Wer mit dem Investieren beginnt, dem wird zum Start gerne ein Welt-ETF ans Herz gelegt. Warum? Als Anleger bekommst du damit eine Aktienauswahl, der wichtigsten Unternehmen rund um den Globus. Die teuersten Firmen der Welt haben dabei den größten Anteil am Index. Der Vorteil: Eine möglichst breit gefasste Auswahl an Wertpapieren. Soweit so gut.
In jüngster Zeit häufen sich jedoch die Schlagzeilen rund um die „Magnificent Seven“. Mit diesen glorreichen Sieben sind die Tech-Giganten Alphabet (Google), Amazon, Apple, Microsoft, Meta (Facebook), Nvidia und Tesla gemeint, die derzeit einige der gängigen Indizes antreiben. So zum Beispiel den S&P 500, dort machen sie inzwischen gut 27 Prozent des marktbreiten Indizes aus – der die 500 größten Unternehmen der USA abbildet. Noch nie war ihr Anteil höher, wie die Investmentgesellschaft Blackrock jüngst ermittelte.
Noch mehr fallen die Unternehmen im Nasdaq 100 ins Gewicht: Sie erreichten 2023 einen Anteil von über 55 Prozent, was ein seltenes Rebalancing zufolge hatte, das den Anteil der sieben Werte auf 43 Prozent senkte.
Zu guter Letzt bleiben selbstverständlich auch die gängigen Welt-Indizes von den Tech-Giganten nicht unberührt: Ein Grund, warum beispielsweise der MSCI World zunehmend in die Kritik gerät, ist sein US-Fokus. Derzeit liegt er bei etwa 70 Prozent, womit auch dort die glorreichen Sieben die Top-Positionen im Index belgen. Die Gefahr: Ein zunehmendes Klumpenrisiko, das den Charme eines möglichst breit aufgestellten ETFs beeinträchtigt.
Ein Umstand, der viele Investoren derzeit beunruhigt, da es am Kapitalmarkt selten klug ist, alles auf eine Karte zu setzen. Ob diese Angst im Fall der Magnificent Seven nun begründet ist oder nicht, sei dahingestellt – denn tatsächlich ist es kein gänzlich neues Phänomen, dass nur wenige Aktien den Markt treiben. Wer dennoch die Angst mancher Anleger teilt, der findet glücklicherweise noch andere Investmentoptionen abseits von Welt-Indizes und Tech-Giganten.
Wo die Kleinen die Großen schlagen
Eine Möglichkeit, um mehr Streuung in dein Depot zu bekommen, sind Investitionen in sogenannte Small Caps, auch Nebenwerte genannt. Dabei handelt es sich um Unternehmen mit geringem Börsenwert. Wer dabei jedoch an den Tante-Emma-Laden um die Ecke denkt, der liegt falsch.
Internationale Small Caps haben durchaus mehrere Tausend Beschäftigte und Umsätze im mehrstelligen Millionenbereich. Dennoch sind die Börsenzwerge häufig eher unbekannt und finden neben den Großkonzernen wenig Beachtung.
Wer in Small Caps investieren möchte, kann aus unterschiedlichen Märkten wählen. In Sachen Performance zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede:
Während beispielsweise der global aufgestellte SPDR MSCI World Small Cap ETF (ISIN: IE00BCBJG560) oder der auf den europäischen Markt beschränkte SPDR MSCI Europe Small Cap (IE00BKWQ0M75) seit Jahresbeginn im niedrigen einstelligen Bereich herumdümpeln – kommt das Schwellenländer-Pendant, der SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap (IE00B48X4842) seit Anfang des Jahres auf ein Plus von in etwa 12,6 Prozent. Der ETF bildet den MSCI Emerging Markets Small Cap Index ab.
Auch über fünf Jahre kann der Schwellenländer-Nebenwerte-ETF die weltweite beziehungsweise europäische Konkurrenz schlagen. Während die Börsenzwerge aus den Emerging Markets auf eine Wertentwicklung von in etwa 54 Prozent kommen, verzeichnete der Globale-Nebenwerte-ETF im gleichen Zeitraum lediglich ein Zuwachs von 37 Prozent und die europäische Alternative ein Plus von 29 Prozent.
