Stephen Derkash

Stephen Derkash

Small Caps als Türöffner zu den Emerging Markets

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Das Interview wurde DAS INVESTMENT.com freundlicherweise von UBS Deutschland zur Verfügung gestellt. Sind Emerging Markets Small Caps nicht auch sehr risikobehaftet? Wie ist Ihr Fonds darauf ausgerichtet?

Angesichts der in den letzten Jahren deutlich verbesserten Regulierungen hinsichtlich des Investorenschutzes, der Rechnungslegung und der Transparenz in den Emerging Markets ist das Risiko deutlich gesunken. Die größte makroökonomische Gefahr sehen wir im Inflationspotenzial in den Schwellenländern – eine echte Bedrohung erwarten wir jedoch nicht.

In unserem Fonds streuen wir das Risiko, indem wir breit über unterschiedliche Sektoren und Länder investieren. Gleichzeitig haben wir eine hohe Anzahl von Aktien im Portfolio – es sind 100 bis 200 Einzeltitel, die maximal mit fünf Prozent gewichtet sein dürfen.

Was sind Ihre Kriterien bei der Auswahl der Aktien?

Für die Auswahl nutzen wir einen Bottom-up-Ansatz, um die Firmen mit dem größten Potenzial für ein kontinuierliches Gewinnwachstum zu identifizieren. Bevor eine Aktie in den Fonds aufgenommen wird, prüfen wir im Rahmen des Risikomanagements die politische Lage, den Sektor an sich und die Marktkapitalisierungsrisiken. Parallel führen wir eine fundamentale Unternehmensanalyse durch.

Können Sie uns ein konkretes Beispiel geben?

Im Jahr 2008 berichtete uns das Management einer großen brasilianischen Bank, wie schnell der lokale Markt für Zahnversicherungen wächst. Das lag daran, dass die Arbeitslosigkeit in Brasilien sank und die Löhne stiegen. Firmen begannen um gute Arbeitnehmer zu konkurrieren, unter anderem auch mit medizinischen Vorsorgeleistungen.

Dazu zählten vor allem Zahnversicherungen. Allein zwischen 2002 und 2009 wuchs dieser Markt um 18 Prozent. Unser Recherche fasste einen Anbieter von Zahnversicherungen, der gerade erfolgreich den Börsengang gemeistert hatte, ins Auge. Der Versicherer hielt zudem einen Marktanteil von satten 25 Prozent.

Wir haben die Aktie analysiert, als attraktiv eingestuft und investiert. Das Unternehmen hat sich in der Folgezeit sehr gut entwickelt. Wie das Beispiel zeigt, sind Small Caps oft der einzige Weg, um ein attraktives Investmentthema spielen zu können.

In welchen Ländern und Branchen sind Sie derzeit stark investiert?

Wir sind derzeit in Mexiko, Thailand, Indonesien und den Philippinen übergewichtet. Dort profitieren die Firmen von einem gesunden makroökonomischen Umfeld. Untergewichtet sind wir auf Länderebene gegenwärtig in Taiwan, Südkorea und Südafrika.

Auf der Branchenebene wiederum mögen wir Konsumaktien und den asiatischen Immobiliensektor. Für Letzeren sprechen vor allem die nach wie vor niedrigen Zinsen.

Wie trennen Sie sich von Aktien?

Wir haben einen disziplinierten Verkaufsprozess. Wir stoßen Aktien ab, wenn sich unsere Investmentthese ändert, wir eine bessere Anlageidee haben oder sich die finanziellen und fundamentalen Faktoren ändern.

Wir verkaufen aber auch, wenn eine Aktie sich dauerhaft schlecht entwickelt, obwohl wir keinen Grund dafür sehen. Wir vermeiden so, dass wir eine Aktie behalten, nur weil wir sie mögen.

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