Warum Silber und Platin zur Gold-Alternative taugen
Alternative zu GoldSilber-SqueezeundPlatin-Rally:DieunterschätztenEdelmetall-Chancen
Angebotsdefizit bei Silber, Elf-Jahres-Hoch bei Platin: Eine aktuell Analyse zeigt, warum die beiden Edelmetalle für Anleger zur attraktiven Gold-Alternative werden dürften.
Platinabbau in Südafrika: 70 Prozent des weltweit produzierten Platins kommt aus dem Land am Horn von Afrika.| Bildquelle: Imago Images / Wirestock
Gold hat in den vergangenen Monaten einmal mehr als sicherer Hafen geglänzt und dabei neue Rekordmarken erreicht. Die auf Bergbauaktien spezialisierte Fondsgesellschaft Baker Steel Capital Managers richtet den Blick bereits auf die nächsten Kandidaten: Im Windschatten von Gold werden auch Silber und Platin aus Sicht der Experten zunehmend interessante Investments. Das Besondere an den beiden Edelmetallen: Sie werden in großem Umfang auch in der Industrie benötigt.
Silber: Versteckter Held der Technologie-Revolution
Silber vereint laut Baker Steel eine einzigartige Doppelrolle – als Edel- und gleichzeitig Industriemetall. Diese Kombination mache es besonders interessant für Anleger, die von strukturellen Wachstumstrends profitieren wollen. „Rund 58 Prozent der gesamten Silbernachfrage entfallen auf industrielle Anwendungen“, heißt es in einer aktuellen Analyse der Fondsgesellschaft.
Die Zahlen der Analyse zeigen: Seit 2016 ist die Silbernachfrage zum Beispiel in der Solarbranche um 139 Prozent angestiegen, in der Elektronikbranche immerhin um über 50 Prozent. Die Experten prognostizieren: Allein die Photovoltaik-Industrie wird bis 2030 fast 30 Prozent und damit fast ein Drittel des jährlichen Silberangebots beanspruchen – gegenüber rund 23 Prozent im vergangenen Jahr.
Parallel dazu beobachten die Analysten Steel einen Wendepunkt bei der Nachfrage nach Silber-Investments. Nach Monaten, in denen Anleger vergleichsweise wenig Interesse zeigten, verzeichneten börsengehandelte Silberfonds in der ersten Hälfte 2025 Nettozuflüsse von 95 Millionen Euro. „Die Gesamtbestände der börsengehandelten Fonds haben sich in Richtung ihres Höchststandes aus dem Jahr 2021 erholt“, stellen die Baker Steel-Experten fest.
Silber ist aktuell relativ günstig
Ein besonders überzeugendes Argument, in Silber zu investieren, sehen die Analysten im aktuellen Gold-Silber-Verhältnis. Dieses liegt derzeit bei 90: Zum Preis einer Feinunze Gold gäbe es den Gegenwert von 90 Feinunzen Silber. Das ist weit entfernt vom langfristigen Durchschnitt, der bei etwa 60 liegt. Die Experten rechnen vor: Silber, das aktuell zu etwa 39 US-Dollar je Feinunze gehandelt wird, könnte bei einem Goldpreis von rund 3.300 US-Dollar je Feinunze und einer Rückkehr zu gewohnten Bewertungsverhältnissen auf bis zu 55 US-Dollar steigen.
Anhaltendes Angebots-Defizit: Silber-Marktbilanz versus Silberpreis*
Befeuert werde die Situation durch ein anhaltendes strukturelles Angebotsdefizit: 2025 werde das fünfte Jahr in Folge die Silbernachfrage das Angebot übersteigen. Börsen und Handelsplätze wie die Shanghai Futures Exchange, die London Bullion Market Association und der New Yorker Comex hätten seit 2020 ihre Lagerbestände stark abgebaut, so die Analysten.