Selbst den MSCI World (IE00BFY0GT14) können die Schwellenländer-Börsenzwerge derzeit auf Einjahressicht überflügeln. Während der Welt-ETF über ein Jahr auf eine Wertentwicklung von 8,4 Prozent kommt, liegt der SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap bei 12,2 Prozent. Das ändert sich jedoch, sobald man den Zeithorizont auf drei oder fünf Jahre ausweitet. Während beide Indizes auf Dreijahressicht mit jeweils knapp 35 Prozent beinahe gleich auf liegen, überholt der MSCI World nach fünf Jahren, die Schwellenländer-Small-Caps um in etwa 9 Prozentpunkte und kommt auf eine Wertentwicklung von 63,1 Prozent.
Was ist nochmal ein Schwellenland?
Wer sich fragt, welche Nationen überhaupt unter die Kategorie Schwellenland fallen, dem sei gesagt, eine allgemeingültige Definition gibt es am Kapitalmarkt nicht. Ein Schwellenland, auf Englisch Emerging Market, beschreibt ein Land, dessen Wirtschaft zwar stark wächst, das aber gleichzeitig noch Merkmale von Entwicklungsländern aufweist.
Experten vergleichen dafür unter anderem das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Kopf, das Bildungsniveau und die Infrastruktur in den Ländern. Das Besondere an Schwellenländern: Ihr Wirtschaftswachstum ist meist höher als das von Industrieländern. Die höchsten Wachstumsraten sollen laut Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in den kommenden Jahren vor allem in Indien und China vorkommen.
Unternehmen aus den Schwellenländer tragen maßgeblich zur globalen Wirtschaft bei, machen jedoch nur einen kleinen Anteil der weltweiten Marktkapitalisierung aus. Investoren, die in Schwellenländer investieren, hoffen günstige Aktien aus den Ländern zu erwerben. Also Wertpapiere die derzeit noch unterbewertet sind und in Zukunft steigen.
Doch weshalb schlagen sich aktuell nicht in allen Märkten kleine Unternehmen so gut, wie in den Schwellenländern?
Ein Grund ist, dass die Börsenzwerge von steigenden Zinsen und geopolitischen Unsicherheiten häufig härter getroffen werden als Kapitalmarktriesen – ein Risiko, dessen sich Anleger stets bewusst sein sollten und welches von Markt zu Markt stark schwanken kann.
Im Gegenzug bietet dieser Umstand auch aktuell Chancen für risikofreudige Anleger:
Denn die schwächere Kursentwicklung führt dazu, dass Small Caps aktuell einigermaßen günstig bewertet sind. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des MSCI World Small Cap Index liegt derzeit bei 12 und das des MSCI EM Small Cap Index bei 13, während das KGV des MSCI World Index bei 18 liegt. Was bedeutet: Small Caps werden im Durchschnitt mit einem niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnis bewertet, als große Unternehmen. Und je niedriger der KGV-Wert ist, umso größer ist das Kurspotenzial nach oben (und umgekehrt).
So setzt sich der MSCI Emerging Markets Small Cap ETF zusammen
Doch welche Unternehmen zählen denn nun zu den Börsenzwergen und befinden sich im MSCI Emerging Markets Small Cap ETF? Die meisten sind – wie wohl kaum anders zu erwarten – nicht allzu bekannt.
Top-Positionen sind derzeit:
- Ecopro mit 0,81 Prozent: Das koreanische Unternehmen wurde 1998 gegründet und ist auf die Entwicklung von umweltfreundlichen Kernmaterialien und Bauteilen spezialisiert. Dabei entwickelt das Unternehmen unter anderem Sekundärzellen für Autobatterien, in denen die dauerhafte Speicherung von elektrischer Energie mithilfe chemischer Reaktionen ermöglicht wird.
- Alchip Technologies mit 0,35 Prozent: Alchip ist ein 2003 gegründetes, fabrikloses Halbleiterunternehmen mit Hauptsitz in Taipeh, Taiwan.
