Fonds der WocheDerMittelstands-JägersetztaufValueundESG
Small Caps, Europa und Value – diese Kombination läuft 2025 gut. Der Peacock European Best Value ESG vereint alle drei Elemente und profitiert vom Aufholpotenzial kleinerer Titel.
Small und Mid Caps, Europa und Value entwickeln sich in diesem Jahr bislang stark. Eine Kombination aus allen drei Bereichen plus ESG-Kriterien bietet der Peacock European Best Value ESG Fonds.| Bildquelle: Midjourney
Small und Mid Caps, Europa und Value entwickeln sich in diesem Jahr bislang stark. Eine Kombination aus allen drei Bereichen plus ESG-Kriterien bietet der Peacock European Best Value ESG Fonds. Fondsmanager Marc Siebel gründete Peacock Capital 2012 nach mehr als zwölf Jahren im institutionellen Fondsmanagement.
Bei Siebel stehen substanzwertorientierte Unternehmen aus dem europäischen Mittelstand im Fokus. Den ESG-Zusatz trägt der Artikel-8-Fonds seit 2021: Gesucht werden Firmen, die einen besonderen Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen leisten. Im Mittelstand findet Siebel viele Unternehmen, die sich in Nischen bewegen, oftmals Weltmarktführer sind und eine hohe Innovationskraft mitbringen.
Ausgeschlossen werden Firmen aus Sektoren wie Militär, Atomkraft, Öl & Gas, Tabak und Kohleabbau. Auch Unternehmen, die durch Korruption oder Menschenrechtsverletzungen auffallen, kommen nicht ins Portfolio.
Die Titelauswahl
Wie identifiziert Siebel Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial in einem Markt, der oft von Unsicherheiten und geringerer Transparenz geprägt ist? Der Manager setzt auf seinen quartalsweise angewendeten Peacock Opportunity Filter, den er nach eigenen Angaben schon seit 15 Jahren nutzt. Dabei werden Kennzahlen wie EV/Ebitda oder EPS-Wachstum zu allen Small Caps in Europa gegenübergestellt.
Unternehmen mit starkem Gewinnwachstum und günstigem EV/Ebitda erscheinen weiter oben. Hinzu kommen etwa 200 Gespräche pro Jahr mit Unternehmen, Konferenzen und Roadshows. Nur so erkenne man, dass beispielsweise manche Kennzahl von Analysten falsch geschätzt wird oder Firmen bestimmte Sondersituationen haben, erklärt Siebel.
Da bei Small Caps oft kein offizielles ESG-Rating vorliegt, führt Siebel eigene ESG-Analysen mittels eines selbst entwickelten Fragebogens durch. Auch in den Gesprächen mit den Unternehmen wird diesbezüglich nachgehakt.
Fokus auf strukturell wachsenden Firmen
Auf die Frage nach dem Umgang mit erhöhten Liquiditätsrisiken bei Small Caps antwortet Siebel, der Fonds sei klein und fein, deshalb sei Liquidität kein Problem. Bei der Frage nach Strategien zur Risikominimierung wird er deutlicher: „Ich gebe immer Vollgas. Der Fonds ist ein Aktienfonds, kein Balanced-Fonds. Wer Performance will, muss durchhalten.“
Er habe früher geglaubt, den Markt durch Absicherungen timen zu können. Das gehe meist nach hinten los, wie ein Blick auf die Performance von Aktienfonds zeige, die absichern.
Zu makroökonomischen Faktoren sagt Siebel, dass Nebenwerte grundsätzlich von „brummender Konjunktur“ und stabilen Zinsen profitieren. Viele Small-Cap-Indizes hätten einen hohen Anteil an zyklischen Branchen. Deutsche Titel seien stärker abhängig vom Export und litten stärker unter Zollstreitigkeiten als spanische oder italienische Small Caps.
Im Peacock Best Value Fonds liege der Fokus auf Firmen, die strukturell wachsen, Sondersituationen aufweisen oder systematisch Marktanteile in Nischen gewinnen. Dann sei die Anfälligkeit für makroökonomische Einflussfaktoren geringer.
Tech-Aktien als „Unwort“
Besonders kritisch äußert sich Siebel zu Technologieaktien: „Technologieaktien ist für uns fast schon ein Unwort.“ 95 Prozent der in dieser Branche diskutierten Titel seien viel zu hoch bewertet und würden ihre Profitabilität in Zukunft nicht halten können. Dass diesen Firmen schnell das Geld ausgehen kann, sei ein weiterer Punkt. Die Kurseinbrüche dieser Titel in diesem Jahr hätten dies gezeigt.
Bei der Frage nach attraktiven Sektoren nennt Siebel Titel, die von der Energiewende und Elektrifizierung profitieren. Nicht zuletzt seit Merz' Investitionsplänen seien einige dieser Titel in den Blickpunkt geraten. Hier sei er schon lange stärker investiert – nicht nur wegen ESG-Aspekten, sondern weil diese Branchen strukturell stark wachsen würden.
Die gute Performance der letzten Monate sei nicht auf ein oder zwei Titel zurückzuführen gewesen, betont Siebel. Vielmehr sei es eine Reihe von Titeln gewesen, die extrem günstig zum inneren Wert notierten und als langweilig galten, dann aber mit hohen und nachhaltigen Wachstumsraten überrascht hätten. Mehr als zehn Titel hätten seit Jahresanfang um mehr als 30 Prozent zugelegt.
Schwierig sei es manchmal, rechtzeitig auszusteigen, wenn Firmen die Erwartungen wiederholt enttäuschen und nicht transparent genug kommunizieren. Bei Gerresheimer sei dies der Fall gewesen. Funktioniert habe es, viele Tech-Aktien zu meiden.
Bei einem Interview im Oktober 2024 hatte Siebel gesagt, es sei ein historisch guter Zeitpunkt, um bei Small Caps einzusteigen. Inzwischen seien sowohl Blue Chip- als auch Small-Cap-Indizes zweistellig gestiegen. Der Fonds habe aber noch einmal draufgelegt, was auf die Stock-Picking-Gründe zurückzuführen sei.
Nach Siebels Einschätzung macht es keinen Sinn, dass ein europäischer Small Cap mit solider Nischenposition und zweistelligem Wachstum 25 Prozent günstiger notiert als sein Blue-Chip-Pendant und im Vergleich zu US-Mitbewerbern sogar einen Abschlag von bis zu 40 Prozent aufweist.
Der Abschlag zum fairen Wert liege im Fonds im Schnitt bei 30 bis 40 Prozent. Rechnerisch wäre theoretisch ein Upside von etwa 50 Prozent möglich. Dass einige Firmen aus dem Portfolio zuletzt übernommen wurden, sei ein gutes Zeichen. Im April wurde die Greenyard NV übernommen, was ein Plus von 30 Prozent für Aktionäre bedeutete. Bereits die vierte Übernahme eines Portfolio-Titels in zwölf Monaten.
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