Klimawandel, Corona-Pandemie, Kriege in der Ukraine und Nahost: Junge Leute wachsen heutzutage in Zeiten großer Krisen auf. Für ihre persönliche Zukunft ist daher einer großen Mehrheit (87 Prozent) von ihnen finanzielle Sicherheit wichtig. Das ist eines der Ergebnisse der Studie „Versicherung der Zukunft – Erwartungen der Gen Z“. Hierfür startete das Kölner Forschungs- und Beratungsinstitut Sirius Campus eine repräsentative Online-Befragung unter rund 1.200 Teilnehmern im Alter zwischen 16 und 30 Jahren.

„Die hohe Sicherheitsorientierung spiegelt sich auch in dem Wunsch nach einer guten finanziellen Absicherung bei Unfällen oder Schicksalsschlägen wider“, stellen die Studienautoren fest: Drei von vier Angehörigen der um die Jahrtausendwende geborenen Generation Z betrachtet sie als wichtig. 

Hoher Wunsch nach Absicherung 

Als erste oder zweite Versicherung schließen die jungen Entscheider in Versicherungsfragen am häufigsten private Haftpflicht-, Kfz- und Unfallversicherungen ab. Aktuell verfügen daher bereits 56 Prozent von ihnen über eine private Haftpflicht- und 42 Prozent über eine Kfz-Police. Es folgen die Produkte Hausrat- (32 Prozent), Auslandskranken- beziehungsweise Reiserücktritt- (28) und Rechtsschutzversicherung (23). Damit seien die 16- bis 30-Jährigen „alles andere als Versicherungsmuffel“, sagt Oliver Gaedeke. „Die Gen Z stellt sich in weiten Teilen als attraktive Zielgruppe mit hohem Sicherheitsbedürfnis dar“, so der Geschäftsführer von Sirius Campus. 

 

60 Prozent planen Versicherungsabschluss

Der Bedarf für einen Versicherungsabschluss steigt laut der Autoren mit gewissen Anlässen im Leben der jungen Leute. Dazu zählen zum Beispiel der Berufseinstieg oder Wohnungswechsel sowie der Immobilienkauf beziehungsweise Hausbau. So planen 60 Prozent der Generation Z in den nächsten zwei Jahren einen Versicherungsabschluss, wie aus der im Oktober durchgeführten Umfrage hervorgeht. Das entspräche 6,3 Millionen Personen.

Konkret geht es dabei um eine Kfz- (16 Prozent), private Haftpflicht- (15) Rechtsschutz- (13) oder Hausrat-Police (12). Erstaunlicherweise spielen auch die Vorsorge fürs Alter (16 Prozent) sowie gegen die Risiken Berufsunfähigkeit (14) und Unfall (11) eine ähnlich große Rolle. Dabei werden diese Policen von jungen Menschen erfahrungsgemäß tatsächlich viel seltener abgeschlossen.

Nur kleiner Teil recherchiert in den sozialen Medien

Vor dem Abschluss informiert sich nur etwas mehr als ein Zehntel der Befragten gezielt in den sozialen Medien. Die höchste Reichweite erreichen hier die Kanäle Youtube (62 Prozent) und Instagram (54). Tiktok folgt zwar erst mit 40 Prozent. Aber Inhalte auf dieser Plattform „beeinflussen den Entscheidungsprozess positiver als andere Kanäle“, beobachten die Kölner Marktforscher bei den jungen Nutzern. Wirksame Anschubgeber für den Start in den Entscheidungsprozess sind außerdem Anzeigen in Online- und sozialen Medien, Werbebriefe oder Newsletter von Finanzdienstleistern, Empfehlungen der Eltern oder von Händlern anderer Produkte. Konkrete Zahlen liefert Sirius Campus hierzu nicht.

 

Abschluss bei Versicherungsvermittler durchaus relevant

Wo die Kunden ihre Versicherungen am Ende abschließen, hängt laut der Studie von ihren Persönlichkeiten ab. Allerdings werden auch hierzu keine aktuellen Zahlen veröffentlicht: Sehr qualitäts- und serviceorientierte junge Leute lassen sich am liebsten persönlich beraten und schließen somit auch häufig bei Vermittlern ab, so Gaedeke. Auch optimierende Kunden, die immer auf der Suche nach bestimmten Vorteilen sind, schließen aufgrund des Verhandlungsspielraums lieber bei Vermittlern ab. Doch: „Eigenständig entscheidende Kunden bleiben den sozialen Medien fern, erkundigen sich aber ausgiebig auf Websites von Versicherern und Vergleichsportalen, wo sie dann aufgrund von Preisvorteilen abschließen.“ 

Sirius Campus unterscheidet beim Versicherungsabschluss grundsätzlich vier Kunden- beziehungsweise Entscheidertypen: Partner, Optimierer, Vorsichtige und Eigenständige:  

  • Laut Daten aus dem Jahr 2019 macht der Entscheidertyp Partner etwa 21 Prozent im privaten Versicherungsmarkt hierzulande aus. Diese Verbraucher wünschen sich eine sorgfältige Risikoüberprüfung, umfangreiche Absicherungen und eine hohe Regulierungsqualität. Vermittler sollten ihnen daher ein Premiumangebot mit sinnvollen Zusatz- und Assistance-Leistungen vorstellen und empfehlen. 
  • Der Entscheidertyp Optimierer (Anteil: 27 Prozent) ist demnach anspruchsvoll und herausfordernd, denn er versucht aus jeder Situation einen Vorteil für sich herauszuholen. Preisnachlässe oder Zusatzleistungen im Vertrag geben ihm das für ihn wichtige Gefühl, einen Vorteil im Rahmen eines hochwertigen Produkts erkämpft zu haben. Der Vermittler sollte zwischen Produkten unterschiedlicher Anbieter auswählen können. 
  • Der Vorsichtige (Anteil: 32 Prozent) wünscht sich hingegen ein bewährtes Produkt, das viele Kunden bereits zufrieden gemacht hat. Ein durchschnittliches Leistungs- und Preisniveau birgt für ihn das geringste Entscheidungsrisiko. Vermittler sollten durch einfache Erläuterungen und klare Empfehlungen ein Vertrauensgefühl bei diesem Entscheidertypen aufbauen und darauf achten, diese Kunden nicht aus den Augen zu verlieren. 
  • Der Eigenständige (Anteil:  20 Prozent im Markt) ist laut Sirius Campus der einzige Entscheidertyp mit einer ausgeprägten Preisorientierung. Sein Sparmotiv treibt ihn zur Selbstbedienung bei Direktanbietern und Vergleichsportalen. Hier findet er günstige Marktpreise und ist mit geringeren Absicherungsniveaus zufrieden. Bei Vermittlern interessieren ihn nur Marken mit starkem Niedrigpreisimage.