Während der Einzelhandel seine Schaufenster winterlich dekoriert und Skigebiete ihre Saison einläuten, verzeichnet die Versicherungsbranche business as usual. Wo Sportgeschäfte ihre Auslagen mit Skiern und Wintermode bestücken, zeigt eine aktuelle Marktanalyse von DAS INVESTMENT bei sieben führenden Versicherern: Das Geschäft läuft weitgehend unbeeindruckt von der Wintersaison.

Die Vertriebsrealität zeigt eine klare Zweiteilung. „Anlassbezogene Versicherungsabschlüsse, wie beispielsweise für einen Skiurlaub, sind eher im Onlinegeschäft zu beobachten“, erläutert die Debeka. Die Zurich ergänzt, dass Unfallversicherungen ohnehin eher im Rahmen einer ganzheitlichen Beratung abgeschlossen werden.

Geschäft kennt keine Saison

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Die Debeka verzeichnet in den Sommermonaten Juni bis August viermal so viele Abschlüsse wie in der Wintersaison. Ein kleinerer Anstieg im März und April erreicht lediglich ein Viertel des Sommergeschäfts. Die R+V bestätigt diesen Trend und verweist auf die zunehmende Bedeutung von Kalenderjahresversicherungen.

 

Selbst die italienische Versicherungspflicht für Skifahrer führt branchenweit zu keinem messbaren Anstieg der Abschlüsse. „Bei der Unfall- und Privathaftpflichtversicherung beobachten wir keine wintersportbedingte Veränderung in der Nachfrage“, stellt die Alte Leipziger klar.

Neue Wege der Kundenansprache

Die Versicherungskammer Bayern (VKB) registriert veränderte Kundenerwartungen. Neben der eigentlichen Versicherungsleistung gewinnt die Beratung zu Gesundheitsthemen im Reiseland an Bedeutung. Die Versicherer reagieren mit digitalen Serviceangeboten, die das ganze Jahr über genutzt werden können.

Im Produktbereich zeigt sich der Trend zur Entzerrung des Geschäfts besonders deutlich. Die VKB führte im Juni 2024 neue Familientarife ein, die parallel Reisen mehrerer Familienangehöriger abdecken. Die Ergo verzichtet bei ihren Tarifen auf sportartspezifische Einschränkungen und bietet stattdessen ein ganzjähriges Komplettpaket.

Pandemie verstärkt Ganzjahrestrend

Die Corona-Zeit verstärkt die Entwicklung weg vom Saisongeschäft. „Gerade über die letzten drei bis fünf Jahre lässt sich schwerer etwas ableiten, da diese Zeitspanne die Pandemie inkludiert“, analysiert die Allianz. Die gesamte Branche beobachtet jedoch eine generell gestiegene Nachfrage nach Reiseversicherungsprodukten – unabhängig von der Saison.

Den Wandel in der Branche kennzeichnet vor allem die Ausweitung der Services. Die Versicherer integrieren verstärkt Assistance-Leistungen in ihre Auslandsreiseversicherungen. Diese Entwicklung unterstreicht den Trend weg vom saisonalen Denken hin zu ganzjährigen Konzepten.