Zahl der Verträge sinkt Sind Lebensversicherungen ein Auslaufmodell?

Für Einige ist heute der Besitz eines Eigenheims Absicherung genug. Klar ist, dass der Gegenwert der Immobilie in diesem Fall physisch vorhanden ist. Wer hingegen auf eine Lebensversicherung setzt, muss im Angebotsdschungel erst das passende Angebot finden. | © unsplash.com © Craig McLachlan

Für Einige ist heute der Besitz eines Eigenheims Absicherung genug. Klar ist, dass der Gegenwert der Immobilie in diesem Fall physisch vorhanden ist. Wer hingegen auf eine Lebensversicherung setzt, muss im Angebotsdschungel erst das passende Angebot finden. Foto: unsplash.com © Craig McLachlan

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Ein Blick in die Statistik

Deutlich ist auch die prozentuale Verteilung der Neuzugänge bei den Lebensversicherungen. Invaliditätsversicherungen (28,8 Prozent) und Risikoversicherungen (28,6 Prozent) machen den größten prozentualen Anteil aus. Renten- und Pensionsversicherungen liegen mit 23,4 Prozent dahinter (der Hauptteil darunter sind Mischformen mit Garantien mit 14,4 Prozent). Ein Rückblick auf den Zeitraum bis 1990 zeigt: Kapitalversicherungen sind rückläufig (1990: 83,7 Prozent, 2017: 34,8 Prozent). Rentenversicherungen sind steigend (1990: 2,2 Prozent, 2017: 50,7 Prozent).

Für Ärger in der Branche sorgt vor allem der Verkauf ganzer Versicherungsbestände, erklärt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Der Grund: Vor allem am Kundenservice hapere es dann, wenn die Vertragsbestände der Lebensversicherer auf andere Versicherungsunternehmen übergehen. Über 8.000 Eingaben wurden im Jahr 2018 vorbereitet. Den Hauptteil machen allgemeine Beschwerden aus. Vor allem Verzögerungen sowie die Art der Schadensbearbeitung, die Höhe der Versicherungsleistung sowie Deckungsfragen sind die Haupt-Beschwerdepunkte der Versicherungsnehmer, wenn die Verträge an andere Versicherungen übergeben wurden.

Darüber hinaus zeigte der Map-Report: Die klassische Lebensversicherung sinkt in der Gunst der sicherheitsorientierten Sparer. Neue Versicherungsvarianten entstehen am Markt und haben für die Interessierten vor allem eine Folge: Sie sorgen für Verwirrung.

Hilfe im Dschungel der Versicherungsvarianten

Zeitgleich mit der steigenden Auswahl an Lebensversicherungsvarianten mehren sich auch die kundenfreundlichen Angebote, die beispielsweise einen kostenlosen Tarifvergleich von Lebensversicherungen anbieten. Der Tarifcheck startet bereits mit der Eingabe eines monatlichen Anlagebetrags (oder alternativ mit einem einmalig zu bezahlenden Anlagebetrag).

Weitere wichtige Daten, die für den Tarifcheck nötig sind, sind diese:

  • Beginn der Vorsorgeleistung
  • Lebensalter zum Zeitpunkt der Auszahlung
  • Geburtsdatum
  • Familienstand und Anzahl der Kinder
  • Berufsstatus
  • Persönliche Daten

Ausgestattet mit diesen Daten kann ein kostenloses Angebot errechnet werden. Mit diesem Angebot in Händen lässt sich prüfen, inwiefern die Auszahlungssumme dem gewünschten Kapitalbedarf entspricht und welche Anlageform sich hinter dem jeweiligen Angebot verbirgt.

Rechte und Steuern rund um fondsgebundene Lebensversicherung

Seit 2009 gelten Besteuerungsregelungen zu kapitalbildenden Lebensversicherungen; seit 2018 gelten darüber hinaus Steuerfreistellungen für fondsgebundene Lebensversicherungen. Der Betrag, der als Grundlage zur Besteuerung dient, ist die Differenz zwischen der Versicherungsleistung und der entrichteten Beiträge. Steuerfrei werden 15 Prozent des Unterschiedsbetrags behandelt, wenn Investmenterträge zum Unterschiedsbetrag zählen. Erträge aus speziellen Investmentfonds oder konventionellen Erträgen sind hier außen vor.

Deutlich wird der Effekt mithilfe dieser Beispielberechnung eines Muster-Vertrags, der am 1. Januar 2019 getroffen wurde. Am 31. Januar 2049, also 30 Jahre später, sollen 100.000 Euro zur Auszahlung anstehen. Die Summe der Versicherungsbeiträge belief sich bis zu diesem Zeitpunkt auf 50.000 Euro. Die Teilfreistellung für die 50.000 Euro liegt in Summe bei 7.500 Euro. Damit müssen noch 42.500 Euro versteuert werden. Für Verträge, die bereits vor dem 1. Januar 2018 abgeschlossen wurden (seit diesem Tag gilt die Neuregelung), muss ein sogenannter Wertzuwachs ermittelt werden, der nach dem Stichtag aus dem Investmentfonds erzielt wurde.

Nachschlagewerk: Das ist eine fondsgebundene Lebensversicherung

Eine fondsgebundene Lebensversicherung ist die Kombination einer Risikolebensversicherung mit einer Fondsanlage. Die Chance auf eine höhere Rendite wird mit einem höheren Risiko bezahlt. Die bezahlten Beiträge werden bei diesem Produkt in Investmentfonds angelegt. Zum Vergleich: Die klassische Lebensversicherung investiert in festverzinsliche Wertpapiere. Läuft der Vertrag aus, wird der Ertrag aus den Fondsanteilen dem Versicherungsnehmer gutgeschrieben oder alternativ in ein Depot übertragen. Über Gewinn und Verlust entscheidet die Marktlage.

Praxistipp: Um Gewinne mit einer fondsgebundenen Lebensversicherung erzielen zu können, ist es nötig, sich mit den unterschiedlichen Fondsvarianten auseinanderzusetzen. Immobilien-, Renten- und Aktienfonds sind hier die gängigsten Investment-Varianten. In der Praxis ist es unmöglich, valide Aussagen über die Zukunft der Fonds zu treffen. Ob während der Laufzeit eine Veränderung des Fonds erfolgen darf, ist abhängig von Anbieter und Vertrag.

Investoren, denen die Sicherheit ihres Investments wichtig ist, ist es nahezu unmöglich, in ein Produkt zu investieren, bei dem sie keinerlei Sicherheiten haben. Um hier ein Mindestmaß an Investment-Sicherung zu erhalten, können Anleger auf Höchststandgarantieren setzen, die dann zur Auszahlung des Vertrags mindestens den Höchststand der Versicherung ausbezahlen. Alternativ gibt es Kombimodelle, bei denen ein Teil der Beiträge im Garantiefonds schlummert, während ein anderer Teil in einen renditekräftigen (aber risikoreicheren) Fonds fließt. Der Nachteil: Jede Garantie kostet wiederum Geld.