Silber hat erstmals in seiner Geschichte die 60-Dollar-Marke durchbrochen. Auf Jahressicht übertrifft das weiße Edelmetall mit 109 Prozent Performance deutlich Gold, das im selben Zeitraum 60 Prozent zulegte.

Angebot trifft auf steigende Nachfrage

Hinter der Rally steht ein strukturelles Problem. Der Silbermarkt steuert 2025 auf das fünfte Jahr in Folge zu, in dem die Nachfrage das Angebot übersteigt. Metals Focus, ein auf Edelmetalle spezialisiertes Researchunternehmen, prognostiziert ein Defizit von rund 95 Millionen Unzen. Das Angebot wächst kaum, da rund 70 Prozent des Silbers als Nebenprodukt bei der Förderung anderer Metalle anfällt. Die Minenproduktion stagniert seit Jahren.

Gleichzeitig steigt die Nachfrage auf mehreren Ebenen. Silber-ETFs verzeichnen starke Zuflüsse und erreichten die höchsten Bestände seit 2022. Die industrielle Nachfrage wächst ebenfalls weiter. Der Photovoltaik-Sektor verzeichnet seit 2016 ein Plus von 142 Prozent. Die Nachfrage aus Elektronik liegt 43 Prozent über dem Niveau von 2020.

China verschärft die Knappheit

Ab Januar 2026 greift China massiv in den Markt ein. Das Land vergibt dann nur noch Exportlizenzen an große Unternehmen mit mindestens 80 Tonnen Jahresproduktion. China deckt 15 Prozent der globalen Förderung ab und verbraucht über 50 Prozent der industriellen Nachfrage selbst. Im Oktober exportierte China noch über 660 Tonnen, dieses Volumen fällt ab Januar weg.

Die Lagerbestände schrumpfen bereits dramatisch. In Shanghai fielen sie im November auf unter 500 Tonnen, den niedrigsten Stand seit zehn Jahren. Auch in London, dem wichtigsten westlichen Handelsplatz, sanken die Bestände auf ein Sechsjahrestief.

Warum Silber Gold schlägt

Der Hauptunterschied zwischen beiden Metallen liegt in der Verwendung. Gold dient primär als Wertaufbewahrung und Schmuck. Silber vereint beides: Es ist Investmentmetall und industrieller Rohstoff zugleich.

Diese industrielle Komponente macht den Unterschied. Mehr als die Hälfte der Silbernachfrage kommt aus der Industrie, bei Gold sind es weniger als 10 Prozent. Silber profitiert damit direkt von Megatrends wie Solarenergie, Elektromobilität und 5G-Ausbau. Der Photovoltaik-Sektor allein steigerte seine Nachfrage seit 2016 um 142 Prozent. Gold hat keinen vergleichbaren Wachstumstreiber.

Hinzu kommt die geopolitische Dimension. Die USA haben Silber im November als kritisches Mineral eingestuft. Die chinesischen Exportbeschränkungen machen Silber faktisch zum strategischen Rohstoff. Gold genießt diesen Status nicht in gleichem Maße.

Goldman Sachs weist zwar auf höhere Schwankungen bei Silber hin. Die strukturelle Knappheit bei gleichzeitig steigender Nachfrage aus der Energiewende spricht jedoch für anhaltende Stärke. Die zentrale Frage für 2026 lautet: Wie ersetzen westliche Märkte das wegfallende chinesische Angebot? Die Antwort wird bestimmen, ob Silber seine Outperformance fortsetzt.