Thomas Buckard (Gastautor)Lesedauer: 4 Minuten

Vermögensverwalter zweifelt Sind Bitcoin wirklich das neue Gold?

Bitcoin auf Computer-Tastatur (Symbolbild)
Bitcoin auf Computer-Tastatur (Symbolbild): Die Unterschiede zwischen der Kryptowährung und Edelmetall sind größer als ihre Gemeinsamkeiten, findet Vermögensverwalter Thomas Buckard. | Foto: imago images / NurPhoto
Thomas Buckard, Foto: MPF

Es stimmt schon: Das Angebot neu geschürfter Bitcoin und das von Gold ist sehr begrenzt. Und die Produktion beider „Währungen“ belastet in einem erheblichen Ausmaß die Umwelt. Außerdem entziehen sich sowohl Bitcoin als auch Gold weitgehend dem Einfluss der internationalen Notenbanken. Schließlich lassen sich beide Anlagen – zumindest in einem begrenzten Umfang – anonym erwerben. Und in beiden Fällen handelt es sich letztendlich um eine Art Ersatzwährung.

Es gibt also durchaus gute Gründe, Bitcoin als das neue Gold einzustufen. Mehr noch: Passt nicht die moderne Blockchain-Technologie viel besser in das digitale Zeitalter als das in die Jahre gekommene Gold, welches die Menschen aus alten Minen rausbohren und -baggern?

Gerade dieser Punkt ist der auffälligste Unterschied. Bitcoin gibt es ausschließlich digital. Zwar ist das bei Gold auch vielfach der Fall – beispielsweise bei Gold-Zertifikaten. Aber das Edelmetall gibt es eben auch physisch als Münzen, Barren oder Schmuck.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied ist das Alter. Als Anfangsdatum der Kryptowährung gilt der 3. Januar 2009. Damals hat ein sogenannter Satoshi Nakamoto, der Name gilt als Pseudonym, die neue digitale Währung ins Leben gerufen. Gold gibt es bereits seit Jahrtausenden.

Die Historie und das Vertrauen in Bitcoin sind also extrem kurz und gering. Das erklärt auch die enormen Schwankungen. Beim Gold haben sich die Menschen bereits vor Tausenden Jahren darauf geeinigt, das Edelmetall als werthaltig zu erachten – und zwar weltweit. Ein Totalverlust ist bei Gold praktisch ausgeschlossen. Zwar ist auch das Edelmetall vergleichsweise volatil, doch die Schwankungen fallen immer noch sehr viel kleiner als beim Bitcoin aus.

Unterschiedliche Kurstreiber

Gleichzeitig hängt der Wert der beiden „Währungen“ von völlig unterschiedlichen Treibern ab. Beim Gold sind es weniger die Käufe der internationalen Notenbanken, wie vielfach behauptet wird. Entscheidend für die Entwicklung des Goldpreises ist vor allem die Nachfrage der Gold-ETFs, die mit physischem Gold unterlegt sind – wie beispielsweise das in Deutschland ausgesprochen beliebte Xetra-Gold, bei dem es sich streng genommen allerdings um eine Anleihe handelt.

Die Musik spielt hier jedoch, wie so oft bei Finanzanlagen, mit dem SPDR Gold Shares in den USA. Dieser stellt den größten Gold-ETF der Welt dar. Die amerikanischen Investoren gehen mit dem Thema Gold ganz anders um als beispielsweise die Anlegenden in Deutschland oder Indien. In den Vereinigten Staaten ist Gold eine Asset-Klasse wie jede andere. Hier geht es weniger darum, Werte zu speichern und für Stabilität im Depot zu sorgen, sondern vor allem darum, Rendite zu erzielen. Das erklärt auch, warum Gold derzeit trotz steigender Inflation nicht performt. Die Amerikaner bevorzugen im aktuellen Umfeld eher Aktien als die vermeintlich aussichtsreichere Edelmetall-Anlage.

Zwar wirft der Bitcoin wie Gold ebenfalls keine Zinsen ab und beschert den Anlegern Opportunitätskosten – oder wie derzeit aufgrund der teilweise negativen Zinsen umgekehrt auch Opportunitätsgewinne. Das wirkt sich allerdings auf den Kurs der Kryptowährung nur marginal aus. Entscheidend sind hier Aussagen und Interpretationen von Meinungsmachern wie dem Tesla-Chef Elon Musk oder der Wall-Street-Ikone Cathie Wood. Zu den weiteren Triebfedern gehören Entscheidungen von Unternehmen, Bitcoin als Zahlungsmittel zuzulassen. Tesla und Paypal spielten hier zuletzt eine wichtige Rolle für die jüngsten Kursgewinne.

Umgekehrt rauscht der Bitcoin-Kurs immer wieder in Richtung Süden, wenn staatliche Restriktionen verkündet oder eingeführt werden. In diesem Jahr hatten Berichte, dass China das extrem energieintensive Schürfen von Bitcoin verbieten wolle, den Kurs zwischenzeitlich auf unter 30.000 Dollar einstürzen lassen.

Sehr viel spekulativer

Es gibt noch einen weiteren fundamentalen Unterschied: Der Markt für Bitcoin ist trotz der enorm gestiegenen Popularität und der jüngsten starken Kursgewinne noch immer sehr viel kleiner als der für Gold, der selbst gemessen am weltweiten Aktien- und mehr noch am globalen Rentenmarkt ausgesprochen überschaubar ist. Das ist sicherlich ein weiterer Grund für die extrem hohen Kursschwankungen.

Unter dem Strich kann Gold trotz seiner Volatilität als langfristiger Wertspeicher eingestuft werden. Bei Bitcoin handelt es sich mehr um ein Spekulationsobjekt: Entsprechende Wetten können durchaus hohe Kursgewinne einbringen, aber eben auch signifikante Verluste. Schließlich findet Gold auch Verwendung in der Industrie. Unter Investoren gilt es als eher konservative Anlage. Der Bitcoin hingegen gilt aufgrund der Anonymität auch für unseriöse oder kriminelle Marktteilnehmer wie Datenhacker und -erpresser, die Mafia oder Drogenkartelle als sehr attraktiv. Auch das spricht nicht unbedingt für den Einsatz beim seriösen Vermögensverwalter. Dann doch lieber das sicherlich langweiligere, aber solidere Gold.


Über den Autor:
Thomas Buckard ist Mitgründer der seit dem Jahr 2000 existierenden Vermögensverwaltung MPF. Als Vorstand ist er für die Kundenakquisition und -betreuung zuständig. Zuvor arbeitete der passionierte Bergsteiger im Private Banking der Deutsche Bank.

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