Rentenspezialist Sander Bus von Robeco Asset Management

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„Sinkt der Yen, ist das schlecht für Deutschland“

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Touristische Investoren könnten künftig für erhöhte Volatilitäten an den Rentenmärkten sorgen. Ein weiteres Risiko stelle die Rezession in Europa dar. Auch Deutschland bekommt das zu spüren. Sogar dort hat sich das Wachstum abgeschwächt.

Die deutsche Wirtschaft könnte noch stärker getroffen werden, sollte das Wachstum in den Schwellenländern zurückgehen und der Kurs des Japanischen Yen sinken. Verwundbar ist die Bundesrepublik vor allem wegen ihres starken Exportsektors. Sogar beim Wachstumsstar und deutschen Handelspartner China haben sich Ungleichgewichte aufgebaut. Um so viele Menschen wie möglich aus der Armut zu befreien, haben die Regierenden lange stillgehalten. Jetzt hat auch China ein Schuldenproblem.

Notenbanken stützen den Markt weiterhin

Weniger beunruhigt sind wir bei Robeco über die angekündigte Einschränkung von Anleihekäufen durch die US-Notenbank. Denn die USA scheinen die beste Antwort auf die rezessiven Tendenzen gefunden zu haben. Notenbankchef Ben Bernanke hat ausgeführt, dass die Abwärtsrisiken für die US-Ökonomie allmählich abflauen.

In den kommenden Quartalen könnte die Federal Reserve ihre „ultra-expansive“ Geldpolitik nun in eine lediglich „außergewöhnlich expansive“ Geldpolitik überführen. Dabei darf man jedoch eines nicht außer Acht lassen: Auch das langsam auslaufende Quantitative-Easing Programm (QE3) beinhalte über die nächsten zwölf Monate hinweg immer noch mindestens so viele Wertpapierkäufe wie das gesamte vorangegangene Programm. Hinzu kommt, dass die Fed ihre Wertpapierkäufe bei einer neuerlichen wirtschaftlichen Schwäche auch wieder im vollen Umfang aufleben lassen kann.

Es gibt einen weiteren positiven Faktor: Wegen des enttäuschenden Wachstums im Euroraum könnte die Europäische Zentralbank (EZB) sogar neue geldpolitische Stimuli beschließen. Vorstellbar wären niedrigere Leitzinsen, ein negativer Einlagenzins für Zentralbankguthaben oder auch die Auflegung neuer längerfristiger Refinanzierungsgeschäfte (LTRO). Mit diesen Geschäften stellt die EZB den Geschäftsbanken Liquidität zur Verfügung. Sind die Konditionen attraktiv und für längere Zeit festgeschrieben, senkt dies das Zinsniveau.

Bereits in den vergangenen Jahren stellte die überbordende Liquidität den wichtigsten Treiber für die Rentenmärkte dar. Die Suche der Anleger nach Rendite habe daher zu einem Ungleichgewicht zwischen der Bewertung von Wertpapieren und ihren Fundamentaldaten geführt.

Andererseits stützt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage die Anleihemärkte auch weiterhin. Die Anleihekäufe der Zentralbanken sorgen für ein knapperes Angebot, was sich aus technischer Sicht sehr positiv auswirkt. Außerdem begeben die Geschäftsbanken netto weniger Schuldverschreibungen. Das Volumen der frei verfügbaren Zinstitel sinkt hierdurch nochmals.

Investment-Grade neutral, Schwellenländer-Bonds meiden

Die Interventionen der Zentralbanken haben das Renditeniveau von Staatsanleihen bislang stärker gedrückt als jenes von Unternehmensanleihen. Staatliche Schuldverschreibungen halten wir bei Robeco neben Schwellenländer-Bonds denn auch für am stärksten rückschlagsgefährdet.

Aktuell empfehlen wir Rentenpapiere mit Investmentgrade-Status neutral zu gewichten. Zinspapiere aus den Peripheriestaaten sollten hierbei allerdings unterrepräsentiert sein. Bei High-Yield-Bonds rate ich zu einer leichten Untergewichtung. Schwellenländer-Anleihen sind für Robeco derzeit kein Kauf. Ich erwarte, dass sich die Zinsaufschläge für Schuldtitel aus den Emerging Markets weiter ausweiten werden.

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