Silberpreis explodiert: Typisches Anzeichen für eine Spekulationsblase

Der Silberpreis befindet sich derzeit in einem steilen Aufwärtstrend. Noch im August 2010 wurde eine Feinunze an der Börse für rund 18 US-Dollar bewertet. Mitte April 2011 stieg der Preis über 43 US-Dollar auf den höchsten Wert der letzten drei Jahrzehnte. Dies entspricht einem Plus von rund 140 Prozent innerhalb von acht Monaten. Unterbrochen wurde die Rallye im Wesentlichen nur von einer kurzfristigen Korrektur im Januar, als der Preis von 31,22 US-Dollar zu Jahresbeginn auf 26,38 im Tief fiel.

Industrienachfrage auf Rekordhoch gestiegen

Rund die Hälfte der jährlichen Silbernachfrage geht auf die Industrie zurück. Da das Edelmetall elektrischen Strom hervorragend leitet, kommt es beispielsweise in Mobiltelefonen, Computern, Flachbildfernsehern, Haushaltsgeräten und Solarzellen zum Einsatz. Im Zuge des weltweiten Wirtschaftswachstums steigt der Bedarf für diese Verwendungszwecke überproportional an. Wir rechneten für 2010 mit einer Zunahme des industriellen Bedarfs in Höhe von 15 Prozent. Am Freitag vorletzter Woche veröffentlichte die Interessenvereinigung Silver Institute Zahlen für das abgelaufene Jahr. Demnach stieg die Industrienachfrage sogar um 20,7 Prozent auf den neuen Rekordwert von 15.160 Tonnen an. Für 2011 erwarten wir nur eine geringe Abkühlung des weltweiten Wirtschaftswachstums um 0,3 Prozentpunkte auf 4,7 Prozent. Entsprechend dürfte die Silbernachfrage des verarbeitenden Gewerbes noch einmal deutlich zulegen.

Angebot ebenfalls gestiegen

Trotz des Preisanstieges legte die Silbernachfrage der Juweliere letztes Jahr leicht zu, während der Bedarf der Fotoindustrie wie erwartet zurückging. Die Minenförderung stieg um 2,5 Prozent auf rund 22.900 Tonnen ebenfalls in erwartetem Umfang. Aufgrund von Produzentenhedging sowie höheren Notenbankverkäufen und Silberrecycling erhöhte sich das Gesamtangebot jedoch um knapp 15 Prozent.

Privatanleger springen auf Silberzug auf

Als „optisch“ günstigere Alternative zu Gold gerät Silber immer mehr in den Fokus von Privatanlegern. Beispielsweise prägte das US-Münzamt im vergangenen Jahr 34 Mio. Exemplare der beliebten 1-Unzen-Münze „Silver Eagle“ im Umfang von 1.078 Tonnen. Dies entspricht einer Zunahme um 20 Prozent gegenüber 2009. Im Januar 2011 wurde mit der Prägung von 6,4 Millionen Münzen ein neuer Monatsrekord aufgestellt. Die Käufe börsengehandelter Silberfonds mit physischer Hinterlegung (ETCs/ETFs) und die steigenden Preise beeinflussten sich ab Sommer 2010 wechselseitig positiv. Seit Anfang 2011 stieg der Gesamtbestand der Fonds per Saldo allerdings nur noch leicht.

Preisexplosion: Gemisch verschiedener Faktoren

Die insgesamt gestiegene Silbernachfrage rechtfertigt durchaus höhere Notierungen. Die beschriebene Preisexplosion lässt sich jedoch nicht allein durch den Nachfragezuwachs im Industrie- und im physischen Anlagesegment erklären, zumal sich die Anleger zuletzt wieder mehr zurückgehalten haben. Wahrscheinlich ist, dass die Hausse der letzten Wochen vor allem auf das Konto von Spekulanten geht. Hierfür sprechen die deutlichen Preissteigerungen und auch die Preissprünge, die sich fundamental schlecht erklären lassen. Im Widerspruch zu dieser Theorie sank die Netto-Long-Position der Non-Commercials von Mitte Februar bis Mitte April um etwa 8.000 Kontrakte auf 33.000 Kontrakte, wobei der Terminhandel grundsätzlich auch over-the-counter abgewickelt werden kann. Eine alternative Erklärung wäre eine hohe Silbernachfrage durch Investmentbanken oder andere große Marktteilnehmer, die gezwungen sind, spekulative OTC-Short-Positionen glattzustellen. Unabhängig von den tatsächlichen Beweggründen ist die mangelnde Größe des
Silbermarktes problematisch. Bei aktuellen Preisen beträgt der Gesamtwert des für 2011 erwarteten Silberangebots weniger als 42 Milliarden US-Dollar. Käufe können so schnell zu heftigen Preisausschlägen führen.

Fazit: Gemessen an der fundamentalen Lage und auch im Vergleich zu Gold oder Kupfer erscheint der Silberpreis derzeit deutlich überteuert und hauptsächlich spekulativ getrieben. Zudem ist der zuletzt beschleunigte Anstieg des Silberpreises ein typisches Anzeichen für eine Spekulationsblase. Die Hausse dürfte deshalb weniger mit einer „weichen Landung“, sondern eher mit einer stärkeren Korrektur enden. Kurzfristig lässt sich gemäß der alten Börsenregel „die Hausse nährt die Hausse“ aber noch kein Ende des Anstiegs prognostizieren. Da fundamentale Lage und Preise früher oder später stets wieder in Einklang kommen, erwarten wir einen Rückgang des Silberpreises.

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