Berliner Innenstadt im Jahr 2018 bereitgestellt haben. Der Volkswohl-Bund soll ein Engagement mit 250 Millionen Euro eingegangen sein. Was alle Versicherer gemeinsam haben: Keiner will zu den veröffentlichten Informationen der „Financial Times“ Stellung nehmen. Signa lehnt ebenfalls eine Reaktion ab.

Signa entlässt Immobilien-Chef 

Erst am Dienstag hat die Immobiliengesellschaft Signa die sofortige Trennung von Timo Herzberg, dem Vorstandsvorsitzenden der beiden wichtigsten Immobilienbeteiligungen, bekanntgegeben. In der Mitteilung des Aufsichtsrats hieß es: „Die Gründe für die Entlassungen sind ein dringender Verdacht auf grobe Verletzungen der Pflichten als Vorstandsmitglied.“ 

Alfred Gusenbauer, Aufsichtsratsvorsitzender der Gesellschaften, erklärte, dass die eindeutige Verdachtslage den Aufsichtsräten „keine andere Wahl“ ließ. Gerade in herausfordernden Zeiten sei es unerlässlich, vollstes Vertrauen in die Verantwortlichen zu haben und bei Entscheidungen geschlossen vorzugehen.

Die Entlassung folgte auf einen Fragenkatalog der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ an den Aufsichtsrat der Immobiliengesellschaft, der sich auf möglicherweise fragwürdige Geschäfte Herzbergs konzentrierte.