Das Problem: Nur etwa 30 Prozent des angebotenen Silbers stammt aus primären Silberminen, der Großteil fällt als Nebenprodukt beim Abbau anderer Metalle an. Das mache die Branche weniger flexibel, Anbieter könnten auf höhere Preise nicht so schnell mit höheren Investitionen reagieren, argumentiert Baker Steel.
Generell beobachten die Analysten: „Silber folgt in der Regel der Entwicklung von Gold, allerdings mit höherer Volatilität“. In der Endphase von Edelmetall-Haussen schneide es oft sogar besser ab.
Trendwende bei Platin
Auch Platin habe gute Aussichten auf steigende Kurse – wobei die Analysten zusammen mit dem eigentlichen Edelmetall auch eine Gruppe weiterer sogenannter „Platin-Metalle“ betrachten: Ruthenium, Rhodium, Palladium, Osmium und Iridium haben ähnliche Eigenschaften. Platin selbst erreichte im Juni 2025 ein Elf-Jahres-Hoch, womit die Analysten nach Jahren der Schwäche eine Trendwende gekommen sehen: Die Fundamentaldaten sprächen für eine nachhaltige Erholung.
Benötigt wird Platin vor allem in der Automobilindustrie, von hier kommt ein Drittel der Nachfrage. Platin wird hauptsächlich in Diesel-Katalysatoren verbaut, aber auch in Plug-in-Hybridfahrzeugen.
Einen zusätzlichen Wachstumsimpuls verspricht laut Baker Steel die entstehende Wasserstoffwirtschaft. Zwar hat dieser Sektor 2025 noch weniger als 2 Prozent Anteil an der weltweiten Platinnachfrage, doch prognostiziert Baker Steel, dass er sich bis 2030 verfünffachen könnte: „Die zunehmende Ankündigung von Wasserstoffprojekten in Europa und Asien hat in letzter Zeit die Stimmung der Anleger gestützt“, heißt es in der Analyse.
Auf der anderen Seite hakt es beim Angebot: Rund 70 Prozent der Platinproduktion stammt aus Südafrika – eine Region, die anfällig für Stromengpässe und steigenden Kostendruck ist. Diese Konzentration mache das Angebot verwundbar und stütze die Preise, so die Analysten.
Obwohl sich die Aktien der wichtigsten Platinmetall-Produzenten zuletzt leicht erholten, haben sich viele Kurse seit den Höchstständen der Jahre 2021 und 2022 mehr als halbiert, beobachtet man bei Baker Steel. Auch hier sehen die Analysten somit gute Chancen, dass es weiter aufwärts geht – sollte sich der positive Trend bei den Fundamentaldaten fortsetzen.
Makroökonomisches Umfeld spricht für Edelmetalle
Rückenwind könnte Platin – ebenso wie Silber – auch durch das makroökonomische Umfeld erhalten. Mögliche Zinssenkungen der großen Zentralbanken dürften beiden Metallen zugutekommen, denn niedrige Zinsen haben die Edelmetallpreise traditionell gestützt, erinnern die Analysten.
Zusätzlich machten der anhaltender Inflationsdruck in den USA und steigende Staatsschulden Edelmetalle für viele Anleger attraktiv – als Schutz vor Geldentwertung und um Risiken breit zu streuen. Bei Baker Steel empfiehlt man, sich vor allem über die Aktien von Bergbauunternhemen an Edelmetallen zu beteiligen.
Iris Bülow ist Redakteurin Print und Online bei DAS INVESTMENT und dem private banking magazin. Dort beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit Fonds, Finanzberatung und Regulierung. Vorher war sie mit Schwerpunkt Wirtschaft und Steuern für einen Hamburger Fachverlag tätig gewesen. Redaktionelle Erfahrung hat sie außerdem bei einem wissenschaftlichen Institut für internationale Schulbuchforschung gesammelt. Bülow hat Geschichte, Slavistik und Osteuropawissenschaft (VWL) an der Universität Hamburg studiert.
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