- Persistent Systems mit 0,32 Prozent: Persistent Systems ist ein indisches Technologiedienstleistungsunternehmen, das 1990 gegründet wurde. Es bietet Unterstützung im Bereich Digital Engineering und Unternehmensmodernisierung an.
- Chroma ATE mit 0,31 Prozent: Ein 1984 gegründetes taiwanesisches Unternehmen für elektronische Prüf- und Messgeräte.
- Gigabyte Technology mit 0,31 Prozent: Dabei handelt es sich um einen taiwanischen Hersteller von Computerhardware, der vor allem für seine Motherboards und Grafikkarten bekannt ist. Das Unternehmen wurde des 1986 gegründet.
Das meiste Geld des ETFs fließt derzeit nach Indien mit 23 Prozent, darauf folgt Taiwan mit 22 Prozent und Südkorea mit 15 Prozent. Die am stärksten gewichteten Branchen sind: Informationstechnologie (17,2 Prozent), Industrie/Investitionsgüter (16,6 Prozent), Grundstoffe (13,8 Prozent), Konsumgüter zyklisch (10,9 Prozent) und Finanzen (10,8 Prozent). Die Volatilität liegt über fünf Jahre bei 20 Prozent.
Was den SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap zudem von herkömmlichen Schwellenländern-ETFs unterscheidet ist die Ländergewichtung. Das Portfolio umfasst rund 1.900 Titel, der Anteil Chinas ist dabei jedoch im Vergleich zu vielen normalen Schwellenländer-ETFs verschwindend gering.
Beim SPDR MSCI Emerging Markets ETF der den MSCI Emerging Markets Index abbildet liegt der China-Anteil beispielsweise bei knapp 30 Prozent. Ebenso beim Vanguard FTSE Emerging Markets ETF der den FTSE Emerging Markets Index abbildet, dort ist der Anteil mit 33 Prozent sogar noch höher.
Viele Investoren fürchten dadurch ein Klumpenrisiko, weshalb sie häufig nach Alternativen suchen, bei denen die Volksrepublik weniger ins Gewicht fällt.
Mehr Streuung durch Nischen-Investment
Für einige Börsenneulinge zählen bereits Schwellenländer zu den Nischen-Märkten. Noch dazu auf die kleinen Unternehmen in dem Markt zu setzen, scheint riskant – was es durchaus auch sein kann.
Dennoch birgt es auch einen gewissen Charme: Denn der SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap hat kaum Überschneidungen mit den gängigen Welt-Indizes – was für mehr Streuung im Depot sorgen kann. Der gängigste globale Index, der MSCI World, bezieht sich nur auf große Unternehmen und eine Reihe mittelgroßer Firmen. Gleiches gilt für den Index MSCI All Country World, der neben den etablierten Industrieländern auch Schwellenländer wie China, Indien, Russland und Brasilien abdeckt. Dennoch kommen im MSCI All Country World die Schwellenländer zusammengenommen nur auf einen Anteil von etwa 10 Prozent.
Investoren, die dagegen auf mehrere ETFs setzen, haben den Vorteil, die Mischung aus klassischen und exotischen ETFs selbst festlegen zu können – und so ihr Portfolio zu diversifizieren.
Auch, wenn der ETF auf Einjahressicht besser als so mancher Welt-ETF da steht, handelt es sich nach wie vor eher um ein exotisches Investment, das sich vorzugsweise als Beimischung für breit aufgestellte Depots eignet.
Zudem sollten Anleger beachten, dass auch im Mid- und Small-Cap-Segment die großen Titel einen überproportional hohen Anteil am Gewicht ausmachen. Ein Umstand, der die Gewichtung nach Marktkapitalisierung mit sich bringt. Wem es also generell darum geht, die Gewichtung nach Marktkapitalisierung zu umschiffen, der könnte bei aktiv verwalteten Fonds besser aufgehoben sein. Gerade im Bereich der Small Caps können aktive Fonds den Vorteil haben, dass die Auswahl der Titel gezielter erfolgt und Fondsmanager einen genauen Blick auf die jeweiligen Unternehmen haben.
Aber auch hier gilt: Gebühren und Performance zwischen aktivem und passivem Investment stets genau abzuwägen und das beste für die eigene Investmentstrategie herauszusuchen.
