Goldpreis auf neuem Höchststand

Unser Konsens-Szenario für Gold basiert auf den durchschnittlichen Einschätzungen der Bloomberg 
Survey of Professional Economists zu Inflation, US-Dollar und Renditeprognosen für Staatsanleihen. Der Konsens geht davon aus, dass die Inflation weiter zurückgeht (obwohl sie über der 
Zielvorgabe der Zentralbanken bleibt), der US-Dollar an Wert verliert und die Anleiherenditen weiter 
sinken. Das Konsens-Szenario geht davon aus, dass die Fed die Zinsen ab dem zweiten Quartal 2024 wieder senkt und sie zum Jahresende um einen ganzen Prozentpunkt niedriger als heute liegen.

Im Konsens-Szenario erreicht Gold bis zum vierten Quartal 2024 einen Wert von 2.210 US-Dollar je 
Unze. Damit würde es das bisherige nominale Allzeithoch (2.078 US-Dollar pro Unze am 28. Dezember 2023) durchbrechen. Damit würde der Goldpreis um etwa 7 Prozent gegenüber Ende Dezember 2023 ansteigen.

Industrielle Nachfrage

Die weltweiten Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe haben sich in den vergangenen
Monaten erholt (Abbildung 8). Unserer Meinung nach wird sich die Erholung fortsetzen, unterstützt 
durch Zinssenkungen in den Entwicklungsländern. China, das im vergangenen Jahr die weltweiten 
Einkaufsmanagerindizes stark belastet hat, könnte nach der jüngsten Talfahrt ein neues Konjunkturpaket auflegen. Die chinesische Zentralbank wartet anscheinend darauf, dass die 
Zentralbanken der G7-Staaten die Zinsen senken, bevor sie nachzieht. Offenbar kursiert unter 
chinesischen Beamten und in den Staatsmedien ein neues Modewort: „Xin san yang“ (die „neuen Drei“): Solarzellen, Lithium-Ionen-Batterien und Elektrofahrzeuge. China ist bestrebt, den Export dieser Produkte zu fördern, um von seinem relativen Vorteil bei deren Herstellung zu profitieren. Bei all diesen Technologien kommt Silber zum Einsatz, wobei die Fotovoltaik eine der wichtigsten Triebfedern für das Wachstum der Silbernachfrage ist.

Bergbauinvestitionen

Die Investitionen im Metallbergbau (CapEx) sind in den vergangenen Jahren gestiegen (Abbildung 9). Obwohl das Silberangebot im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr um 3,0 Prozent auf 808 Millionen Unzen zurückging, wird der Druck steigender Investitionen das Angebot wahrscheinlich nach oben treiben. Bei Silber, das größtenteils als Nebenprodukt bei der Gewinnung anderer Metalle anfällt, könnte das Angebot zu gegebener Zeit aufgrund des höheren Volumens der allgemeinen Bergbautätigkeit zunehmen. Metals Focus erwartet für 2025 einen Anstieg der weltweiten Minenproduktion auf 867 Millionen Unzen. Die größten Produktionszuwächse in den nächsten fünf Jahren werden Schätzungen zufolge aus Kanada, den USA, Indien und Guatemala kommen. Sie dürften zusammen 44 Millionen Unzen Silber hinzufügen.

Im Laufe der Jahre korrelierten die Investitionen im Bergbau mit den Preisen für Industriemetalle. 
Die jüngsten Preisrückgänge bei Industriemetallen könnten die Investitionstätigkeit bremsen. Unser 
Silbermodell berücksichtigt Investitionen allerdings mit einer Zeitverzögerung von 18 Monaten, sodass der Anstieg der Investitionen vor einem Jahr die Preisprognose beeinflusst.

Abbildung 9: Bergbauinvestitionen und Preise für Industriemetalle

Abbildung 9: Bergbauinvestitionen und Preise für Industriemetalle
Quelle: Wisdomtree, Bloomberg, Februar 1996 bis Februar 2024.

Silberbestände

In unserem Modell dienen die Silberbestände an den Terminbörsen als Näherungswert für die 
Silberbestände insgesamt. Das ist keine perfekte Messgröße, da die Bestände an anderer Stelle, die 
nicht sichtbar ist, steigen oder fallen können. Wir erwarten, dass die Bestände an den Terminbörsen 
nach einem Rückgang zwischen 2021 und dem ersten Halbjahr 2023 weitgehend stagnieren werden 
(Abbildung 10). Die Rückgänge erreichten im zweiten Halbjahr 2023 ein Plateau. Wir gehen davon 
aus, dass dies den Trend für 2024 vorgeben wird.

Abbildung 10: Silberbestände an den Terminbörsen

Abbildung 10: Silberbestände an den Terminbörse
Quelle: Bloomberg, Wisdomtree, Januar 1996 bis Januar 2024.

Schlussfolgerung

Nachdem Silber im vergangenen Jahr Gold hinterherhinkte, könnte es im laufenden Jahr besser abschneiden. Die industrielle Nachfrage nach Silber war hervorragend und widersetzte sich dem allgemeinen Trend bei Industriemetallen im Jahr 2023. Der Silberpreis konnte jedoch nicht von der hohen Nachfrage und dem knappen Angebot profitieren. Da die Korrelation zwischen den Preisen für Silber und Industriemetallen im Jahr 2024 schwächer wird, dürfte das Metall einen Teil des Ballasts abschütteln, der ihm zu schaffen gemacht hat. 

Nitesh-Shah

Über den Autor:

Nitesh Shah ist Leiter Rohstoff- und Makro-Research beim ETF- und ETP-Anbieter Wisdomtree mit Sitz in London.