Deutsche Bank in Frankfurt Foto: imago images / Jan Huebner

Vermögensverwalter Guido vom Schemm

Sind Aktien von Banken wieder ein Investment wert?

Guido vom Schemm
Foto: GVS Financial Solutions

In den letzten Monaten haben sich die Kurse von Bankaktien gut entwickelt. Dies ist für die Aktionäre der Banken nach einer ordentlichen Durststrecke endlich einmal eine gute Nachricht. Seit der Finanzkrise im Jahr 2007 kannten die Kurse der europäischen Bankaktien nur eine Richtung – gen Süden.

Verantwortlich für die Kurserholung in den letzten Monaten waren steigende Anleiherenditen, die sich positiv auf die Zinsmargen der Geldhäuser auswirken, und die Tatsache, dass sich die Wirtschaft nach der Corona-Pandemie wohl schneller erholt als gedacht. Ist jetzt also der Kauf von Bankaktien wieder sinnvoll?

Bereits in der Finanzkrise 2007/2008 gerieten Banken weltweit in Schieflage.  Das Eigenkapital nahm nach der Finanzkrise kontinuierlich ab. Alles begann mit der US-Immobilienkrise. Die Finanzkrise veranlasste Staaten dazu, die Existenz großer Banken und Finanzdienstleister durch Rettungspakete zu sichern. Einige Banken wurden verstaatlicht und später teilweise sogar abgewickelt.

Die ohnehin hohe Staatsverschuldung vieler Staaten stieg krisenbedingt enorm an. In diesem Zuge wurden Zinsen massiv gesenkt. Somit schmolzen die Gewinne der Banken beim margenträchtigen Kreditgeschäft wie das Eis in der Sonne. Folglich kollabierten die Aktienkurse der Geldhäuser, wie hier am Beispiel der Aktie der Deutschen Bank erkennbar. Die europäischen Geldhäuser kamen deutlich schwerer aus der Krise wie ihre amerikanischen Pendants.

Kurs der Deutsche-Bank-Aktie seit 1998

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Es scheint, als habe die jahrelange Talfahrt ein Ende. Noch im Herbst 2020 wollte kaum jemand Bankaktien kaufen. Seither boomen die Kurse vieler traditioneller Finanzinstitute. Der Stoxx-Europe-600-Banks-Index hat seither um mehr als die Hälfte zugelegt.

Für den Kursanstieg gibt es mehrere Gründe. Die Konjunkturprogramme stützen Bankaktien. Die Regierungen drucken massiv Geld, um strauchelnden Unternehmen unter die Arme zu greifen. In Deutschland laufen parallel gleich mehrere Programme, von der Außerordentlichen Wirtschaftshilfe und der Überbrückungshilfe über vergünstigte Kredite und Bürgschaften bis hin zu Abgabenerleichterungen und der Förderung einer Sanierungsberatung.

Diese Maßnahmen schüren die Hoffnung, dass eine Insolvenzwelle und massive Kreditausfälle bei Banken abgewendet werden können. Ein weiterer Grund für den Aufschwung ist eine mögliche Zinswende. Die Renditen bei Anleihen sind wieder gestiegen, sodass sich die Margen im Kreditgeschäft der Banken wieder verbessert haben. Neben diesen beiden Lichtblicken gibt es unserer Meinung nach aber viel mehr Schatten innerhalb der Bankenbranche.

Kreditausfälle ante portas?

Sobald die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie Einzug hält und die Regierungen staatliche Nothilfen zurückziehen, wird die Europäische Union mit einem Anstieg von Insolvenzen und notleidenden Krediten konfrontiert. Ein massiver Anstieg von Insolvenzen konnte bisher noch abgewendet werden, weil die EU-Regierungen Nothilfen im Volumen von 2,3 Billionen Euro bereitgestellt hatten.

Ohne diese Hilfe und neue Kredite von Banken hätte fast 25 Prozent der EU-Unternehmen bis Ende 2020 Liquiditätsprobleme gehabt, nachdem sie ihre Bargeldpuffer aufgrund des durch die Corona-Pandemie verursachten wirtschaftlichen Chaos erschöpft hatten. Sobald die beispiellosen öffentlichen Unterstützungsmaßnahmen auslaufen, werden wahrscheinlich eine Reihe von Unternehmen ihren Schuldenverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Das wird zu höheren notleidenden Krediten und Insolvenzen führen.

Fast die Hälfte aller Unternehmen, die im vergangenen Jahr aufgrund der Pandemie Liquiditätsprobleme gehabt hätten, hatte bereits vor der Krise ein hohes Ausfallrisiko und wurde nur noch durch staatliche Hilfe über Wasser gehalten.

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